"Detroit": Kathryn Bigelow über US-Polizeigewalt

Kathryn Bigelows hochspannender Thriller "Detroit" dreht sich um den "Algiers Motel Incident" bei dem drei Afroamerikaner von Polizisten getötet wurden.

1967, Detroit: Schon seit Jahren fühlt sich die schwarze Bevölkerung von den weißen Polizisten diskriminiert und schikaniert. Am 23. Juli 1967 eskaliert die Situation: Anlass ist eine Razzia in einer illegalen Bar, in der gerade eine Willkommensparty für zwei Kriegsrückkehrer aus Vietnam stattfindet.

Die Polizei will alle 82 Afroamerikaner festnehmen. Tausende Menschen gehen daraufhin auf die Straße, um zu protestieren. Es werden Feuer gelegt, Schaufenster eingeschlagen, Geschäfte geplündert. Der US-Präsident Lyndon B. Johnson schickt daraufhin das Militär in die Stadt.

In der Nacht auf den 26. Juli, zwei Tage nach Beginn der Aufstände werden aus dem "Algiers Motel" Pistolenschüsse gemeldet. Eine Gruppe von Beamten, unter anderem der rassistische Ermittler Krauss, stürmt daraufhin das Motel.

Die anwesenden Gäste, darunter auch ein Sänger der Soul-Band "The Dramatics" und sein bester Freund, müssen sich einem gefährlichen Verhör unterziehen – in Isolation sollen sie durch Einschüchterung zum Geständnis gedrängt werden. Das lebensbedrohliche Machtspiel eskaliert und bringt schwerwiegende Folgen mit sich …

5 Tage. 1.189 Verletzte, 43 Tote

Fünf Tage dauerten die Detroiter Unruhen. Über 1.189 Menschen wurden schwer verletzt, mehr als 7.000 verhaftet, 43 kamen ums Leben.

Was passierte im "Algiers Motel": Rätsel bis heute ungelöst

In "Detroit" stehen nicht die Bürgerrechtsaufstände im Vordergrund, sondern die schrecklichen Ereignisse im "Algiers Motel". Und die sind - zumindest im europäischen Raum - weitgehend unbekannt. Bis heute ist umstritten, was sich wirklich im Hotel zugetragen hat. Fakt ist, dass drei Menschen ums Leben gekommen sind – getroffen von Polizeikugeln.

Die großen Themen in "Detroit" sind Gewalt, die Ungerechtigkeit der "weißen" Polizisten gegenüber Afroamerikanern und die Musik. Die Stadt im Bundesstaat Michigan gilt als Geburtsstadt des "Motown". Neben den Songs der Soul-Band "The Dramatics" gibt's jede Menge "Motown" aus den 60er Jahren, unter anderem von Marvin Gaye und Brenda Holloway.

Von "Star Wars"-Helden zum feigen Cop

Zu den Hauptdarstellern zählt John Boyega ("Star Wars: Das Erwachen der Macht"), der in die Rolle des afroamerikanischen Sicherheitsbeamten Melvin Dismukes schlüpft. Er erlebt die brutalen Foltermethoden der weißen Polizisten im Motel mit, traut sich allerdings nicht, ihnen zu widersprechen.

Den weißen Bösewicht verkörpert Will Poulter ("Wir sind die Millers", "The Revenant - Der Rückkehrer" an der Seite von Leonardo Di Caprio). Die Figur des brutalen Nazi-Cops ist ihm wie auf dem Leib geschneidert. Algee Smith spielt die Rolle des Larry Reed, ein Mitglied der Soul-Band "The Dramatics", der schon lange davon träumt mit seiner Gruppe bei einem renommieren Label unter Vertrag genommen zu werden.

Inszeniert wird "Detroit" von Kathryn Bigelow, die für "Hurt Locker" als erste Frau einen Regie-Oscar mit nach Hause nehmen konnte.

Von Weißen, über Schwarze: beste Oscar-Chancen

Obwohl der Film fast drei Stunden dauert, vergeht die Zeit wie im Flug. "Detroit" bewegt sich erschreckend nah an den aktuellen politischen Entwicklungen und überzeugt in jeder Hinsicht - angefangen vom animierten Intro, über das spannende Drehbuch bis hin zur schauspielerischen Leistung. Einige US-Medien kritisieren, dass "Detroit" von "Weißen" gemacht worden ist. Zwar spielen afroamerikanische Schauspieler mit, doch weder in der Regie noch in der Produktion hat ein Afroamerikaner mitgewirkt. Trotzdem werden dem Film beste Oscar-Chancen vorhergesagt. Verdient hätte er ihn. Absolut empfehlenswert!

Der Film startet am 23. November 2017 in den österreichischen Kinos.

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