"Die Schmerzen beim Sex blockieren mich total!"

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Miris Körper verspannt sich sofort, wenn es auch nur im Entferntesten um Sex geht. Was tun?
Frage von Miri (21) an Doktor Sex: Ich fühlte mich nicht bereit, habe mich aber von meinem Freund zu Sex überreden lassen. Anfänglich gefiel es mir. Später hatte ich immer weniger Spaß. Ich weinte danach oft und fühlte mich irgendwie ausgenutzt. Wenn er mich fragte, was los sei, sagte ich immer, ich sei traurig, dass ich keinen Orgasmus hatte. Wir trennten uns dann.

Der Sex mit meinem jetzigen Partner war erst sehr leidenschaftlich und ich hatte Vergnügen dabei. Jedoch ignorierte ich die Schmerzen der Penetration. Mit der Zeit konzentrierte ich mich dann aber darauf, was zu einer psychischen und körperlichen Blockade führte. Mittlerweile ist es drei Monate her, seit wir das letzte Mal Sex hatten.

Er kann gut damit umgehen und will mich zu nichts zwingen und mir auch nicht wehtun. Wir reden auch darüber. Ich würde jedoch gern aktiv etwas gegen diese Blockade tun. Aber ich habe immer noch null Lust auf Sex – und wenn wir uns einmal ein bisschen wilder küssen, verspannt sich mein Körper sofort total. Was kann ich tun?

Antwort von Doktor Sex

Liebe Miri

CommentCreated with Sketch. Jetzt kommentieren Arrow-RightCreated with Sketch. Körperliche Schmerzen wirken sich nicht nur auf der physischen Ebene aus. Auch Psyche, Denken und Handeln werden davon beeinflusst, und die Auswirkungen auf das Wohlbefinden können massiv sein. Je nachdem, wie lange sie andauern und wie stark sie sind, prägen sie sich tief ins Körperbewusstsein ein.

Ist der Schmerz einmal beseitigt, bleibt die erhöhte Alarmbereitschaft oft weiterhin bestehen. Insbesondere in Situationen, die in der Vergangenheit dazu führten, reagiert der Körper immer wieder mit erhöhter Spannung. Diese dient als Vorbereitung auf eine allenfalls notwendige Reaktion: Entweder um die Ursache abwenden oder flüchten zu können.

Es handelt sich dabei um ein uraltes Überlebensprogramm, das automatisch ausgeführt wird und nicht direkt vom Bewusstsein beeinflusst werden kann. Aus diesem Grund erleben sich Menschen solchen körperlichen Reaktionen gegenüber oft als ohnmächtig und ausgeliefert. Wichtig ist daher Geduld und dass du den Körper nicht verurteilst.

Er hat in der Vergangenheit gelernt, dass Geschlechtsverkehr schmerzhaft ist. Und auch, dass er sich offenbar nicht auf dich, die ihn ja eigentlich vor negativen Einflüssen schützen sollte, verlassen kann. Mit dem Partner zu reden nützt daher wenig – ebenso, wie dem Körper zu sagen, er solle sich nicht so anstellen und endlich mit seinen Reaktionen aufhören.

Er funktioniert in seiner ihm eigenen Geschwindigkeit – und diese ist sehr tief. Nun braucht er vor allem die Möglichkeit, Vertrauen aufzubauen und "Frieden" zu schließen mit dieser für ihn beängstigenden Situation des Geschlechtsverkehrs. Er hat damit bis anhin ja nur negative Erfahrungen machen können.

Unterstütze ihn in diesem Lernprozess und gib ihm Gelegenheit, die Vagina als lustvoll und unproblematisch in sein Schema zu integrieren. Am besten geht das, indem du ihm vielfältige Erfahrungen ermöglichst, um Berührungen und Liebkosungen, aber auch Geschlechtsverkehr als etwas zu erleben, das zu Wohlbefinden führt und sich lustvoll und angenehm anfühlt. Viel Spaß!

Deine Frage an Doktor Sex: doktor.sex@20minuten.ch (wer)

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