"Es gibt leider Messies, die Hunderte Katzen horten"

Das große "Heute"-Doppelinterview mit Hans Niessl und Hans Peter Doskozil über ihr Weihnachten, die Bilanz der SPÖ 2018 und was sich 2019 ändern wird.

„Heute": Herr Landeshauptmann, Sie sagen gerne: „Advent ist die Steigerung von Wahlkampf" – mit 80-Stunden-Wochen. Wurde es heuer, vor der Pension, ruhiger?

Hans Niessl: Nein, ich habe beim Pensum nicht nachgelassen. Im Gegenteil. Heuer war es mit dem Landeshauptleute-Vorsitz, der Konferenz in Stegersbach und den 100-Jahre-Republik-Feiern schon vor dem Advent äußerst intensiv.

Dabei haben Sie nun Hans Peter Doskozil an Ihrer Seite.

Niessl: Jeder von uns hat seine Termine, die werden gemacht. Ich halte es mit Karl Valentin: „Wenn die stille Zeit vorbei ist, dann wird es auch wieder ruhiger."

Herr Doskozil, bei Ihnen war zuletzt das Thema Bio-Wende laut. Fallen die burgenländischen Krapferl unter bio?

Hans Peter Doskozil: Das hoffe ich doch. Aber im Ernst: Der Zugang der Konsumenten hat sich geändert, es gibt jetzt ein Sensorium, das müssen wir nützen und auch schon in Schulen mit der Bewusstseinsbildung beginnen. Wir müssen uns alle die Fragen stellen: Wie gehen wir mit der Umwelt um und wie bringen wir die beste Lebensmittelqualität zustande?

Niessl: Im Burgenland gibt es übrigens einige Bio-Bäcker. Ich habe das verkostet – schmeckt gut. Schon alleine, weil man weiß, dass es gesunde Naschereien sind.

Hans Peter Doskozil übernimmt am 28.2. von Niessl.

Burgenland-Backstage: Lametta für Hans Niessl

Weihnachten bietet dem gelernten Österreicher ja reichlich Lametta für große Inszenierungen. Einmal im Jahr wird aufgefahren, was geht: die Zweimeterfünfzig-Tanne, die Bio-Bienenwachskerzen, der fetteste Braten, das schöns­te Foto vorm glitzerndsten Baum. Gerne werden zur Aufhübschung des Heile-Welt-Sujets Kinder oder Babybäuche ins gedimmte Licht gerückt. Filter drüber, geht schon.
Noch während die Oma – eh als Einzige, aber sie will's halt so – Stille Nacht trällert, wird das Foto auf Facebook und Instagram gejagt sowie via WhatsApp durch den großen Verteiler geschickt. Klar, sollen ruhig alle sehen, was man hat. Und wie großzügig man geschenkt hat. Die festliche Inszenierung lassen auch Politiker nicht aus.
In Wahrheit ist es natürlich so: Die heile Welt gibt es nicht, schon gar nicht zu Weihnachten. Da ist die Schwiegermutter, der der Erdäpfelsalat zu warm ist, der Partner, der wieder das Falsche geschenkt hat, die Ex.
Hans Niessl ist einer der wenigen Politiker, der offen über das wahre Leben spricht. Er hat heuer die Scheidung hinter sich, von sich aus und völlig offen über das Scheitern seiner Ehe gesprochen. Nun feiert erstmals mit neuer Freundin und alter Familie Weihnachten. Puh.
Nicht nur zu den Festtagen, sondern beinahe jede Woche besucht er Scheidungshund Rico, seine Ex-Frau und seinen Sohn im ehemaligen Zuhause in Frauenkirchen. Das erzählte mir Niessl unlängst am Rande eines Interviews. Ob ich das schreiben darf, fragte ich ihn. Klar, es ist ja so, antwortete der scheidende Landeschef. Ohne nur eine Sekunde an irgendwelche Inszenierungen zu verschwenden. Genau das war wohl auch Hans Niessls Erfolgsrezept, das ihm über 18 Jahre (!) die Gunst der Wähler gesichert hat: Er ist immer einer von ihnen, von uns, geblieben.
Hätten nur mehr Politiker den Mut zur Wahrheit. Nicht nur zu Weihnachten.
Ich wünsche Ihnen, liebe Leser – und ganz besonders Hans Niessl – heuer ganz viel Lametta.

"Ob die Tierobergrenze kleinlich ist? Es gibt leider Gottes Tiermessis – das wird immer mehr zum Problem."

Für Aufsehen sorgte zuletzt die neue „Tier-Obergrenze".Kommt auch eine Keks-Deckelung?

Niessl: Für die Keks-Deckelung ist jeder selbst verantwortlich und kann sich seinen Deckel je nach Figur zurechtlegen.

Doskozil: Ich esse seit einem Jahr kein Mehl mehr und habe einen „Nulldeckel". Also sind wir bei den Tieren eh schon tolerant.

Aber ist die Beschränkung auf vier Hunde und acht Katzen nicht etwas kleinlich?

Doskozil: Es gibt leider Gottes Tier-Messies, die Hunderte Katzen horten. Das wird zunehmend zum Problem, da sich die Frage der Abnahme und der Unterbringung in Tierheimen stellt. Wenn ein vertretbares Maß überschritten wird, muss eingeschritten werden. Nun gibt es das Gesetz mit einer Begrenzung, die – wie ich finde – vertretbar ist. Die Gemeinden können bei vernünftiger Haltung ja auch künftig mit Bescheiden Ausnahmeregelungen erteilen.

Zurück zum Advent: Erlauben Sie sich da auch Ausnahmeregelungen bei Punsch und Co?

