"Heute"-Blog: Leben ohne Plastik - geht das?

Julia Schneider, 21 Jahre alt, wohnhaft in St.Pölten-Wagram, Sozialpädagogin von Beruf: Sie wagt, was für viele schlichtweg unvorstellbar ist - ein Leben ohne Plastik. Vier Wochen lang wird Julia versuchen, auf alles zu verzichten, was aus dem modernen Material gefertigt ist. Und "Heute"-Leser können hautnah dabei sein! Lesen Sie täglich Julias Erfahrungen ohne Plastik und mit vielen Erkenntnissen.

+++ Lesen Sie hier die Vorgeschichte zum "Plastik"-Experiment +++



+++ Lesen Sie hier Julias Erfahrungen in der zweiten Woche +++




+++ Lesen Sie hier Julias Erfahrungen in der dritten Woche +++




+++ Lesen Sie hier Julias Erfahrungen in der vierten Woche +++


Tag 7: Ein Neuanstrich als Plastik-Test

Ab und an muss man ein bisschen was verändern und das äußert sich bei mir gern in den eigenen vier Wänden: Ein neuer Anstrich muss her! Die Wände sollen leben, Weiß war gestern. Was braucht man also alles, wenn man ausmalen möchte?

1) Farben - also Wandfarben = "Dispersionsfarbe": Hat man sich mal für den richtigen Farbton entschieden, braucht man nur noch in den Baumarkt zu fahren (mit Fahrzeugen mit Plastikanteil, jaja) und die Kübel einzupacken. Ich nehme aber keine Kübel, denn die sind aus Kunststoff - ich kauf' kleinere Mengen, die gibt's in Dosen.
Als fatal erweist sich die Tatsache, dass Farben dieser Art meist auch Kunststoffe als Bindemittel enthalten! Um ehrlich zu sein - als faule Konsumentin habe ich noch nie so genau hingesehen - mir reichte da der Öko-Test-Stempel... Doch jetzt will ich's genauer wissen!

2) Pinsel: Mit den Pinseln ist es nicht so einfach, denn entweder bestehen sie aus Tierhaaren oder aus Kunststoff - ein Veganer/eine Veganerin (verzichtet auf jegliches tierisches Erzeugnis) säße in der Klemme - und entscheide sich dann doch für das letztere Produkt.

3) Abdeckfolie: Um den Boden und die Möbel nicht auch einem neuen Anstrich zu unterziehen, deckt man, bevor's losgeht, besser alles ab. Bisher hielt ich u.a. Luftpolsterfolie für eine geeignete Möglichkeit. Nun, wenn man diese jahrelang hat und mehrmals verwendet, wird das Übel nicht dasselbe sein wie das der Wegwerf-Ideologie. Dennoch gibt es eine Alternative und die lautet in unserem Fall "Papier" - das reißt aber leicht und wie oft man es tatsächlich für denselben Zweck wiederverwenden kann, ist fraglich. Das hab' ich mir einfacher vorgestellt!

4) Gefäße: Ähnlich kompliziert verhält es sich mit diversen Gefäßen, die man benutzt, um die Farbe auf die Farbrolle aufzutragen! Ich nenne das mal "Abrollwännchen" und hab' keine Ahnung, wie das heißt... Ah, da steht's: Als "Abstreifer" wird das Ding bezeichnet. Mal im Baumarkt nachfragen, ob es das tatsächlich nur aus Kunststoff gibt!

5)Farbroller/Malerwalze: Was soll ich sagen... Auch hier kommen Veganer nicht auf ihre Kosten.

Alles in allem waren das wohl die wichtigsten Dinge für dieses Vorhaben - sollte ich etwas vergessen haben, es wird mir einfallen ;-)
Gar nicht so einfach, ein "Leben ohne Plastik"!

Tag 6: Hab ich Fieber?

Ich fühle mich kränklich. Nach einem Tag mit starken Kopfschmerzen und allerlei sonstiger Beschwerden entschließe ich mich dazu, das Fieberthermometer zu benutzen. Es ist aus Plastik und außerdem steckt es in einer Schutzhülle, die ist ebenfalls aus Plastik.
Weil mein Hals schmerzt, greife ich zu meinen Lutschpastillen - rein biologisch - allerdings in Kunststoff verpackt.

