"Einsamkeit und Konflikte als Themen an Festtagen"

Die diplomierte Krankenpflegerin Elisabeth Plank (52) kümmert sich auch zu Weihnachten um die Anliegen der Anrufer.
Die diplomierte Krankenpflegerin Elisabeth Plank (52) kümmert sich auch zu Weihnachten um die Anliegen der Anrufer.Bild: Denise Auer

Nicht für alle ist Weihnachten die stillste Zeit des Jahres. Wenn es bei der Familienfeier kracht oder Wiener in eine Krise rutschen, hilft Elisabeth Plank (52).

Weihnachten: das Fest der Familie, des guten Essens und des gemeinsamen Auspackens der Geschenke. Doch nicht für alle Wiener verlaufen die Feiertage so idyllisch. Während die einen unter Einsamkeit leiden, kann es bei anderen zu Streitigkeiten mit der Familie kommen.

Für alle jene, denen das zu viel wird, ist die diplomierte psychiatrische Krankenpflegerin Elisabeth Plank da. Die 52-Jährige arbeitet seit 1995 bei den Psychosozialen Diensten der Stadt Wien, seit zehn Jahren macht sie zu den Weihnachtsfeiertagen Telefondienst. Im Gespräch mit"Heute" erzählt sie, mit welchen Anliegen sie und ihre Kollegen von der Psychiatrischen Soforthilfe konfrontiert sind und wie sie den Anrufern weiterhilft.

"Kümmern uns um Menschen, die eine Krise erleben"

"Bei uns melden sich Menschen, die in einer Krisensituation sind. Das können Menschen mit psychischer Erkrankung, aber auch jeder andere sein. Bei manchen ist das Problem die Einsamkeit, bei anderen die Sorge, wie sie die Feiertage durchstehen oder sich bei Konflikten verhalten sollen", fasst Plank zusammen.

Hier findest Du alle wichtigen Notrufnummern im Überblick:

Feuerwehr: 122
Polizei: 133
Rettung: 144

Psychiatrische Soforthilfe: 31330
Psychiatrische Notsituationen und Krisen: 142
Rat auf Draht: 147
Frauennotruf: (01) 71 71 9
Frauenhäuser: 05 77 22

Ö3-Kummernummer: 116 123
Vergiftungsnotruf: (01) 406 43 43
Apotheken-Notdienst: 1455
Gesundheitsnummer: 1450

Nicht immer sind es Betroffene selbst, die sich bei der Hotline melden, weil sie sich sorgen. "Das können auch Angehörige sein, die Schwierigkeiten mit einem psychisch Erkrankten haben oder dessen auffälliges Verhalten bemerken", erklärt die gebürtige Oberösterreicherin. Aber auch bei übertriebenem Alkoholkonsum können Menschen hilfesuchend zum Telefon greifen.

Mehr Trennungen zu Feiertagen wegen Familienstress

Die problematischste Zeit seien gar nicht die Weihnachtsfeiertage selbst, sondern eher die Zeit danach und nach Neujahr. "Bei vielen Anrufern kommt hier eine Unzufriedenheit und der Wunsch nach Veränderung, etwa weniger zu trinken, dazu", erzählt die Krankenpflegerin. Zusätzliches Problem: die (ungewohnte) Nähe zu anderen Menschen – auch dies könne Stress ausüben.

"Menschen rufen bei uns an, weil es ihnen schlecht geht. Wir hören zu und geben Perspektiven"

Durch dieses "Aufeinanderpicken" zu den Feiertagen würde es auch vermehrt zu Trennungen und Streitigkeiten kommen. "Wir reagieren darauf, indem wir den Anrufern zuhören und sie versuchen, zu beruhigen. Im ersten Schritt geht es darum, herauszufinden, was passiert ist und darum festzustellen, ob es die Möglichkeit einer Selbst- oder Fremdgefährdung gibt. In diesen Fällen werden die zuständigen Stellen wie Polizei oder Rettung informiert. Zumeist genügen aber Gespräche, in denen wir Verständnis und Entlastung vermitteln und Perspektiven geben. Wir beenden das Telefonat erst dann, wenn wir das Gefühl haben, dass unser Gesprächspartner wieder den Boden unter den Füßen spürt", so Plank.

Wiederholte Telefonate leiten durch Stress-Situationen

Zudem biete der psychosoziale Notruf auch erneute Telefonate an. "Bei akuten Konflikten kann es helfen, die Situation für ein paar Minuten zu verlassen. Zudem geben wir den Betroffenen die Möglichkeit, dass sie in ein oder zwei Stunden nochmals mit uns reden können. Wenn die Belastung dadurch nicht sinkt, bieten wir den Menschen auch die Möglichkeit an, zu uns in den Sozialpsychiatrischen Notdienst zu kommen. Hier kümmern sich, wenn notwendig, Pflegepersonen und Ärzte um die Person", so die PSD-Mitarbeiterin.

"Wir wimmeln niemanden ab, der Hilfe sucht"

In vielen Fällen sei das Reden aber schon genug, um Menschen aus dem Schlimmsten herauszuholen. "Im Durchschnitt können wir drei Viertel der Anrufer mit einem oder mehreren Telefonaten helfen. Das tun wir auch, wenn die Menschen keine psychischen Probleme haben. Wir wimmeln niemanden ab, auch jene nicht, die nur mit jemandem reden wollen. Wir sind aber natürlich schon bemüht, sie – wenn keine akute Krise besteht – zum Beispiel an die Telefonseelsorge zu vermitteln", unterstreicht Plank.

Tipps für Weihnachtstage: "Mehr Gelassenheit und Auszeiten planen"

Damit es zu Weihnachten gar nicht erst zu Krisensituationen kommt, hat die Krankenpflegerin, die ausgebildeter Coach ist, einige Tipps parat: "Einfach das Ganze mit mehr Gelassenheit angehen. Wichtig ist es auch, Auszeiten zu planen, etwa indem man sich auf Hobbys oder andere positive Dinge konzentriert. Wenn es zu eng wird, gehen sie für zehn Minuten spazieren", so Plank.

"Mein Tipp: Planen Sie Auszeiten vom Weihnachtsstress ein"

Ihr persönlicher Ausgleich sei etwa Yoga: "Natürlich gibt es immer wieder Geschichten, die einen selbst mitnehmen. Durch das Praktizieren von Yoga, meine Beraterinnen-Ausbildung und meine Lebenserfahrung kann ich aber ganz gut damit umgehen und so den Menschen die Hilfe bieten, die sie benötigen", erklärt Plank.

Durch diese Gelassenheit macht die diplomierte Krankenpflegerin ihren doch fordernden Job nach wie vor sehr gerne. Und zum Weihnachten feiern kommt sie auch: "Mein Dienst dauert am 24. Dezember von 8 bis 20 Uhr. Danach übernehmen die Kollegen vom Nachtdienst. Für mich bleibt also genug Zeit mit der Familie zu Essen und danach die Christmette zu besuchen".

So kannst Du den sozialpsychiatrischen Notdienst erreichen:

Der Sozialpsychiatrischer Notdienst der Stadt Wien mit Sitz in der Modecenterstraße 14/C/1 (Landstraße) bietet Menschen in psychischen Krisen unverzüglich, unbürokratisch und professionell Hilfe. Die Mitarbeiter stehen daher ganzjährig und rund um die Uhr als Not- und Krisendienst unter der Rufnummer (01) 31330 zur Verfügung. Mehr Infos dazu findest Du hier.

Informationen zu psychischen Erkrankungen bietet auch die Kampagne "Darüber reden wir" der Psychosozialen Dienste Wien. Mehr dazu gibt es online hier.

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