"Eigentlich sind Islam und Christentum sehr ähnlich"

Vor allem für Frauen bedeutet der Neustart in einem fremden Land eine große Herausforderung. "Heute" zeigt in einer Serie auf, wie Frauen ihr neues Leben in Wien meistern.

Ich treffe die beiden Schwestern F. (24) und Fa. (18) Rahimi in der Wohnung ihrer Wiener Patin, die sie vor zwei Jahren nach ihrer Ankunft in der Hietzinger Flüchtlingsunterkunft Jagdschlossgasse kennengelernt, ihnen privat Deutsch beigebracht hat und sie seitdem mit Rat und Tat freundschaftlich begleitet.



Die Schwestern waren 2015 mit ihren Eltern und zwei kleinen Geschwistern aus dem Iran geflohen, weil die als Afghanen rechtlose Familie bedroht wurde. Nach einer langen, beschwerlichen Reise, teils zu Fuß, war die 18-jährige Fa. zusammengebrochen, ihre Geschwister hatten ihre Rucksäcke mit Lebensmitteln und warmen Kleidern weggeworfen, um die kranke Fa. weiterzuschleppen.

In der Jagdschlossgasse verbrachte die Familie zehn Monate, bevor sie über einen Pfarrer eine Wohnung bekam. Letzterer organisierte auch der Mutter der beiden nach dem positiven Asylbescheid einen Hotel-Job. Ihr Vater, ein gelernter Handwerker, arbeitet ehrenamtlich für die Waldorfschule, um "etwas zurückzugeben", was seine Tochter durch ihre dortige Ausbildung erhält. Über das AMS hat er bis dato keinen Job erhalten.

"Die Arche Noah spielt auch im Islam eine Rolle"

"Wenn ich maturiert habe, will ich Ärztin werden – wenn

ich es schaffe", so die 18-Jährige, die ein Stipendium erhalten hat und einen Volleyballverein sucht. Ihr Traum: in der österreichischen Nationalmannschaft spielen.

"Bist du gläubig?", frage ich sie. "Nicht sehr. Für mich gibt es übrigens keine großen Unterschiede zwischen Christentum und Islam. Bei uns gibt's Jesus auch. Sogar Noah mit den Tieren kommt auch bei uns vor".

Und ihre Schwester? Die 24-Jährige, die im Iran mit dem Elektrotechnik-Studium begonnen hat – zu Prüfungen durfte sie dort nicht antreten –, beginnt im Herbst erneut mit diesem Studium, diesmal in Wien. „Dein Traumjob?", will ich von ihr wissen. "Als Computertechnologin bei IBM arbeiten." Für sie ist Religion eine reine Privatsache: "Gott ist in meinem Herzen. Bin ich traurig, spreche ich mit mir selbst." "Deine Hobbys?" "Gitarre spielen. Elke hat mir zu Weihnachten eine geschenkt." Sie will mit ihrer besten Freundin, Elkes Tochter Kati, in einem Frauenfußballverein spielen.

Die Schwestern, die in Hietzing schon viele Freunde gefunden haben, dürfen am Tag nach unserem Interview eine Rede anlässlich 70 Jahre Volkshochschule Hietzing halten – zum Thema Bildung. "Nervös?" "Ein bisschen", lachen die jungen Frauen.

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