"Ich will alle Details zu ihrer Sexaffäre wissen!"

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Alban kann den Seitensprung seiner Ehefrau nicht vergessen und versucht, das Erlebte mit Fragen zu verarbeiten. Das nervt sie gewaltig.
Frage von Alban (42) an Doktor Sex: Ich bin seit zehn Jahren verheiratet. In dieser Zeit habe ich meiner Frau immer voll vertraut. Aber vor bald einem Jahr habe ich erfahren, dass sie im Winter zuvor fremdging. Wir haben dann lange darüber gesprochen, warum es so weit kommen konnte und schlussendlich habe ich ihr verziehen. Aber obschon nun fast zwölf Monate vergangen sind, plagen mich immer noch Fragen zu der Sache. Wann und wo ist es passiert? Wer hat angefangen? Wie war es? Endete der Sex mit einem gemeinsamen Orgasmus?

Ich stelle diese Fragen dann immer wieder meiner Frau, was ihr mittlerweile auch ziemlich auf die Nerven geht. Neulich sagte sie mir deshalb, dass sie es jetzt wirklich satthabe, diese alte Geschichte immer wieder aufzuwärmen und mit ihrem Fehltritt konfrontiert zu werden. Ist es normal, dass ich nach so langer Zeit immer noch daran denken muss und immer mehr Details wissen möchte? Und liegt der Fehler bei ihr, weil sie nicht mehr darüber reden will, oder bei mir, weil ich die Sache nicht loslassen und einfach weiterleben kann?

Antwort von Doktor Sex

Lieber Alban

Die Frage, wer denn nun falsch liegt, scheint mir nicht zielführend zu sein, da es in Beziehungsfragen kaum je einen objektiven Standpunkt gibt, von dem aus man ein eindeutiges Urteil fällen könnte. Zudem verstehe ich mich nicht als Schiedsrichter in Beziehungsfragen, der bei einem Foulspiel pfeift und Karten oder Strafen verteilt.

CommentCreated with Sketch.2 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Ich erlebe es häufig, dass bei einem Seitensprung die betrogene Person glaubt, bis ins kleinste Detail alles wissen zu müssen, um damit über den erlittenen Schmerz hinwegzukommen. Nicht selten spielt die Person, die den Seitensprung gemacht hat, dieses Spiel mit, weil sie glaubt, so wieder Vertrauen aufbauen zu können.

Diese Rechnung geht aber nicht auf. Im Gegenteil – meist führen umfassende Geständnisse nur noch tiefer in die Krise. Und wenn sich das Ganze – so wie bei dir – dann auch noch über Monate oder gar Jahre hinzieht, kann aus dem einmaligen Fehltritt ein alles bestimmendes Thema werden, das den Beziehungsalltag zur Hölle und Heilung unmöglich macht.

Deshalb: Vergiss deine Idee, mehr und immer noch mehr wissen zu wollen. Sinnvoller, als dich mit diesen Fragen und den Antworten darauf immer wieder selber zu verletzen und gleichzeitig damit auch noch Energie in eine Geschichte zu stecken, die du eigentlich vergessen möchtest, scheint mir, wenn du dich mit deinem Selbstwert auseinandersetzt.

Klar – es ist verletzend und verunsichernd, wenn der Mensch, mit dem man zehn Jahre zusammen ist, den man von Herzen liebt und dem man voll vertraut hat, einen hintergeht. Dennoch gibt es ein Leben nach dem Seitensprung – und auch eine Beziehung. Dies bedingt aber die Bereitschaft, sich nicht einfach in die Opferrolle zu verabschieden.

Es gibt unzählige Gründe, aus einer Beziehung auszuscheren, um ein sexuelles Abenteuer zu haben. Und – entgegen der landläufigen Meinung – braucht es dafür nicht eine handfeste Beziehungskrise oder ein Gegenüber, das man nicht mehr liebt oder attraktiv findet. Es reicht, sich die Freiheit zu nehmen, seiner Lust zu folgen.

Lass die Sache los, verzeih deiner Frau und kümmere dich danach um deine Bedürfnisse. Wer weiß, vielleicht hast du ja nach zehn Ehejahren auch einmal das Bedürfnis, etwas frischen Wind in dein Sexleben zu bringen? Und nein, liebe Kommentarschreibende: Das ist kein Aufruf zum Seitensprung!

Deine Frage an Doktor Sex: doktor.sex@20minuten.ch (wer)

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