"Ich fürchte mich vor der Begegnung mit ihr!"

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Florian hat sich virtuell in eine alte Bekannte verliebt. Nun steht der Schritt in die reale Wirklichkeit an, aber dieser stresst ihn total. Was tun?
Frage von Florian (36) an Doktor Sex: Vor einigen Jahren wollte eine Kollegin mich mit einer ihrer Freundinnen verkuppeln. Ich habe mich mit der Frau (34) zwar verstanden, aber es hat nicht gefunkt. In der Zwischenzeit bin ich aus beruflichen Gründen ins Ausland gezogen. Vor drei Monaten nun haben wir über soziale Medien wieder Kontakt aufgenommen.

Dabei hat sich herausgestellt, dass wir uns in vielen und insbesondere den wichtigen Bereichen des Lebens sehr ähnlich sind. Durch die täglichen Nachrichten und später auch Telefonate kamen Gefühle auf und mittlerweile sind wir – zumindest virtuell – ein Paar. Nun geht es darum, uns auch in der Realität erneut zu begegnen.

Ich habe wirklich starke Gefühle für sie, bin aber auch sehr nervös, da wir uns lange nicht persönlich gesehen haben. Zudem bin ich in den Jahren körperlich etwas runder geworden. Obwohl sie sagt, sie finde mich attraktiv, bin ich daher unsicher, da sie ja nur Fotos gesehen hat. Wie kann ich meinen Stress ablegen und ihr entspannt begegnen?


Antwort von Doktor Sex

Lieber Florian

CommentCreated with Sketch. Jetzt kommentieren Arrow-RightCreated with Sketch. Die Tatsache, dass ihr euch bereits vergewissern konntet, wie ähnlich ihr euch auf der Ebene der Interessen und Wertvorstellungen seid – und ich nehme an, dass es die Aspekte sind, die du meinst, wenn du von den wichtigen Bereichen des Lebens sprichst –, ist ja schon mal eine gute Voraussetzung, um Stress abzubauen.

Du darfst dadurch nämlich mit einiger Sicherheit davon ausgehen, dass es mit euch als Paar auch in der materiellen Realität klappen kann, ungeachtet der paar Gramm Fett, die es sich in den letzten Jahren auf deinen Rippen gemütlich gemacht haben. Sie gehören nämlich – zumindest aus meiner Sicht – definitiv nicht zu dem, was wirklich wichtig ist im Leben.

Unsere physische Existenz ist vergleichbar mit einem Haus. Nach einer langen Entstehungszeit strahlt es für einige Jahre in vollem Glanz. Aber bereits Mitte zwanzig beginnen sich erste Abnützungserscheinungen zu zeigen, und zehn Jahre später können weder Kosmetika noch intensives Training den Zerfallsprozess unsichtbar machen oder aufhalten.

Ich empfehle dir daher, den Lauf der Dinge zu akzeptieren und dich damit abzufinden, dass sowohl du als auch deine Geliebte nicht mehr zwanzig sind und eure Körper den Höhepunkt bereits überschritten haben. Dann können dich die Urteile anderer Menschen nicht mehr verletzen, und auch die Werbefeldzüge der Schönheits- und Ernährungsindustrie können dir nichts mehr anhaben.

Schlussendlich werden aber weder der angeregte Bewusstwerdungsprozess noch die Arbeit an deiner Haltung in der verbleibenden Zeit dazu führen, dass dein Stress restlos verschwindet. Das ist aber auch gut so, denn was wäre eine erste Begegnung mit dem Menschen, in den man sich verliebt hat, ohne dieses belebende Prickeln, das Körper und Geist in eine maximale Wachheit versetzt?

Geniesse diesen Zustand. Trägheit und Langeweile werden sich früh genug in eure Beziehung einschleichen. Spätestens dann wirst du dir wahrscheinlich wünschen, dass es noch einmal so sein könnte wie jetzt gerade. Ich wünsche euch alles Gute!

Deine Frage an Doktor Sex: doktor.sex@20minuten.ch (wer)

(mp)

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