"Gefängnis ist wie lebendig begraben"

Bild: Hertel Sabine

Höchstens zwei Mal pro Woche darf Gabi S. ihren Sohn in der Haft sehen - getrennt durch eine Scheibe, für dreißig Minuten. In "Heute" schildert sie die bedrückenden Besuche im Häfen.

Höchstens zwei Mal pro Woche darf Gabi S. ihren Sohn in der Haft sehen – getrennt durch eine Scheibe, für dreißig Minuten. In "Heute" schildert sie die bedrückenden Besuche im Häfen.

Es ist ein schwerer Gang, den Gabi S. zwei Mal wöchentlich antritt. Das Ziel: die Justizanstalt Graz-Jakomini. Seit vergangenem Juli ist ihr Sohn Sebastian (17) dort inhaftiert. Ein hat ihn ins Gefängnis gebracht.

Doch der Teenager will die Kugel nur abgefeuert haben, um seine Freundin Natascha (16) aus den Händen ihres bewaffneten Vergewaltigers Marcel zu befreien. Mord oder Notwehr, das wird ein Schwurgericht Anfang Mai entscheiden. Doch die Zeit bis zum Urteil zehrt an dem Jugendlichen.

Mama Gabi: "Mein Sohn leidet stark in der Haft. Er sagt oft: 'Mama, im Gefängnis zu sitzen, das ist wie lebendig begraben zu sein.'" Die Grazerin darf Sebastian bei Besuchen nur mit Worten trösten: "Ich kann meinen Buben nur anschauen – getrennt durch eine Scheibe. Wir legen dann beide unsere Hände ans Glas und beginnen zu weinen. Innerlich kratze ich da an den Wänden. Es zerreißt mir einfach das Herz."

Geplaudert wird im Gefängnis über einen Telefonhörer, jedes Gespräch wird aufgezeichnet. Umarmungen im selben Raum, an einem Tisch, werden nur ganz selten erlaubt: "Da nehme ich selbst Sebastians gebrechlichen Opa auch mit. Der Bub fällt uns dann um den Hals und fragt, wie es uns geht." Nach einer halben Stunde beendet ein Aufseher die Treffen. Sebastian bleiben dann nur die Fotos seiner Lieben – und die Hoffnung auf ein mildes Urteil.

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