"Er übernimmt beim Sex immer die Führung!"

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Auch wenn sie es sich anders wünscht, bestimmt Inas Freund, wann das Ziel erreicht ist. Kann es sein, dass sie sexuell nicht zusammenpassen?
Frage von Ina (53) an Doktor Sex: Ich bin seit drei Jahren in einer Beziehung. Wir wohnen aber nicht zusammen. Schon seit längerer Zeit beobachte ich, wie mein Partner beim Sex immer sofort die Führung übernimmt. Ich habe zwar schon oft den Wunsch geäußerst, dass ich auch ab und zu sagen möchte, was wir machen oder in welcher Reihenfolge unser Liebesspiel abläuft und welche neuen Praktiken oder Stellungen wir ausprobieren könnten.

Weil wir aber unterschiedliche Rhythmen haben und er schneller zum Orgasmus kommt als ich, ist immer er es, der bestimmt, wann die Zielgerade erreicht ist und der Akt zum Höhepunkt kommt. Mittlerweile frage ich mich, ob wir zu verschieden sind als Personen, um beim Sex eine gemeinsame Ebene finden zu können, auf der Zweisamkeit und Harmonie möglich sind. Was meinst du? Vielen Dank für die Antwort.

Antwort von Doktor Sex

Liebe Ina

Ich kann deine Frage nicht wirklich beantworten, denn um ein differenziertes Persönlichkeitsprofil von euch erstellen zu können, welches mir erlauben würde, einigermassen zu beurteilen, ob ihr sexuell zusammenpasst, bräuchte ich einiges mehr an Informationen über euch beide. Jedoch liefere ich dir gern ein paar Anregungen und Hintergründe dazu. Vielleicht ermöglichen sie dir ja, die Sache selbstständig zu erforschen und andere Fragen zu stellen.

CommentCreated with Sketch. Jetzt kommentieren Arrow-RightCreated with Sketch. Wichtig scheint mir, dass du dich mit deinem Menschenbild auseinandersetzt und dir bewusst machst, welche Vorstellung du vom Wesen des Menschen hast. Die eigene Vorstellung davon ist für die meisten Menschen eine gefühlte Selbstverständlichkeit. Deshalb setzen sie sich mit ihrem Bild vom Menschen auch nie auseinander. Sie stellen dieses auch kaum je infrage oder vergleichen es mit anderen Sichtweisen.

Für mich verbirgt sich hinter deiner Frage eine Vorannahme. Von dir aus gesehen scheint nämlich mehr oder weniger klar zu sein, dass ein Mensch sich aufgrund bestimmter Voraussetzungen – welchen? – ab einem bestimmten Zeitpunkt – welchem? – sich so weit entfaltet hat, dass keine weitere Entwicklung mehr stattfindet und er somit für den Rest des Lebens bleibt, wie und was er im vorangegangenen Prozess geworden ist.

Basierend auf dieser Vorannahme – deinem aktuellen Menschenbild – ist eine erfolgreiche Beziehung zwischen zwei Menschen aber nur möglich, wenn sie sich auf einem gleichen oder zumindest sehr ähnlichen Entwicklungsstand befinden. Einen passenden Beziehungs- oder Sexualpartner zu finden, wird dadurch zur Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Die Wahrscheinlichkeit, jemanden zu finden, der annähernd gleich ist wie man selbst, ist minimal.

Ich vermute, dein Leben würde insgesamt leichter werden, wenn du nicht ausschließlich von einem aufgrund bestimmter Prinzipien weitgehend starr festgelegten Menschen ausgehen, sondern in Betracht ziehen würdest, dass der Mensch gleichzeitig auch zu einem großen Teil flexibel, lern- und anpassungsfähig ist. Als solcher hätte er bedeutend mehr Möglichkeiten in Bezug auf die Partnersuche. Er wäre vor allem Lernender und Forschender und nicht festgelegter Suchender. Viel Spaß beim Ergründen deines Menschenbildes.

Deine Frage an Doktor Sex: doktor.sex@20minuten.ch (wer)

(mp)

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