Junger Papa verprügelt, nun muss ER Strafe zahlen

Gabriel P. (30) wurde vor dem Oberwarter Kebabstand übel zusammengeschlagen  und soll nun 110 Euro Strafe bezahlen.
Gabriel P. (30) wurde vor dem Oberwarter Kebabstand übel zusammengeschlagen und soll nun 110 Euro Strafe bezahlen.Bild: Fenz-PR, privat, Faksimile
Eigentlich unglaublich: Ein junger Mann wird in Oberwart zusammengeschlagen. Er liegt vier Wochen im Spital, hat das Gesicht voller Eisen. Nun soll er, das Opfer, 110 € zahlen.
Die Attacke im August des Vorjahres war gnadenlos – nun reagiert auch noch die Behörde unbarmherzig. Da das 30-jährige Opfer seinen Angreifer eine „Sch... geburt" hieß, sind nun 110 Euro Strafe fällig – wegen Störung der öffentlichen Ordnung laut Paragraph 81 Sicherheitspolizeigesetz.

"Er stänkerte: 'Wos schaust so deppat?'"

„Ich verstehe die Welt nicht mehr", sagt der Wr. Neustädter Gabriel P. „Ich war mit meiner Freundin bei meiner Mutter in Oberwart, habe ihr bei der Gartenarbeit geholfen", so der 30-Jährige. „Danach hatten wir Hunger und holten uns vor der Heimfahrt noch einen Imbiss", ergänzt seine Freundin Nina (23). Dort kam es dann zum Streit mit einer Gruppe junger Tschetschenen. „Während wir auf unser Kebab warteten, begannen sie, uns grundlos anzupöbeln. Einer der Männer sagte: ‚Wos schaust so deppat?' und legte dann nach: ‚Host a Problem?'"

Fünf Streifen zu Tschetschenen-Randale

Irgendwann reichte es Gabriel P. und er antwortete: „Ja, mit dir, wenn jetzt keine Ruhe ist." Die Antwort von Sadam K. (20) war wortlos, aber schlagfertig: „Er begann ohne mit der Wimper zu zucken auf mich einzudreschen, trat mich und fügte mir einen Messerstich zu. Circa 15 seiner Freunde standen danaben und feuerten ihn an."

Die Polizei musste laut "Heute"-Informationen mit fünf Streifen anrücken, um dem Tumult der aufgebrachten Tschetschenen Herr zu werden.

Der Aufreger-Bescheid im Wortlaut:

"Sie haben durch ein Verhalten, das geeignet ist, berechtigtes Ärgernis zu erregen, die öffentliche Ordnung gestört, in dem Sie am 17.8.2ß18 um 21.00 Uhr im Gemeindegebiet 7400 Oberwart, Höhe Hauptplatz 14, in Anwesenheit von Zeugen, nach einer verbalen und tätlichen Auseinandersetzung, derart aufgebracht und aggressiv außer sich und haben Herrn KS lautstark beschimpft und bedroht.

Sie haben die öffentliche Ordnung ungerechtfertigt gestört, wodurch Sie durch Ihr rücksichtsloses Verhalten jene ungeschriebenen Regeln für das Verhalten Einzelner in der Öffentlichkeit empfindlich störten.

Sie haben dadurch folgende Rechtsvorschrift(en) verletzt:
§81 Absatz 1 Sicherheitspolizeigesetz

Der zu zahlende Gesamtbetrag beträgt daher 110,00
Während die Beamten für Ordnung sorgten, wurde Gabriel P. ins Krankenhaus Oberwart gebracht und dort erstversorgt. Aufgrund der Schwere seiner Verletzungen – und weil eine komplexe Operation notwendig war – wurde er aber sehr rasch in die Grazer Universitätsklinik überstellt. Dort musste das Gesicht erst einmal notdürftig abschwellen, ehe an einen Eingriff zu denken war. Dann war der 30-Jährige vier Wochen in stationärer Behandlung, konnte kaum essen und sich bewegen „Mein Gesicht musste nach einem Bruch der Augenhöhle verplattet werden, auch mein Kiefer war gebrochen", so der Schlosser im "Heute"-Gespräch.

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"Der Schläger läuft frei herum, aber ich muss zahlen. Ich habe das Vertrauen in den Rechtsstaat verloren."


Gabriel P. ist seit August im Krankenstand und leidet bis heute unter den Folgen der Prügelorgie: „Ich kann in der Nacht oft nicht schlafen, mache regelmäßig Psychotherapie, um das alles zu verarbeiten und benötige ein bis zwei Mal pro Woche Schmerzinfusionen." Gerade jetzt, in der kalten Jahreszeit, leide er fürchterlich: „Bei niedrigen Temperaturen zieht sich das Eisen im Gesicht zusammen und das tut unglaublich weh." Zusätzlich schmerzt ihn nun die Strafe der BH Oberwart: „Das ist ein wirklich starkes Stück und fast schon unglaublich. Noch schlimmer finde ich aber, dass der vorbestrafte Prügler frei herumläuft und als Verkäufer arbeitet – der ist meiner Meinung nach eine tickende Zeitbombe. Nach dem ersten Prozesstag gegen ihn wurde wegen weiterer Erhebungen vertagt. Man kann nur hoffen, dass er verurteilt wird."

Zwei Einsprüche scheiterten

Ob dies der Fall sein wird, steht noch in den Sternen. Fix ist indes, dass Gabriel P. seine Strafe binnen vier Wochen bezahlen muss – und dies auch zähneknirschend tun wird, wie er sagt: „Es geht mir nicht ums Geld, ich zahle die 110 Euro, aber um diese unglaubliche Ungerechtigkeit", ärgert sich Gabriel P. Seine Freundin Nina kümmert sich rührend um ihn und half ihm auch dabei, den Skandalbescheid der BH Oberwart (siehe auch Infokasten) zwei Mal zu beeinspruchen. Sie blitzten zwei Mal ab. „Nun zweifeln wir schon gehörig am Rechtsstaat …"



Im Burgenland ist die Welt noch in Ordnung, erzählt man sich in Wien gerne. Ein von der Bezirkshauptmannschaft Oberwart ausgestellter Strafbescheid lässt einen daran nun gehörig zweifeln.

110 Euro soll ein junger Schlosser zahlen, der vor einem Kebabstand ordentlich „gesalzen" wurde, wie man in der Hauptstadt sagen würde. Die Attacke war, wie das Speisenangebot, mit allem – und überaus scharf ausgeführt. Der mutmaßliche Schläger hatte ein Messer dabei, prügelte wie von Sinnen auf den 30-Jährigen ein. Ohne Grund.

Wie das Opfer reagiert hat? Er nannte den Prügler eine „Sch...geburt". Mehr brauchte er nicht. Die Bezirkshauptmannschaft schrieb ihm nun: „Sie haben die öffentliche Ordnung ungerechtfertigt gestört, wodurch sie durch ihr rücksichtsloses Verhalten jene ungeschriebene Regeln für das Verhalten Einzelner in der Öffentlichkeit empfindlich störten."

Werte Frau Sachbearbeiterin, was wäre denn laut „ungeschriebener Regel" noch vertretbar gewesen? Ein leises „Das war aber nicht lieb"? Ein sachtes Augenrollen? Das Hinhalten der zweite Backe (oder des zweiten Augapfels)?

Die BH Oberwart sollte das in Ordnung bringen. Falls sie das Opfer nicht nur „rollen" möchte.

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