Doskozil: Die vielen Empfänge sind essenstechnisch natürlich eine Versuchung. Beim Alkohol halte ich es so: Ich trinke absolut nichts, wenn ich im Dienst bin.

Niessl: Ich bin da nicht so strikt wie der Landesrat, aber ich fahre auch nicht selbst mit dem Dienstauto. Insofern konsumiere ich schon den einen oder anderen Punsch. Ich war ja Bürgermeister, da gehört es für mich dazu, dass man mit den Leuten anstößt.

"Weihnachten feiere ich mit meiner Familie von früher und mit meiner neuen Partnerin"

Mit wem stoßen Sie in diesem Jahr zu Weihnachten an?

Niessl: Mit mir nahestehenden Menschen. Ich feiere mit meiner Familie von früher und mit meiner neuen Partnerin – aber nicht gemeinsam (lacht).

Doskozil: Es ist ja bekannt, dass ich getrennt lebe. Ich verbringe die Feiertage mit meinen Kindern und meinen Eltern. Ab 27. Dezember bin ich wieder im Dienst.

Dann kommt auch schon die Zeit für Rückblicke. Wie war 2018 für das Burgenland?

Niessl: Sehr gut. Wir sind beim Wirtschaftswachstum vorn dabei, haben absolute Rekordbeschäftigung – und was noch wichtiger ist: Wir haben den höchsten Zuwachs aller Bundesländer bei den Einkommen. Bei der Maturantenquote ist derzeit nur Kärnten vor uns. Nun wollen wir dem Facharbeitermangel entgegenwirken und die Lehre schmackhaft machen. Sie hat Zukunft. Man kann Matura und tolle Karrieren machen.

"Bei der Oppositionsarbeit der SPÖ gibt es Luft nach oben, ja."

Der Facharbeitermangel war heuer auch bei der SPÖ ziemlich akut.

Niessl: Die SPÖ hat sich im vergangenen Jahr sehr intensiv mit sich selbst beschäftigt. Jetzt sind die Entscheidungen gefallen und man muss endlich beginnen, kantige Oppositionsarbeit zu betreiben. Die Regierung drängt soziale Politik zurück, das ist ein breites Betätigungsfeld – von der Bildungspolitik über Sozialthemen bis hin zu Gesundheit und Pflege.

Die Stimme der SPÖ war zuletzt nicht sehr kräftig.

Niessl: Es gibt Luft nach oben, ja.

Ist das Burgenland das Korrektiv der SPÖ?

Niessl: Es ist bekannt, dass wir schon früh Dinge anders als in Wien gesehen haben. Aber nicht, weil wir Besserwisser sind, sondern weil wir hier näher bei den Menschen sind, mit ihnen ein Achterl – oder der Hans Peter einen Kaffee – trinken. Wir wissen, was die Leute brauchen und artikulieren deren Wünsche.

"Mein Team wird jünger – und ein bisschen weiblicher."

Wenn wir nun nach vorne schauen, Herr Doskozil: Sie treten am 28.2. als Landeschef an. Steht auch Ihr Team schon?

Doskozil: Meine Überlegungen sind final abgeschlossen.

Was können Sie sagen?

Doskozil: In der Gesamtschau wird das Team jünger – und ein bisschen weiblicher. In dem einen oder anderen Bezirk wird es eine Überraschung geben. Auch auf Ebene der Abgeordneten wartet die eine oder andere Rochade.

Ihr Fokus für die ersten 100 Tage als Landeschef?

Doskozil:Ein umfassender Pflegestrukturplan – da möchten wir nicht bis zum Herbst auf die Ideen der Bundesregierung warten. Bei den Spitälern wollen wir die Standorte und Mitarbeiter absichern. Hierfür muss die KRAGES aber auch Einnahmen erzielen – zum Beispiel mit selbst durchgeführten Transporten.

Wie bei den MRTs?

Doskozil: Richtig, hier bieten wir in Kittsee, Oberwart und Güssing die Leistungen nicht nur für Patienten, sondern auch für Externe an. Die Wartezeit auf einen Termin beträgt nur zwei Wochen und man kann sich online anmelden.

"Ich werde im Februar, März eine eigene Firma gründen und Beratungstätigkeiten durchführen."

Sie gehen aber nicht ganz in Pension, Herr Niessl?

Niessl: Halbpension gibt's ja nur im Hotel (lacht). Nein, ich habe viel vor, werde einiges machen – aber nicht mehr in der Politik.

Was genau?

Niessl: Ich werde eine eigene Firma gründen und Beratungstätigkeiten durchführen.

Ich nehme an, erst nach einer längeren Auszeit?

Niessl: Überhaupt nicht. Ich bin im März schon so verplant, dass ich nur ein freies Wochenende haben werde. Ich hoffe nämlich, dass ich auch in meinem neuen Abschnitt, mit meinem eigenen Unternehmen Erfolg haben werde.

Und Sie werden bald Rapid-Präsident, hört man zumindest …

Doskozil: Ich bin glühender Rapidler, Vereinspräsident zu sein ist die ehrenvollste Aufgabe, die es geben kann. Aber Rapid ist ein Mitgliederverein – da entscheiden die Mitglieder. Es dauert noch, bis neue Gremien bestellt werden.

Ihre Vorsätze für 2019?

Doskozil: Mehr Zeit mit meinen Kindern verbringen und regelmäßiger Sport treiben.

Niessl: Ich möchte weniger Stunden für die Arbeit verwenden und den Sport nicht nur im Fernsehen so leidenschaftlich verfolgen.

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