Genervt versuche ich mich also abzulenken, sehe die heutige Post durch. Doch was Interessantes dabei: Ein Modekatalog! Damit das Wichtigste, nämlich das Bestellformular nicht rausfallen kann, ist vorsichtshalber alles gut in durchsichtiges, glattes, raschelndes Material geschweißt. Etwas Unsinnigeres ist mir aber später dennoch passiert! Vollkornbrot, aufgeschnitten - jede einzelne Scheibe (!!!!) in Plastik verpackt! So bleibt es zwar länger frisch aber,... ABFALLVERMEIDUNG sollte auch ein Aspekt sein, den eine Bio-Linie miteinzubeziehen hat, meine ich.

Tag 5: Ja, ja, das liebe Geld(-abheben)

Wer kennt das nicht: Kurz nachdem das Haus verlassen wurde, fällt einem ein: "Ah! Noch schnell ein bisserl Geld abheben. Sicher ist sicher." - gesagt, getan. Passiert einem dies zu Geschäftszeiten, muss man nicht, wie abends oder an Feiertagen, die Bankomatkarte in den kleinen Schlitz neben der Sparkassentür stecken - der ja aus Plastik (!) ist. Aber eigentlich ist das beim Thema Geldabheben auch schon egal, da sich das Thema innerhalb der Bank sowieso fortsetzt: Kontoauszugsautomat wie auch Bankomat dürfte man nicht benutzen, wollte man tatsächlich und ohne Kompromisse plastikfrei leben. Mit den Kartenzahlautomaten an Supermarktkassen verhält es sich ähnlich - so auch mit Kundenkarten diverser Shops.

Aber nicht nur diese Karten sind aus Plastik! Denken Sie an die E-Card! Ohne die geht heute gar nix mehr: Sind Sie beim Arzt und haben die E-Card vergessen, dürfen Sie schon mal 60 Euro Einsatz zahlen!! Was aber, wenn Sie so viel Bares gerade nicht einstecken haben? --> Schnell zum Bankomaten?!

Tag 4: Wenn Wäsche waschen zum Plastik-Wahnsinn wird

Das Wochenende bietet Zeit fürs Wäschewaschen - leider sind die meisten Waschmittel in Flaschen bruchsicheren Materials gefüllt, sprich in Plastikflaschen; Und auch Großpackungen aus Karton weisen Plastikhenkel und Dosierlöffelchen aus selbigem auf. Doch das Waschen scheitert nicht bloß am Pulver... Die Waschmaschine selbst steht stabil in ihrem Plastikkleid (Partnerlook: Geschirrspüler) und ich überlege, woraus man Waschmaschinen sonst noch bauen könnte. Zurück zum Waschbrett? Nicht nur die äußeren Werte zählen - auch, was ich IN die Waschmaschine packen möchte: Unfassbar - so vieles aus meinem Kleiderschrank ist aus Kunststofffasern hergestellt: Trainingsanzug, Regenjacke, meine Lieblings-Weste aus Fleece (Bezeichnung für synthetische Wolle, die aus Polyester wie z.B. alten PET-Flaschen hergestellt wird) und natürlich auch Stiefel, Handtaschen und -schuhe!!! Auch das "kleine Schwarze" ist, so hab' ich feststellen müssen, alles andere als ein Naturprodukt. Zugegeben: Eine der schwierigsten Fragen, die ich mir in letzter Zeit trotz überquellendem Kasten täglich stellen muss, ist: "Was soll ich bloß anziehen?" - aber auch die bringt mich nicht zu der Panikvorstellung, nach welcher ein Mensch mit plastikfreiem/plastikarmen Leben nur weite Selbstg'stricktpullis und Jesuspatscherln tragen kann.

