"Ich sah meine eigene Milz aus dem Körper fließen"

Ein Routine-Eingriff kostete einem Niederösterreicher fast das Leben. Bei einer Abszessbehandlung stach ihm der Arzt in die Milz – Not-OP!

Hans B. (Name geändert)kann nicht mehr unbeschwert lachen. Egal, ob er sitzt, steht oder mit seinem Hund spazieren geht: Höllische Schmerzen begleiten ihn auf jedem Schritt.

Beim Fischen in seinem ungarischen Feriendomizil durchfuhr den 66-Jährigen unglaubliche Pein. "Ich hatte auf einen Schlag 41 Grad Fieber, dachte aber: Das vergeht schon wieder." Weit gefehlt. "Ich wurde nach Debrecen ins Krankenhaus gebracht, lag dort eineinhalb Tage neben einem Toten."

Lungen- und Rippenfellentzündung

Seine Gattin veranlasste den Transport in die Heimat. In einem Spital südlich von Wien zogen ihm die Befunde beinahe den Boden unter den Füßen weg. "Die Ärzte diagnostizierten Lungen- und Rippenfellentzündung. Zu diesem Zeitpunkt war meine halbe Lunge schon zusammengeklappt und die Doktoren wunderten sich, dass ich überhaupt noch stehen konnte."

Abszess erst nach über einer Woche entdeckt

Zehn Tage lang wurde Hans B. mit großen Mengen Antibiotika behandelt. Sein Befinden wendete sich dennoch nicht zum Besseren. "Also entschloss man sich endlich, eine CT-Untersuchung durchzuführen. Dabei wurde ein 8 Zentimeter großer Abszess in der Lunge entdeckt, der kurz vorm Platzen war."

Hans B. wurde also umgehend mit Blaulich in ein anderes Spital gebracht, wo er punktiert wurde. "Ich lag auf einer Pritsche, der Arzt kam, vereiste die Stelle, in die er dann stach, um einen Schlauch einzuführen", schildert der Pensionist. "Und dann durchfuhr mich ein explosionsartiger Schmerz – ich schrie: 'Wollen Sie mich umbringen?'"

"Es sah aus wie Blutegel"

Als Antwort kam laut dem Niederösterreicher: "Mit dem Schlauch bin ich drinnen, aber wo er hinführt, weiß ich nicht." Schockierend für den Patienten: "Im Schlauch sah ich dann rote Teile aus dem Körper flutschen, die aussahen wie Blutegel. Und auf einmal war es totenstill im Behandlungsraum." Was denn los sei, wollte Hans B. wissen. "Ich hoffe, ich habe Ihnen nicht in die Milz gestochen", soll der Mediziner geantwortet haben. Der Arzt jedenfalls nähte das Schlaucherl rasch an und der Niederösterreicher wurde zur Computertomographie gebracht."

"Konnte 10 Tage nur seitlich liegen"

Dabei bewahrheitete sich der böse Verdacht – Milz angestochen. Akute Lebensgefahr. Wieder Blaulicht, diesmal ab in Richtung AKH. Hier musste Hans B. in einer Notoperation der gesamte Bauch aufgeschnitten werden. "Der Abszess wurde abgesaugt, die Milz geklebt. Ich konnte zehn Tage nur seitlich liegen und habe über 20 Kilo abgenommen."

30.000 € Schmerzensgeld

Heute noch hat er höllische Schmerzen, kann nix heben und nicht mehr fischen. "Was ich erleben musste, wünsche ich nicht einmal meinem ärgsten Todfeind", sagt Hans B. unter Tränen. Entschuldigt hat sich der Arzt bis heute nicht. "Schlimmer noch, er streitet alles ab."

Gemeinsam mit seiner Anwältin Astrid Wagner will Hans B. nun 30.000 Schmerzensgeld einklagen. "Mein Mandant ist körperlicher und psychischer Natur schwer traumatisiert", sagt Wagner. Und ihr Mandant fügt kämpferisch an: "Abschasseln lasse ich mich nicht mehr, nach allem, was ich durchleiden musste."

Sagt es – und bückt sich zu seinem Hund hinunter. Wie quälend diese Bewegung für ihn ist, kann man aus dem schmerzverzerrten, furchigen Gesicht des Spitalsopfers ablesen. Und man wünscht ihm alles Schmerzensgeld dieser Welt …

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NiederösterreichGood NewsMaria Theresia von ÖsterreichTriemli-Spital Zürich

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