"Ich stehe total auf Oralsex mit Lippenstift!"

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Juan schämt sich ein wenig für seine besondere Vorliebe. Kann er etwas dagegen tun?

Frage von Juan (38) an Doktor Sex: Ich finde Geschlechtsverkehr zwar ganz okay, aber am liebsten habe ich es, wenn mich eine Frau mit lippenstiftrotem Mund leckt oder meinen Penis mit der Hand lange streichelt. Und richtig heiß macht es mich, wenn sie mir dabei tief in die Augen schaut und mich verführerisch anlächelt.

Jedoch schäme ich mich, dies einer Frau zu sagen, weil ich denke, dass das komisch rüberkommt. Ich erlebte deshalb auch schon spezielle Reaktionen. Einmal wurde ich sogar ausgelacht. Manchen ist der Augenkontakt zu intim, und eine Sexpartnerin sagte mir, beim Lecken habe sie die Augen aus Prinzip geschlossen.

Es klingt vielleicht schräg, aber wenn ich diese spezielle Art von Oralsex nicht ausleben kann, fühle ich mich sehr unglücklich und Sex ist für mich dann total unbefriedigend. Ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll. Bin ich nicht normal? Und kann ich etwas gegen diese Vorliebe unternehmen?

Antwort von Doktor Sex

Lieber Juan

"Normal" ist ein großes Wort und es lässt sich geduldig in alle Richtungen strapazieren, sodass unzählige Individuen und Gruppierungen versuchen, es für sich in Anspruch zu nehmen und für ihre Interessen zu nutzen.

Die menschliche Sexualität ist vielfältig, und in unserem Kulturkreis gibt es daher aus fachlicher Sicht nur noch wenige sexuelle Verhaltensweisen oder Präferenzen, die als echte Störung oder Krankheit betrachtet werden. Dein Fetisch – Oralsex mit lippenstiftrotem Mund und intensivem Augenkontakt – gehört sicher nicht dazu.

Fetischismus, also die Neigung, eine Handlung oder einen Gegenstand als bevorzugten Stimulus für sexuelle Erregung zu nutzen, gilt heute als eine von vielen möglichen Spielarten menschlicher Sexualität. Psychotherapie wird dafür nur noch bei hohem Leidensdruck und auf Wunsch der betroffenen Person gemacht.

Die breite Öffentlichkeit orientiert sich aber mehr an der eigenen subjektiven Empfindung und verurteilt alles, was aus dieser Perspektive als komisch, schräg oder störend empfunden wird, da es nicht zu den persönlichen Konzepten von Sex passt. Man klammert sich an das, was sich "richtig" anfühlt, und verurteilt lautstark das als "falsch" Wahrgenommene.

Wichtig scheint mir, dass du selbst deine Vorliebe annimmst und vor dir ganz dazu stehen kannst. Wenn sie für dich kein Problem mehr ist und du dich auch nicht dafür schämst, werden auch deine Sexpartnerinnen anders darauf reagieren.

Trotzdem solltest du dich damit vertraut machen, die Qualität des Sex nicht davon abhängig zu machen, ob und wie du geblasen wirst. In diesem Zusammenhang empfehle ich dir, mehr mit dem Körper und seiner Empfindungsfähigkeit und weniger mit dem Kopf bei der Sache zu sein. Alles Gute!

Deine Frage an Doktor Sex: doktor.sex@heute.at

(wer)

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