Tag 3: Ruhiges Wochenende ohne DVD und CD

Der Arbeitsalltag mit Kindern bedeutet jede Menge Kunststoff. Vom Plastikgeschirr und den Nuckelflaschen angefangen, über Windeln, bishin zu Barbie & Ken. Auch Regencape und Winterjacke bestehen meistens nicht aus nachwachsenden Naturfasern - wobei ich ganz klar sagen muss, dass ich niemals eine Daunenjacke tragen würde. Nach einem ungemütlichen und kalten Februartag ist man abends froh, wenn man sich einfach nur "berieseln" lassen kann: Doch Fernseher, CD-Player und Co kleiden sich gern in Polymere: Wie wäre es mal wieder mit einem guten Buch und einem Tee? - Aber wie eben diesen zubereiten, wenn doch Wasserkocher als auch Herdschalter dazwischenfunken?

So ein Wochenende eignet sich, wie ich finde, am besten für ausgedehnte Ausflüge mit Hund - und nicht nur dann stehe ich sicherheitstechnisch vor einem wahren Problem: Wie sollte ich ohne Plastiktransportbox meinen kleinen Wuffl sicher von A nach B bringen? In diesem Fall entscheide ich mich FÜR das Kunststoffding und auch für meinen Sicherheitsgurt. Worauf es insgesamt noch schwer fällt, Nein zu sagen, sind ganz klar und vor allem im Wahlkampf: Handy, Laptop, Fotoapparat.

Tag 2: Von der Zahnbürste bis zum Feuerzeug

Morgenstund hat Gold im Mund? Wohl eher Plastik! Die "4 Wochen möglichst ohne Plastik"-Aktion scheint schon zu früher Stunde wie ein "Projekt Chancenlos"... Sogar die Zahnpaste aus dem Bioladen weist einen Plastikverschluss auf, Zahnbürschtl kriegt man sowieso keines aus Nichtplastik - so scheint es. Dann der gewohnte Griff zur Mineralwasserplastikflasche - doch noch unterlassen. Glasflaschen im Handtaschenformat sind aber eh schon eher Usus. Zum Rauchen bräuchte man Zünder - die Tschiks sind aber im Cellophan eingeschweißt. Zunächst also der Griff zum Lippenbalsam; Selbst das Naturprodukt im Glas vom letzten Mittelaterfest: mit Plastikstöpsel. Als fatal erweist sich auch die Erkenntnis, dass sowohl Brille als auch Kontaktlinsen aus dem "Teufelszeug" bestehen. Und Autofahren würde nicht nur am Schlüssel scheitern... "

Tag 1: Essen in Plastik ist leider Alltag

"Zurück zu den Grundbedürfnissen - dann wird es nicht so schwierig sein!" - Eben doch! Allein der Verzicht auf Fertigprodukte (egal, ob bio oder nicht) und das Aussparen der Mikrowelle bedeuten noch keinen Sieg der Mission "Essen ohne Plastik"; Auch die Drehknöpfe des Herdes und allerlei Kochgeschirr werden einem von nun an zum Verhängnis. Die meisten Lebensmittel sind in Plastik verpackt und kauft man offenes Gemüse oder Obst, zieht man an einer Rolle Plastikbeutel und packt womöglich jede Sorte in ein extra Sackerl. Die nette Dame in dem kleinen Laden hinterm Bahnhof erklärt mir: "Es gibt Leute, die packen eine Knoblauchzehe in ein Sackerl und die Zwiebel in das nächste,..." - Da wird der Verschleiß schon recht deutlich. Im Supermarkt scheint das Problem der PET-Flaschen unlösbar, Getränke kaufe ich also lieber im Bioladen - da ist beinahe alles in Glas gefüllt. Und wenn ich schonmal dort bin, nehm' ich einen Holzkamm mit - die pinke Plastikbürste hat jetzt ausgedient. Aber... Was ist das?! Ein Holzkamm in Plastik geschweißt???

Mein Duschvorhang ist aus - raten Sie mal - Kunststoff. Ich nehme also ein Bad und stelle fest, dass meine "Öko-Test/Sehr gut-Produkte" wohl nur innen hui sein können, denn außen sind die pfui - weil aus Plastik. Apropos Grundbedürfnisse: Triumphierend stelle ich fest, dass mein Öresund-Toilettensitz aus Massivholz besteht - beim Drücken der Spülung allerdings, wird mir klar, dass sogar die aus Plastik ist. Statt dem Raumspray aber kann man Räuchern!

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