"Falsche" Polizisten von den echten ausgeforscht

Seit Monaten ermitteln Polizeibehörden in ganz Europa gegen Betrügerbanden, die sich am Telefon als Polizisten ausgeben. Jetzt gelang der Durchbruch.
Die Betrügerbanden gehen fest immer ident vor. Die Täter kontaktieren die ausschließlich betagten Opfer telefonisch über eine später nicht mehr nachvollziehbare Internet-Telefonverbindung, wobei eine manipulierte Nummer mit Polizeibezug (zum Beispiel 133 133) beim Opfer am Display erscheint. Die Betrüger geben sich dann als Kriminalbeamte aus und bauen geschickt eine Vertrauensbasis auf.

Die falschen Polizisten erklären am Telefon, dass es Ermittlungen etwa wegen Einbrüchen gibt und dass man besser die Ersparnisse der Polizei übergeben solle, damit das Geld nicht erbeutet werden kann. Während ein Täter am Telefon die Verbindung zu den Opfern hält, kommt ein Komplize persönlich zu der Wohnung der Opfer, zeigt einen täuschend echten Polizeiausweis vor und nimmt von den manipulierten Opfern die Bargeldmengen entgegen. Danach verschwinden die Täter.

Schadenssumme ist enorm

Seit Monaten ermittelt die Polizei europaweit gegen solche Banden. Auch in Wien ist es zu etlichen derartigen Betrugsfällen gekommen, die Schadenssumme ist enorm. Eine auf Betrug spezialisierte Ermittlungsgruppe des Landeskriminalamts Wien wurde mit der Klärung der Vorfälle betraut. Es stellte sich im Zuge der aufwändigen und schwierigen Ermittlungen heraus, dass es sich bei den in Wien vorgefallenen Deliktsbegehungen um eine einzige Tätergruppierung handelt.

In enger Zusammenarbeit mit der Einsatzgruppe zur Bekämpfung der Straßenkriminalität (EGS) gelangen seit Mitte März 2019 in dieser Causa die Festnahmen eines 41-jährigen Serben, eines 28-jährigen Türken sowie eines 37-jährigen Serben. Der 41-Jährige sowie der 37-Jährige wurden auf frischer Tat festgenommen, herausgelocktes Bargeld konnte in diesen zwei Fällen an Ort und Stelle den betagten Opfern zurückgegeben werden. Während sich der 41-Jährige zur Sache geständig zeigt, verweigern die beiden mutmaßlichen Komplizen die Aussage. Alle drei Festgenommenen befinden sich in Untersuchungshaft.

CommentCreated with Sketch.7 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Hohe Dunkelziffer vermutet

In dem nach wie vor laufenden Ermittlungsverfahren konnten den drei Beschuldigten bislang 38 Betrugsfälle nachgewiesen werden. Es dürfte noch eine hohe Dunkelziffer an versuchten, nie zur Anzeige gebrachten Betrugsfällen geben. Etwaige Opfer versuchter oder vollendeter Deliktsbegehungen werden ersucht, sich umgehend an die nächstgelegene Polizeidienststelle oder direkt an das Landeskriminalamt Wien unter der Telefonnummer 01-31310-33522 zu wenden.

Die Polizei gibt auch Tipps zur Vermeidung von Betrugsfällen. Informieren und warnen Sie noch heute Verwandte und Bekannte, die in das Opferschema der Betrüger fallen, Betrüger fokussieren sich ausschließlich auf betagte Personen. Erklären Sie hierbei die Vorgehensweise der Täter. Bargeld, das im Gewahrsam des Besitzers ist, wird von der Polizei niemals "vorsorglich" mitgenommen. Lassen Sie sich niemals von fremden Personen zu Behebungen großer Bargeldbeträge verleiten. Brechen Sie verdächtige Telefonanrufe ab und kontaktieren Sie die Polizei unter Telefon 133. Sind Sie bezüglich eines Telefonates unsicher, ob es sich tatsächlich um Polizisten handelt, lassen Sie sich eine Rückrufnummer geben. Hierbei wird eine falsche Nummer sofort auffallen. (rfi)

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