"Heute"-Blog: Dritte Woche ohne Plastik

Julia Schneider, 21 Jahre alt, wohnhaft in St.Pölten-Wagram, Sozialpädagogin von Beruf: Sie wagt, was für viele schlichtweg unvorstellbar ist - ein Leben ohne Plastik. Vier Wochen lang wird Julia versuchen, auf alles zu verzichten, was aus dem modernen Material gefertigt ist. Und "Heute"-Leser können hautnah dabei sein! Lesen Sie täglich Julias Erfahrungen ohne Plastik und mit vielen Erkenntnissen.


+++ Lesen Sie hier Julias Erfahrungen aus den ersten beiden Wochen +++


Tag 22:

Jeden Tag ist man auf irgendeine Art und Weise mit PET-Flaschen konfrontiert. Neulich war ich in einem Lokal, bestellte Mineralwasser und bekam jenes dann in einer Glasflasche serviert. Bestimmt kommen hundert Leute am Tag dort hin und bestellen Mineralwasser...

Diese Flaschen müssen dann auch wieder gesäubert werden, bevor sie wiederbefüllt und erneut zum Verkauf angeboten werden können. Angeblich wird eine Glasflasche 30 Mal in ihrem Leben mit neuem Inhalt beglückt. Der Transport und das Waschen wirken sich also negativ auf die Ökobilanz aus. Ich habe gelesen, dass es tatsächlich Sinn macht, gänzlich auf Glasflaschen umzusteigen, handelt es sich beim Vertrieb (bis zu 60km) denn um einen regionalen.

Eine Plastikflasche besteht nur aus 20-35% aus ihren recycleten Genossinnen. Ich glaube, hier könnte man einen Gang raufschalten. Die Presse hat zu diesem Thema Experten befragt, nach welchem die wiederbefüllbare Plastikflasche - die es nicht mehr gibt (!!!) - am besten abgeschnitten hat: "Diese ist einerseits leicht und kann andererseits mit geringeren Herstellungs- und Entsorgungslasten aufwarten."

Mein Fazit: Es ist wie beinahe immer keine Frage des Was, sondern des Wie. Ich denke, man muss unterscheiden zwischen "recyclebar" und "nicht recylebar" und das dann auch so handhaben, denn weder in der Traisen, noch in der Donau haben (Plastik-)Flaschen irgendwas verloren.

Tag 21: Ein Wasserbett macht's einem schon schwer

Ab und an komme ich in den Genuss von sowas Ähnlichem wie "Urlaubsstimmung". Zum Beispiel, wenn es wieder einmal soweit ist, dass ich ein Seminar besuche und ich mich an einem wunderbaren Hotel erfreuen darf. Letztes Wochenende war es wieder einmal soweit und die nette Dame an der Rezeption fragte mich: "Zimmer MIT oder ohne Wasserbett?" - So antiplastik hätte ich da nie sein können, dass ich sage: "Oh es gibt ein Wasserbett und außerdem das letzte, aber nein danke, ich versuche ohne Plastik zu leben!" - Nein, das wäre nicht authentisch.

Ich entschied mich also für das Wellenbett und bezeichne das als einen kleinen Rückschlag. Aber tatsächlich toll, so ein Ding! Am selben Tag bin ich schon mal schwach geworden und kaufte eine Handcreme, die den Ansprüchen meiner trockenen und strapazierten Hände entgegenkommen sollte - leider 1.) ur teuer und 2.) die Verpackung ist aus Plastik... Dass es so schwierig ist und auch mit der Zeit nicht unbedingt leichter wird, ohne Kunststoffe auszukommen, macht mich nachdenklich und zeigt eigentlich auch eine große Abhängigkeit auf.

Tag 15: Schönheit ohne Kunststoff

Kosmetik an sich ist ja schon eine Sache, mit der man viel Künstliches verbindet. Ich hab' mal einen Blick in meinen Badezimmerschrank geworfen und so einiges entdeckt: Nicht nur der Nagellackentferner und das Deodorant wurden in Kunststoffflaschen gefüllt, auch der Lidschatten lagert offenbar in Plastikdöschen besser. Wattestäbchen sind in den seltensten Fällen aus Papier gemacht und der Nassrasierer hat auch noch keinen Holzgriff. Meine Reinigungsmilch dafür steht in der Glasflasche 'rum und mein Flüssig-Make-up auch.

Das hat mein Parfum ihnen gleich, jedoch ist der Schlauch für den Transport des Duftwassers aus der Flasche zum Zerstäuber aus Kunststoff und hält meinem Ohne-Plastik-Test nicht stand. Schwierig ist es mit der Wimperntusche, da ich bisher keine mit Holzbürtchen entdeckt habe...

Aber vielleicht finde ich so eine ja noch! Meine Tagescreme ist plastikarm, sie weist lediglich einen Plastikverschluss auf. Eine Kollegin hat mir empfohlen, selbst Naturkostmetik herzustellen und in Gläser zu füllen - so könnte ich auch plastikfrei durchschlagen. Vielleicht komm' ich noch darauf zurück und hole mir dazu ein paar Tipps von ihr. Bis dahin informiere ich mich auf meiner neuen Lieblings-Homepage: www.plastikfrei.at

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