"Dunkirk": Spannung statt Blut im genialen Kriegsfilm

Christopher Nolan ("The Dark Knight", "Inception") widmet sich der Schlacht von Dünkirchen - und das sieht furchterregend gut aus!

Sie hat wildromantischen Charakter, diese wahre Geschichte aus dem Zweiten Weltkrieg: Als die Wehrmacht im Mai 1940 Frankreich überrollte, wurde das knapp 400.000 Mann starke Expeditionskorps der Briten im Küstenstädtchen Dünkirchen (englisch: Dunkirk) eingekesselt. Die Engländer mobilisierten daraufhin hunderte zivile Schaluppen, von Fischer- bis zu Ruderbooten, die den Kanal überquerten, um die Soldaten zurückzuholen. Mehr als vier Fünftel der Truppen konnten so gerettet und Großbritannien vor einer drohenden Invasion bewahrt werden. Ein letztlich kriegsentscheidender Moment, und eine Heldentat, die bis heute nicht aus dem kollektiven Gedächtnis der Briten verschwunden ist.

Mit der Romantik räumt (der in London geborene) Regisseur und Drehbuchautor Christopher Nolan schon in den ersten Minuten von "Dunkirk" auf. Unterlegt von einem unheilschwangeren Soundtrack - die Art vertonte Beklommenheit, die dem Zuschauer die Nackenhaare aufstellt und schon die Szenen des Jokers in "The Dark Knight" begleitete - fliegt die deutsche Luftwaffe Angriffe auf den Strand von Dünkirchen. Naht ein feindliches Flugzeug, verwandeln sich die ordentlichen Reihen der Briten in ein gigantisches Durcheinander. Bomben fallen, Menschen sterben. Dann rappeln sich die Uniformierten auf, schütteln den Sand ab und formieren sich erneut: Lange Schlangen, die in die Brandung führen - ein Bild der absoluten Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung.

ACHTUNG, leichte SPOILER folgen...

"Dunkirk" ist grausiger, spannender und nervenaufreibender als sämtliche Kriegsfilme seit Spielbergs "Der Soldat James Ryan" (1998) zusammen. Und das obwohl Nolan keinen einzigen Tropfen Kunstblut vergießt und dem Publikum nicht einen deutschen Soldaten zeigt. Allein für diesen Kniff hat sich "Dunkirk" bereits das Prädikat "genial" verdient.

Die Story folgt drei groben Handlungssträngen: Infantrist Tommy (Fionn Whitehead) versucht verzweifelt, dem Strand zu entkommen; Captain Dawson (Mark Rylance) bricht mit seinem Boot Richtung Dünkirchen auf; und Pilot Farrier (Tom Hardy) verfolgt mit letztem Einsatz die deutschen Jäger. Die zeitliche Abfolge der Ereignisse ist bisweilen leicht verwirrend, verhindert aber, das der Plot ins Stocken kommt. Bis zum emotionalen Ende, an dem die stetig bedrohliche Stimmung erstmals ein klein wenig Richtung Patriotismus kippt, ist Durchatmen praktisch unmöglich.

Nolans Regie und die überwältigenden Bilder von Kameramann Hoyte Van Hoytema sind die eigentlichen Stars des Films. Unter den schauspielerischen Leistungen stechen vor allem jene von Whitehead und Rylance heraus. Der ehemalige "One Direction"-Sänger Harry Styles zeigt zudem in einer Nebenrolle sein Können.



"Dunkirk" startet am 27. Juli 2017 in den österreichischen Kinos.

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