"Ich kann ohne schlechtes Gewissen untreu sein!"

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Auch wenn er eine Freundin hat, ist es für Xeno kein Problem, mit einer Bekannten Sex zu haben. Trotzdem fragt er sich, ob er den Seitensprung beichten muss.

Frage von Xeno (27) an Doktor Sex: Ich lebe in einer schönen, funktionierenden und reifen Beziehung mit einer wunderbaren Frau, die ich sehr mag. Wir verstehen uns gut. Unstimmigkeiten schafften wir bisher in konstruktiven Gesprächen mit Toleranz und Verständnis stets aus dem Weg. Nun gibt es da aber seit einiger Zeit noch eine andere Frau. Ich kenne sie schon länger und fand sie von Anfang an sehr anziehend. Als wir uns kennenlernten, war sie bereits in einer Beziehung. Wir hatten damals schöne Gespräche und merkten sofort, dass wir uns körperlich näherkommen wollen. Ich schaffte dies jedoch nicht, da sie einen festen Freund hat und es mir damals falsch vorkam, etwas mit einer gebundenen Frau zu haben. Kürzlich aber ergab es sich, dass wir geilen und emotionalen Sex hatten. Das Komische an der Sache ist, dass ich im Nachhinein wider Erwarten absolut kein Problem damit hatte. Es gehört wohl zu mir, untreu sein zu können, ohne dass mich danach Gewissensbisse plagen. Trotzdem sagt mir meine Erziehung, dass ich es meiner Freundin sagen muss, weil sich nicht gehört, was ich getan habe – auch wenn es überhaupt nichts mit unserer Beziehung und den Gefühlen zu tun hat, die ich für sie habe. Ich bin unschlüssig und weiß nicht, was ich tun soll. Muss ich beichten oder darf ich einfach genießen, was war, da es sich nur um tollen Sex handelte?

Antwort von Doktor Sex

Lieber Xeno

Danke für deine Einladung, in dieser Angelegenheit den Schiedsrichter zu spielen und dir zu sagen, was du tun sollst. Ich kann sie nicht annehmen, denn außer dir kann niemand diesen Entscheid fällen. Jedoch lasse ich dich gern an meinen Überlegungen zu einem möglichen Umgang mit deiner Situation teilhaben.

Erziehung, also das, was du als Kinderstube bezeichnest, ist eine Konditionierung: Durch Bestrafung von unerwünschtem und – seltener – durch Belohnung von erwünschtem Verhalten werden Kinder darauf getrimmt, sich in spezifischen Situationen automatisch auf eine bestimmte Weise zu verhalten. Nämlich so, wie die Eltern es richtig finden. Da Erziehung von Geburt an stattfindet, werden solche Automatismen sehr tief verankert und sind daher später meist unbewusst. Aus diesem Grund ist es nicht ganz einfach, diese zu erkennen und zu verändern. Das Leben bringt aber immer wieder Situationen hervor, die dies ermöglichen.

Wenn du es zulässt, kannst du dir jetzt bewusst werden, dass du erstens kein Kind mehr bist, das seinen Eltern gegenüber ein Verhalten rechtfertigen muss, und zweitens als erwachsener Mensch immer die Freiheit hast, selber zu entschieden, welche Haltung du einer Sache oder einem Phänomen gegenüber einnehmen willst. Daraus ergibt sich aber zwangsläufig auch eine andere Verantwortung gegenüber deinen Mitmenschen – in diesem Fall gegenüber deiner Freundin.

Wie du schreibst, pflegt ihr einen offenen Umgang mit herausfordernden Situationen. Vor diesem Hintergrund und weil deine neu entdeckte Freiheit im Umgang mit Sex sehr wahrscheinlich zu weiteren solchen Situationen führen wird, scheint es mir stimmig, der Freundin deine Erkenntnisse bezüglich Treue mitzuteilen, sie zu einem Dialog darüber und über ihre eigene Haltung zum Thema einzuladen und mit ihr gemeinsam herauszufinden, wie ihr in eurer Beziehung zukünftig damit umgehen wollt. Wenn du es für richtig hältst, kannst du ihr in diesem Zusammenhang auch sagen, was dazu geführt hat – zwingend notwendig scheint mir dies aber nicht zu sein. (wer)

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