"Der hat schon ausgesehen wie ein Opfer"

v.l. Bezirksinspektorin Simone Wögerbauer (SPK Linz), Stadtpolizei-Chef Karl Pogutter und Staatsanwalt Philip Christl bei der Pressekonferenz Donnerstagvormittag in Linz.
v.l. Bezirksinspektorin Simone Wögerbauer (SPK Linz), Stadtpolizei-Chef Karl Pogutter und Staatsanwalt Philip Christl bei der Pressekonferenz Donnerstagvormittag in Linz.Bild: Claudia Ruzmarinovic
Seit Herbst 2018 treibt eine Jugendbande in Linz und Umgebung sein Unwesen. Beamte der Stadtpolizei Linz haben die Mitglieder jetzt ausgeforscht.
Rund 100 Delikte – davon 22 Raubüberfälle (viele davon unter Einsatz eines Messers), 10 Diebstähle, 12 Körperverletzungen und mehrere Verstöße gegen das Suchtmittel- und Waffengesetz sowie diverse Straftaten von gefährlicher Drohung und Nötigung – all das geht auf die Kappe einer mehrköpfigen Jugendbande.

43 Personen können der sogenannten "Babyface"-Gang, ehemals bekannt auch als Jugendbande LML (Leben mit Loyalität), zugeordnet werden. Beamte des Stadtpolizeikommandos Linz haben die Mitglieder der Gang ausgeforscht. Die Ermittlungsergebnisse wurden bei einer Pressekonferenz Donnerstagvormittag von der Polizei und der Staatsanwaltschaft Linz präsentiert.

"Babyface" und Multikulti-Gang

"Was die Gruppierung ungewöhnlich macht, ist, dass die Nationalitäten bunt gemischt sind. Neben Afghanen, Syrern, Bosniern, Tschetschenen und Personen aus dem Irak und Iran, sind auch zwölf Österreicher und ein Halb-Grieche-Halb-Pole Teil der Bande", so Philip Christl, Sprecher der Linzer Staatsanwaltschaft.

CommentCreated with Sketch.6 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Die ausgeforschten Jugendlichen sind zwischen 13 und 19 Jahre alt, acht von ihnen sind strafunmündig, da sie unter 14 Jahre alt sind. Die Jugendlichen stammen aus "gut integrierten Familien", deren Eltern mit der Situation überfordert waren.

Taten mit Handykamera gefilmt

"Kennen dürften sich die Jugendlichen überwiegend aus der Schule. Per Instagram haben sie sich ausgemacht, wo sie sich als nächstes treffen. Dort wurden übrigens auch Videos ihrer Taten veröffentlicht ", sagt Simone Wögerbauer – die Polizistin wurde vom Stadtpolizeikommando extra für die Ermittlungen angestellt.

Aufgefallen sei die Bande primär durch Raube, so Stadtpolizei-Chef Karl Pogutter weiter. Die Mitglieder waren dabei in unterschiedlichen Konstellationen nicht nur in Linz zum Beispiel am Hauptbahnhof oder Urfahranermarkt sondern auch in Leonding und Pasching (Plus City) unterwegs.

Opfer: Jüngere und Schwächere

Ihr Motiv: Imponier- und Machtgehabe. "Obwohl es oft mehr zu holen gegeben hätte, forderten sie neben dem Handy oft nur ein oder zwei Euro. Über die Höhe der Beute kann ich gar nichts genaueres sagen, sie ist jedenfalls überschaubar", so Staatsanwalt Philip Christl.

Ihre Opfer habe sich die Bande ganz gezielt ausgesucht. Konzentriert worden sei sich auf jüngere bzw. gleichaltrig Schwächere – auf Personen "die schon wie ein Opfer ausgeschaut hätten", wie einer der Beschuldigten bei der Befragung angab.

Einen wirklichen Kopf der Bande gab es nicht, obwohl ein Brüderpaar immer wieder federführend war. 14 der Beschuldigten hatten schon ihren Hauptverhandlungstermin, dem Rest der strafmündigen Jugendlichen steht der noch bevor.

14-Jähriger zu fünf Monaten Haft verurteilt

Erst am Freitag wurde ein 14-jähriges Gangmitglied am Landesgericht in Linz zu fünf Monaten Haft verurteilt. In der Gruppe hatte er unter anderem zwei mal versucht, ein 11-jähriges Mädchen auf einem Spielplatz zu verprügeln und zu berauben. Nur aufgrund der heftigen Gegenwehr des Mädchens blieb es bei den Versuchen. Wir berichteten.





(cru)

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