"Dreams" im Test: Ein Traum von einem Spiel

Nach einer beeindruckenden Early-Access-Phase ist Sonys Traumwerkstatt "Dreams" für Playstation 4 erschienen. Und ist einfach traumhaft.
Nach einiger Zeit im Early Access ist "Dreams" nun als fertige Spielversion erschienen. Handelte es sich zuvor um einen beeindruckenden Werkzeugkasten für ambitionierte Bastler, bekam der Titel von Media Molecule nun auch einen Story-Modus, mehr Werkzeuge und eine übersichtlichere Darstellung spendiert, um auch Neulinge besser einzubinden.

"Dreams" ist primär eigentlich gar kein Spiel, sondern das Tor zu jedem möglichen Spiel. In dem Titel kann man sich selbst alles erschaffen, was man sich erträumen kann: Neue Games, interaktive Filme, eigene Welten. Und dazu braucht man nicht einmal über technisches Wissen verfügen. Hier gibt es keine Codezeilen, die eingetippt und keine Animationen, die zeitraubend selbst erstellt werden müssen. Alles ist vorbereitet.

Was man allerdings braucht: Viel Zeit, Kreativität und Geduld. Wer es eilig hat oder selbst nicht so kreativ ist, kann auf Hunderte Vorlagen und Elemente anderer Nutzer zurückgreifen – sofern diese sie freigegeben haben – und sie für den eigenen Traum verwenden. Schon in unserer Preview hieß es: "Dreams" ist eigentlich das, was in der analogen Welt Lego ist. Die Bausteine stehen alle zur Verfügung, was man aus ihnen macht steht jedem frei.

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Weg mit den Konzepten!

Was in "Dreams" bereits bisher entstand, kann sich sehen lassen (auch in der Fotoshow) oben. Der Titel zeigt aber auch, wie festgefahren sich die Spiele-Industrie in den letzten zehn bis 20 Jahren hat. Noch versuchen die meisten "Dreams"-Zocker, sich ihr eigenes "Super Mario" oder "Tetris" zu bauen. Doch "Dreams" bietet weit mehr, wenn man sich ein vorgefertigtes Konzept abstreift und sich selbst ans Probieren macht.

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Egal ob schnelle Game-Versuche, langlebige Marathon-Projekte oder nur stiller Beobachter: In "Dreams" kann man selbst erschaffen oder nur die Werke anderer erleben, so viel das Herz begehrt. Vom kleinen Mädchen, das mit ihrem Hund in einer düsteren Welt zu Tränen rührt, bis hin zum Weltraum-Horror-Shooter, der "Dead Space" um kaum etwas nachsteht, sprießen nun die "Dreams"-Werke nur so aus dem Boden.

Ein Spiel statt hunderter

Wer sich eingehend mit "Dreams" beschäftigt, braucht in der Theorie auch kein anderes Spiel mehr. Denn: Im Editor lassen sich sämtliche anderen Games nachbauen, wenn man genug Geduld und Zeit besitzt. Mit einem niedlichen kleinen Figürchen, das man animiert, kann man sich einen Titel wie Super Mario basteln; mit einigen geometrischen Formen und Farben ein Spiel wie Tetris bauen.

Bereits jetzt gibt es auch Sammlungen, in denen mit Stichwörtern einfache Objekte und Elemente schnell der eigene Kreation hinzugefügt werden können. Außerdem kann man den Traum so komplex oder simpel wie gewünscht umsetzen. Eine einfache Katze ist in wenigen Stunden modelliert, soll sie auf Streicheleinheiten per Controller reagieren, dauert die Arbeit aber gleich mehrere Tage an.

Geduld zahlt sich aus

Keine Frage, in "Dreams" etwas zu erschaffen ist hart. Aber: Selbst wer keinerlei Vorkenntnisse über Programmierung, 3D-Modellierung und Co. hat, kann sich hier alles selbst beibringen, ohne dass es zu komplex wird. Geduld und Ausprobieren sind die Schlüssel zum eigenen Traum. Letztlich ist "Dreams" kein Spiel, sondern das Tor zu jedem nur erdenklichen Spiel. Der Titel hat das Potenzial, die Game-Welt von Grund auf zu erschüttern.

Dreams
Dreams


"Dreams" ist so etwas wie die Erfindung des Rades, es könnte die Videospiele revolutionieren. Warum es noch keinen Hype um das Game gibt, ist schwer nachzuvollziehen. Vielleicht ist es auch das, was die ganzen "Dreams"-Konzepte zeigen: Jeder tastet sich noch an die Möglichkeiten des Titels heran und wir entdecken alle gerade erst, was mit "Dreams" alles wirklich möglich ist.

Der beste Geschichtenband der Welt

Sich durch die "Dreams"-Werke anderer Spieler zu träumen, wird schnell zur Sucht. So weiß man vorher nie genau, in welchem Abenteuer man landet. Wird es ein niedliches Spiel sein? Oder ein melancholischer Film? Wer die Werke durchprobiert, wird darunter zwar viele Missgeschicke erleben, trotzdem ist "Dreams" so etwas wie der beste Geschichtenband der Welt. Denn auch halbfertige oder misslungene Werke sprühen vor Ideen ihrer Entwickler, die zu eigenen Taten inspirieren.

Die finale Version von "Dreams" zeigt zahlreiche Verbesserungen im Vergleich zur Early-Access-Phase. Ladezeiten gibt es fast keine mehr, der über die Motion-Capture-Funktion des Controllers gesteuerte Cursor reagiert nun unglaublich präzise und aus dem einfachen Tutorial wurde ein richtiger Story-Modus, der die Möglichkeiten der Traumwerkstatt Schritt für Schritt aufzeigt. Es ist ein locker-lässiges und witziges Erlebnis, eine tiefgehende Kampagne darf man sich hier allerdings nicht erwarten.

Nicht weniger als ein Meisterwerk

"Dreams" ist der Traum eines jeden Spielers, der ein wenig Kreativität mitbringt. Was gebraucht wird, ist eine Idee. Und die lässt sich dann mit wenigen Kniffen auf den Bildschirm zaubern. Ein geniales Werkzeugtool bietet unzählige Elemente, aus denen Tiere, Natur oder Objekte sekundenschnell erschaffen und platziert werden können. Trotz der Millionen Möglichkeiten bleibt der Editor dabei so übersichtlich, dass sich selbst Kinder zurechtfinden.



Schnell hört man in "Dreams" auf, nach Funktionen und Objekten zu suchen und zeichnet verträumt vor sich hin, verleiht den Animationen Musik und Töne und erweckt sie mit Bewegungsabläufen zum Leben. Hat man den ersten, noch so simplen Traum verwirklicht, stellt sich ein Glücksgefühl ein, das seinesgleichen sucht. Gleichzeitig steigt die Ambition, noch etwas Größeres, Anspruchsvolleres zu schaffen. Das Beste aber ist: "Dreams" ist herausragend gut, steht aber erst am Anfang einer großen Reise. Wohin die geht und ob "Dreams" überhaupt jemals an seine Grenzen stößt, kann man sich jetzt noch gar nicht erträumen.



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