"Gefällt ihr der Sex mit anderen Männern nicht?"

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Auf seinen Wunsch hatte Sebastians Freundin schon zwei Mal Sex mit einem anderen. Begeistert zeigte sie sich danach aber nicht.

Frage von Sebastian (35) an Doktor Sex: Ich habe seit neun Jahren eine Beziehung, seit sieben Jahren wohne ich mit meiner Partnerin zusammen. Vor vier Jahren begann mich die Fantasie zu erregen, dass meine Partnerin Sex mit anderen Männern hat. Am geilsten fand ich die Vorstellung, dass sie wesentlich älter sind und der Geschlechtsverkehr ungeschützt ist.

Ich habe dann das Thema bei meiner Freundin vorsichtig angesprochen. Und als einmal ein guter Freund auf Besuch war, kam es zu später Stunde und nach reichlich Alkohol zu Sex zwischen den beiden. Am nächsten Tag meinte meine Partnerin allerdings, für sie stimme es nicht, mit einem anderen Mann zu bumsen.

Kurze Zeit später hatte sie an einem feuchtfröhlichen Abend mit einem Arbeitskollegen wieder Sex. Diesmal in unserem Schlafzimmer. Auf Wunsch des Mannes musste ich im Wohnzimmer warten. Am nächsten Tag sagte meine Freundin erneut, es sei ihr unangenehm. Wie soll ich das verstehen? Kann sie nicht dazu stehen, dass es ihr gefällt?

Antwort von Doktor Sex

Lieber Sebastian

Lange Zeit war das sexuelle Kopfkino tabu und wurde nur in einer Therapie oder im Bordell zum Thema. Mittlerweile ist klar, dass die meisten Menschen mehr oder weniger oft solche Gedanken und Bilder haben. Meist beinhalten sie Praktiken, die im Alltag nicht gelebt werden können oder dürfen. Dadurch schaffen sie den Ausgleich zwischen Wunsch und Wirklichkeit.

Fantasien können viele Gesichter haben und völlig jenseits der gängigen Moral oder von gesetzlichen Normen liegen. Manche Menschen stellen sich vor, zum Sex gezwungen zu werden. Andere fantasieren über Sex mit einer fremden Person. Auch Gruppensex oder Praktiken mit Folter und Schmerz können Bestandteil von sexuellen Fantasien sein.

Wichtig ist, Fantasien nicht mit Wünschen zu verwechseln. Oft ist es nämlich gerade der Umstand, dass ein Gedankenspiel nicht ausgelebt werden kann oder soll, der seine Faszination ausmacht. Dem bewussten Entscheid, wo die Grenze zwischen Vorstellung und Wirklichkeit gezogen werden soll, kommt daher besondere Bedeutung zu.

Ich vermute, dass deine Freundin gespalten ist, was diese Grenzziehung angeht und sie deshalb hin- und herschwankt zwischen Faszination und Unbehagen. Zentral ist, dass du ihre Ambivalenz respektierst, denn sie ist Teil des Lernprozesses im Umgang mit sexuellen Fantasien und den damit zusammenhängenden Wünschen des Partners oder der Partnerin.

Immerhin ist es deine Fantasie, in der sie die Akteurin ist. Dadurch ermöglicht sie dir, dich als Zuschauer aufzugeilen. Gut möglich, dass sie sich dafür aus Gründen der Loyalität zur Verfügung stellt und nicht so sehr, weil sie es wirklich will. Oder weil sie Angst hat, dass du sie sonst verlassen könntest.

Es scheint mir wichtig, dass ihr die Angelegenheit möglichst bald in einem Gespräch klärt. Fairerweise setzt du sie dabei nicht unter Druck, sondern bietest ihr die Möglichkeit, offen zu äußern, wie es ihr geht als Darstellerin in deinem Film. Sollte sich herausstellen, dass sie künftig keine derartigen Experimente mehr will, hast du das zu akzeptieren. Alles Gute.

Deine Frage an Doktor Sex: doktor.sex@20minuten.ch (wer)

(mp)

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