"Fantastic Four": Viel Schatten, wenig Licht

Das Reboot der "Fantastic Four" war eines der größten Fragezeichen unter den Comicverfilmungen des Jahres 2015. Nun haben wir unsere Antwort: Trotz vielverprechendem, jungen Cast und hungrigem Nachwuchsregisseur stiften die neuen fantastischen Vier Ärger und Verwirrung, anstatt für Beifallsstürme zu sorgen.
Das Reboot der "Fantastic Four" war eines der größten Fragezeichen unter den Comicverfilmungen des Jahres 2015. Nun haben wir unsere Antwort: Trotz vielverprechendem, jungen Cast und hungrigem Nachwuchsregisseur stiften die neuen fantastischen Vier Ärger und Verwirrung, anstatt für Beifallsstürme zu sorgen.

Fox vs. Marvel

Müsste man einen großen Verlierer im Comicverfilmungshype der letzten zehn Jahre bestimmen, so würde die Wahl vermutlich auf die "Fantastic Four" fallen. Die ersten beiden Verfilmungen nach der Jahrtausendwende (2005, 2007) machten kaum etwas falsch, ernteten aber ebensowenig Zuspruch. Die Comicreihe rund um das Superhelden-Quartett wurde im Mai 2015 eingestellt, und nun entpuppt sich auch noch das Kino-Reboot als Reinfall.

Schon die Produktion aus dem Jahr 2005 stand unter einem schlechten Stern. 20th Century Fox realisierte den Film zu einem Zeitpunkt, als Marvel begann, die "Fantastic Four" abzusägen. Für viele Beobachter kein Zufall, sondern Marvels Versuch, die Kinofassung der Superhelden-Familie zu torpedieren. Als Fox zehn Jahre (und ein wenig erfolgreiches Sequel) später das Reboot ankündigte, sahen sich eben diese Beobachter bestätigt: In einer "Punisher"-Ausgabe wurden mit Miles Teller, Kate Mara und Jamie Bell drei Viertel der frisch angekündigten . Eine Fehde mit Fox leugnete der Comicverlag aber vehement.

Fox vs. Trank

Die Neuauflage der "Fantastic Four" verhieß dennoch viel Gutes, unter anderem weil Regisseur und Drehbuchautor Josh Trank für den Film geholt worden war. Der hatte 2012 mit "Chronicle" einen sehenswerten Mix aus Horrorstreifen und Superhelden abgeliefert und schien der richtige Mann, die fantastischen Vier für ein neues Kino-Zeitalter fit zu machen. Am Ende war es aber Trank, beziehungsweise dessen Streitereien mit 20th Century Fox (), der dem Film den Todesstoß gegeben haben dürfte.

Was genau zwischen Josh Trank und den Verantwortlichen von 20th Century Fox vorgefallen ist, bleibt ungewiss. Fest steht, dass sich im Umfeld des "Fantastic Four"-Starts einige Kuriosäten zugetragen haben, die erhebliche Unstimmigkeiten hinter den Kulissen vermuten lassen. So weicht der Trailer beispielsweise stark vom finalen Cut des Filmes ab. Dieser wurde angeblich nicht einmal den Hauptdarstellern vor der Veröffentlichtung gezeigt.

Fantastisch?!

Der erste Akt des Films ist etwas ausführlich erzählt aber durchaus gelungen. Ein junger Reed Richards bastelt an einem Teleporter und legt dabei ein Großstadt lahm. Ein adoleszenter Reed Richards (Miles Teller) vollendet das Werk Jahre später. Gemeinsam mit seinem Kumpel Ben (Jamie Bell), der attraktiven Sue Storm (Kate Mara), ihrem Bruder Johnny (Michael B. Jordan) und dem genialen Viktor Von Doom (Toby Kebbell) öffnet er das Tor in eine andere Dimension. Dort kommt es zu einem tragischen Unfall: Viktor geht verloren, die anderen vier erlangen ungewollt Superkräfte, mit denen sie nicht umzugehen wissen.

Wie sich die "Fantastic Four" an ihre neuen Fähigkeiten gewöhnen, verrät der Film nicht. Der komplette Mittelteil des Streifens fehlt - mittels eines lapidaren Zwischentitels ("Ein Jahr später") springen wir stattdessen zum Ende. Ben, versteinert und mit übermenschlichen Kräften ausgestattet, fängt den entflohenen Reed Richards ein. Dieser reaktiviert den Teleporter und somit auch den tot geglaubten Viktor. In einem langweiligen Endkampf treten die vier wiedervereinten Superhelden schließlich gegen ihn an.

Selten wurde derart ungeschickt an der Plotstruktur eines Blockbusters herumgepfuscht. Die zweite Hälfte des Filmes verbringt man großteils mit Stirnrunzeln und ungläubigem Kopfschütteln. Dass Dr. Doom sich als - für Comicadaptionen - ungewohnt blutig erweist rettet den Film ebensowenig wie die Tatsache, dass es mit dem neuen Johnny Storm endlich wieder einen afroamerikanischen Superhelden gibt. Leider ein ganz und gar nicht fantastischer Reboot.

 
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