"Ich mag es, ihm Nacktfotos zu schicken!"

Bild: iStock
Erst reagierte Sandra skeptisch, als ein Junge sie um ein Nackt-Selfie bat. Doch jetzt ist sie auf den Geschmack gekommen. Sollte sie damit aufhören?
Frage von Sandra (17) an Doktor Sex: Ich habe seit kurzem Kontakt mit einem 18-jährigen Jungen. Vor ein paar Tagen fragte er mich, ob ich ihm ein Nacktbild von mir schicken würde. Ich reagierte zunächst ablehnend. Später hatte ich aber dann doch Lust, es auszuprobieren und ich schickte ihm ein Bild von mir, auf dem meine Brüste zu sehen sind. Ich erhielt dann auch ein Sexbild von ihm. Seither haben wir das ein paar Mal wiederholt und mittlerweile macht es mir richtig Spaß, Nacktbilder von mir zu machen. Ich fühle mich attraktiv und mein Selbstwertgefühl ist dadurch stark gestiegen. Ich vertraue dem Jungen, dass er die Bilder immer wieder löscht und sie nicht anderen Menschen zeigt. Trotzdem habe ich Zweifel, ob es richtig ist, was ich tue, oder ob ich aufhören sollte. Was denkst du?

Antwort von Doktor Sex

Liebe Sandra

Die Frage, ob es richtig ist, dass Jugendliche Nacktbilder von sich verschicken, erregt seit Jahren die Gemüter von Eltern und Fachleuten. Auffallend ist, dass in den einschlägigen Kampagnen vor allem auf die Gefahren hingewiesen wird, die Sexting – so wird das Versenden von sexuell gefärbten Bildern und Texten genannt – für die abgebildete Person birgt. Dabei geht leider meist vergessen, dass es durchaus reizvoll sein kann, einem Menschen mehr oder weniger intime Bilder des eigenen Körpers zu schicken. Und dass es gerade für Jugendliche zentral ist, sich im Prozess des Vertrautwerdens mit dem sich in der Pubertät verändernden Äußeren auch dem Urteil der Gleichaltrigen auszusetzen – beispielsweise, indem man sich auf sozialen Plattformen gezielt inszeniert.

Angesagt wäre daher nicht Prävention von einvernehmlichem Sexting, sondern Prävention – und Sanktion – von illegaler und unethischer Weitergabe und Veröffentlichung privater Fotos und von damit verbundenem Mobbing. Es besteht dringender Bedarf an einer Safe-Sexting-Kampagne, in der es, in Anlehnung an die Safer-Sex-Kampagne, um den Schutz der meist weiblichen Opfer geht, statt ihnen einfach die Schuld zuzuweisen und die Täter ungeschoren davonkommen zu lassen. Wenn es um körperlichen Missbrauch geht, ist allen klar, dass nicht das Opfer die Schuld trägt. Beim Missbrauch persönlicher Fotos hingegen ist die Gesellschaft weit von dieser Haltung und der Umsetzung der vorhandenen juristischen Mittel entfernt. Dabei geht es beim illegalen Weiterleiten oder Zeigen privater Bilder um den gleichen Sachverhalt: Nicht das Opfer macht sich strafbar, indem es jemandem im Vertrauen ein Bild von sich schickt, sondern der Täter, der das Bild bewusst anderen Personen zugänglich macht, obschon er genau weiß, dass dieses nur für ihn und niemanden sonst bestimmt ist.

Es ist okay, dass du diesem Jungen Bilder von dir schickst. Wichtig ist jedoch, ihm nicht einfach blind zu vertrauen, sondern auch die Rahmenbedingungen mitzuteilen. Sag ihm klipp und klar, dass die Fotos ausschließlich für ihn bestimmt sind und er daher kein Recht hat, sie Kollegen zu zeigen, weiterzuleiten oder zu veröffentlichen. Alle diese Vorkehrungen entbinden dich aber nicht von deiner Verantwortung. Denn eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nie und Menschen sind und bleiben fehlbar. Bevor du ein Bild verschickst, solltest du dir daher immer erst überlegen, ob du damit leben könntest, wenn es in "falsche" Hände geraten sollte, beispielsweise weil die Person, der du es zur Verfügung stellst, sich nicht an die Abmachungen hält.

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