"Die Beziehung mit ihr frisst mich innerlich auf!"

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Klaus scheint etwas vorschnell gehandelt zu haben, als er kürzlich seine Freundin heiratete. Seither gehts nämlich nur noch bergab. Wie weiter?

Frage von Klaus (47) an Doktor Sex: Ich habe vor sechs Monaten meine 12 Jahre ältere Freundin geheiratet. Wir haben schon beide eine Ehe hinter uns und damit nicht nur positive Erfahrungen gemacht. Es ging alles sehr schnell: verloben, zusammenziehen, heiraten. Ich liebe sie wirklich über alles und will sie auf Händen tragen. Doch leider haben wir immer mehr Tiefs, und zunehmend fühle ich mich nicht mehr immer verstanden von ihr.

Ich verlange nicht viel. Ich möchte das Gefühl haben, ihr Mann zu sein, mal in den Arm genommen werden und meine Bedürfnisse äußern können. Ich zeige und sage ihr, wie viel sie mir bedeutet und wie sehr ich sie liebe. Aber ihr fällt es wahnsinnig schwer, auf mich zuzukommen. Sie macht vieles mit sich selber aus, und das empfinde ich als kaltherzig.

Aus meinen Umfeld bekomme ich oft zu hören, dass andere froh wären, jemanden wie mich zu haben, der alles für andere tut. Ich möchte sie nicht verlassen, aber unsere Situation frisst mich innerlich auf. Manchmal denke ich, es wäre besser, zu gehen – auch wenn ich sehr darunter leiden würde. Oft habe ich das Gefühl, dass für sie die Hauptsache ist, nicht allein zu sein. Besteht eine Ehe nicht aus Geben und Nehmen?

Antwort von Doktor Sex

Lieber Klaus

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Beim Lesen deiner Frage ist mir ein Ausschnitt aus Schillers Gedicht "Das Lied von der Glocke" eingefallen. Er schreibt: "Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich das Herz zum Herzen findet! Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang."

Wie du schreibst, scheint ihr keine Zeit darauf verwendet zu haben, eure Kompatibilität hinsichtlich eurer Ansprüche an eine Beziehung und das Gegenüber, mit dem ihr diese lebt, zu überprüfen, und dafür bezahlt ihr nun beide einen Preis.

Falls du denken solltest, du seiest der Einzige, der in eurer Beziehung leidet: Deiner Partnerin geht es in der aktuellen Situation wahrscheinlich auch nicht gerade blendend, da sie mit ihrer Strategie genauso wenig erfolgreich ist wie du.

Tatsächlich besteht die Ehe – so wie letztlich alle anderen Formen von Beziehung auch – aus Geben und Nehmen. Jedoch ist mit der Beschreibung dieses grundlegenden Mechanismus einer Partnerschaft nichts über die Inhalte gesagt, die so ausgetauscht werden.

Und genau da liegt vermutlich die Herausforderung, der ihr euch nun langsam, aber entschieden stellen solltet: für euch erst individuell zu klären, was eure spezifischen Bedürfnisse sind – und diese dann einander in einem Gespräch mitzuteilen.

Es macht nämlich absolut keinen Sinn, zu hoffen, dass der Partner oder die Partnerin sich irgendwann per Zufall genau so verhalten wird, wie man sich das wünscht. Sobald aber Wünsche und Erwartungen kommuniziert sind, kann er oder sie beginnen, darauf einzugehen.

Falls ihr dies nicht allein schafft, empfehle ich euch, die Dienstleistungen eines Paarberaters in Anspruch zu nehmen. Er oder sie ist darauf spezialisiert, solche Prozesse zu begleiten und Paare bei der Lösungsfindung zu unterstützen. Toi toi toi!

Ihre Frage an Doktor Sex: doktor.sex@heute.at

(red)

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