"Heil Hitler" in der Wiener City mit Birgit Minichmayr

Der Führergruß hallt durch die Straßen der Wiener City. Was aber macht Burg-Star Minichmayr mitten in diesem Szenario? "Heute" klärt auf…
Zeitreise in eine düstere Vergangenheit, mit deren Aufarbeitung die Stadt Wien und ganz Österreich wohl nie ganz fertig sein werden. Man steht kurz vor dem 10. April 1938, dem Tag der Abstimmung über den "Anschluss" Österreichs an das Deutsche Reich. Mit einem propagandistisch eingepeitschten "Ja" für Führer und Vaterland.

Von Lastwägen mit offenen Ladeflächen aus flattern Flugblätter in die Reihen der längst treudeutschen Männer und Frauen am Straßenrand, der Stechschritt der SS-Standarten hallt durch die engen Schluchten der Wiener Innenstadt. Megafone plärren in die Nacht: "Wählt das Deutsche Reich! Wählt unseren Führer Adolf Hitler!"

Ein Anwalt am Rande der Nazi-Szenerie

Auch am Straßenrand dieser Szene: Ein zunächst noch gar nicht besonders beunruhigter Rechtsanwalt, wohlhabend, weil er das Vermögen des Wiener Adels und Klerus verwaltet. Es dräut ihm längst noch nicht, dass er deshalb von der Gestapo später in Isolationshaft gesteckt werden wird.

In Zweigs Roman "Die Schachnovelle", der eben hier neu verfilmt wird, heißt der Anwalt "Dr. B.", verkörpert von Oliver Masucci, Ensemblemitglied des Burgtheaters mit deutscher Zunge. 2015 gab er virtuos Adolf Hitler in der filmischen Zeitreise "Er ist wieder da!", in den frühen Jahren holte er Lorbeer etwa am Schauspielhaus Zürich und am Theater Basel.

CommentCreated with Sketch. Jetzt kommentieren Arrow-RightCreated with Sketch. Die Minichmayr spielt die Frau des Anwalts

Damit nicht genug vom ausgewählt feinem Cast: Friderike, die Ehefrau des Anwalts, wird von Birgit Minichmayr dargestellt, ebenfalls langjähriges Burgtheater-Mitglied und hinlänglich gefeierte Ex-Buhlschaft. Sie erkennt im Film die Iden des März viel eher als ihr Mann und leidet folglich unter der Qual seiner Haft mit.

Die Dreharbeiten in Wien sind seit Anfang Dezember im Gang, hauptsächlich der authentischen Straßenszenen wegen, eine Komparserie von rund hundert Personen begleitet den Tross. Alles passt ins Bild: Die Litfaßsäulen der 1930er-Jahre, die Wahlplakate mit der Aufschrift "Adolf Hitler: Alles sagen JA!", ein opulenter Mercedes, Baujahr 1935.

Budget wird auf fünf Millionen Euro geschätzt

Gespart hat die Produktionsfirma DOR-Film beileibe nicht, der Zuschuss des Filmförderungsfonds in der Höhe von 350.000 Euro läßt Insider über Gesamtkosten von rund fünf Millionen Euro munkeln. Für die Studioszenen in der Isolationszelle des Dr. B. übersiedelt man nach Deutschland, wo in München und Berlin gekurbelt wird.

Letzter Schauplatz ist der Spielsalon eines Ozeandampfers auf dem Weg von New York nach Rio de Janeiro. Da übt der vor den Nazis geflüchtete Dr. B. seine in der Haft erlernt geniale Schachkunst an dem an Bord befindlichen Weltmeister dieses Faches, Mirko Czentovic, aus.

Zweig war kein besonderer Schachspieler

Stefan Zweig selbst war Zeitzeugen nach ein eher mittelmäßiger Schachspieler, Gegner am Brett hatten es der Fama nach schwer, ihn dann und wann gewinnen zu lassen. Der Roman selbst wurde im Jahr 1942 zum ersten Mal veröffentlich und fand bald Eingang in die Weltliteratur.

Der nach Brasilien geflüchtete Stefan Zweig ergab am 23. Februar 1942 in der Nähe von Rio de Janeiro seiner Verzweiflung über das Fortschreiten der Nazi-Herrschaft in Europa. Er schluckte eine Überdosis Veronal, seine Frau folgte ihm später in den Freitod…



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