"Ich fürchte mich vor einer Vergewaltigung!"

Bild: Pixabay

Zwar hat Luise selber noch nie sexuelle Gewalt erlebt. Trotzdem nimmt ihre Angst vor einem Übergriff zu. Dr. Sex erklärt, wie sie sich schützen kann.

Frage von Luise (28) an Doktor Sex: Ich kam zweimal mit großem Glück knapp an einem sexuellen Übergriff vorbei. Dabei habe ich viel gelernt und bin vorsichtiger geworden. Mittlerweile gehe ich nicht mehr in den Ausgang und lebe an einem sicheren Ort auf dem Land. Trotzdem spüre ich eine immer größer werdende Angst vor einer Vergewaltigung. Und ich merke, wie diese zunehmend meinen Alltag beeinflusst. So verzichte ich zum Beispiel auf einen Anlass, wenn ich nachts eine halbe Stunde allein Zug fahren müsste.

Ist diese Vorsicht berechtigt – oder sollte man sich nicht zu sehr von solchen Ängsten einschränken lassen? Geht es anderen Menschen auch so? Vielleicht wird die Angst ja auch vermehrt, weil Gewalt allgegenwärtig ist und man bald in jedem Menschen einen potenziellen Angreifer sieht. Dass man darüber redet und schreibt, ist gut – man soll dies unbedingt tun! Trotzdem frage ich mich, ob es normal ist, wenn ich mich vor etwas so sehr fürchte, was mir nie widerfahren ist?

Antwort von Doktor Sex

Liebe Luise

Furcht ist menschlich. Trotzdem ist es sinnvoll, sich nicht von Ängsten einschränken oder gar dominieren zu lassen. Das ist aber oft leichter gesagt als getan. Denn auch, wenn sich manche Dinge nur in der Fantasie abspielen, haben sie eine nicht zu unterschätzende Wirkung, der man sich oft nur schwer entziehen kann. Das gilt auch für die von dir beschriebene mediale Dauerpräsenz von Gewalt.

Vielleicht ist es für dich entlastend zu wissen, dass die meisten sexuellen Übergriffe im familiären Umfeld und Bekanntenkreis stattfinden. Trotzdem ist es sinnvoll, in der Öffentlichkeit in bestimmten Situationen Vorsicht walten zu lassen. Dazu gehört auch, sein Getränk nie unbeaufsichtigt stehen zu lassen. Diese Aufgabe kann man sich übrigens auch mit Personen teilen, die man kennt und denen man vertraut.

Nachts in dicht besiedelten Gebieten und an Orten, die zeitlich bedingt nur wenig belebt sind, sollte man auf der Hut sein. Noch besser ist es, sich solchen Situationen gar nicht erst allein auszusetzen und sich von jemandem abholen zu lassen, ein Taxi zu nehmen oder sich mit einer vertrauenswürdigen Person auf den Weg zu machen. Und im ÖV immer nahe beim Fahrer oder einer Gruppe von sympathischen Leuten sitzen und ein Gerät mittragen, mit dem man jederzeit Alarm schlagen kann.

Generell sollte man sich immer an den drei L – Licht, Lärm und Leute – orientieren. Muss man trotzdem einen Ort passieren, an dem es dunkel, still und menschenleer ist, kann es beruhigend sein, mit jemandem zu telefonieren. Dies schreckt zudem potenzielle Täter ab, da man sich so sofort Hilfe organisieren kann. Wer sich unmittelbar bedroht fühlt, darf jederzeit den Polizeinotruf 117 wählen. Sollte sich diese Maßnahme später als unnötig herausstellen, wird niemand böse sein oder einen finanziell belangen. Alles Gute!

Wurdest du nachts auch schon bedrängt oder bedroht? Erzähle im Kommentarfeld den anderen Lesern, wie du aus der Situation herausgekommen bist und wie du dich vor potenziellen Übergriffen schützt!

Deine Frage an Doktor Sex: doktor.sex@20minuten.ch (wer)

(mp)

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