"Ich werde zur Familien-Planung gedrängt!"

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Kristinas Freundinnen heiraten und haben Kinder. Dies hat für sie unangenehme Folgen.

Frage von Kristina (24) an Doktor Sex: Mein Freund und ich sind seit sechs Jahren ein Paar. Im letzten Jahr begannen nahe Freunde in unserem Umfeld zu heiraten, Familien zu gründen und Kinder zu haben. Wenn ich ihnen begegne, taucht daher in letzter Zeit vermehrt die Frage auf, wie es denn bei uns weitergehen soll. Und auch meine Kolleginnen und Kollegen wollen immer öfter wissen, wann es denn bei uns so weit ist.

Ich fühle mich durch solche Fragen total gestresst und unter Druck gesetzt. Überall wird erwartet, dass wir bereits in unserem Alter mit der Familienplanung beginnen und Entscheidungen fällen. Aber allein der Gedanke daran, ein Kind gebären zu müssen, macht mir mehr Angst als dass es in mir Glücksgefühle auslöst. Und was das Heiraten angeht: Wir sind auch ohne Ehering glücklich. Wie kann ich auf solche Fragen in Zukunft souverän reagieren und mich abgrenzen?

Antwort von Doktor Sex

Liebe Kristina

Freunde und Kolleginnen können manchmal sehr unbedarft sein und dadurch Reaktionen auslösen, die sie niemals beabsichtigt haben. Ich vermute, dass dies auch in deinem Fall zutrifft. Vermutlich wird also bereits eine veränderte Haltung zu dem, was deine Freundinnen und Kollegen dir sagen oder dich fragen, bei dir zu einer Entspannung führen.

Überhaupt scheint mir im Zusammenhang mit deinem Anliegen die Fähigkeit ääußerst nützlich zu sein, den Anliegen und Aussagen deiner Mitmenschen gegenüber gelassen zu bleiben und davon auszugehen, dass sie es grundsätzlich gut meinen mit dir. Denn: Aus welchem Grund sollten sie dich unter Druck setzen oder dich zur Familienplanung zwingen wollen?

Vermutlich bist du ein loyaler und verbindlicher Mensch, der Aussagen von ihm nahestehenden Personen ernst nimmt und dem es ein Anliegen ist, transparent und verständlich zu sein. Dies ist zwar ein edler Charakterzug, jedoch erschwert es dieser manchmal, sich in gewissen Situationen klar abzugrenzen.

Ob überhaupt und falls ja zu welchem Zeitpunkt du Kinder haben willst, geht außer deinem Freund niemanden etwas an. Deshalb ist es auch dein gutes Recht, allen Fragen zu diesem Thema mit der entsprechenden Haltung zu begegnen und die Person, die dir diese stellt, mit dem zu konfrontieren, was sie bei dir auslöst.

Stelle jedoch sicher, dass du auch wirklich verstanden hast, was dein Gegenüber sagen will, indem du kurz zusammenfasst, was du gehört hast: "Wenn ich dich richtig verstehe, möchtest du wissen ...?" Wenn du danach antwortest, lässt du deinen Emotionen nicht einfach freien Lauf, sondern bleibst besonnen und ganz bei dir.

Dies zeigt sich beispielsweise darin, dass du von dir sprichst, also Ich-Sätze machst. Das Ganze könnte dann etwa so tönen: "Es freut mich, dass du dich für unsere Familienplanung interessierst, aber diese Frage löst in mir Unbehagen aus und ich fühle mich dadurch unter Druck gesetzt. Ich bin sicher, dass du das nicht beabsichtigt hast und mache dir auch keinen Vorwurf. Trotzdem möchte ich im Moment nicht weiter darüber sprechen." Viel Glück!

Deine Frage an Doktor Sex: doktor.sex@20minuten.ch (wer)

(mp)

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