"Jihadi-Tinder": So wurde im IS-Kalifat verkuppelt

Saida, eine Französin wurde durch Speed-Dating zur Frau eines Islamisten. Nach 15 Minuten musste die Entscheidung fallen: Ehe, oder der Nächste.
In der syrischen Wüste sitzen sie nun, die zurückgelassenen Ehefrauen und Witwen der Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Im Flüchtlingscamp Ain Issa nördlich von Raqqa stehen die jungen Frauen mit ihren kleinen Kindern unter ständiger Bewachung.

Nachdem vor rund drei Jahren vom Terror-Chef Abu Bakr al-Baghdadi das Islamische Kalifat ausgerufen wurde, kamen Moslems aus aller Welt in Scharen nach Raqqa und Mossul.

CNN hat die Frauen in dem Flüchtlingscamp besucht. Sie erzählten gegenüber dem US-Nachrichtensender von ihrem Schicksal.

CommentCreated with Sketch.5 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Speed-Dating in Frauenwohnheim

So auch Saida, ursprünglich eine Französin aus Montpellier. Sie war nach Raqqa gekommen um einen gerechten und gläubigen Mann zu finden – sie war nicht die einzige.

Doch die Illusion einer perfekten islamischen Gesellschaft zerbröckelte schnell. Die ausländischen Frauen wurden in einem Wohnheim, einem sogenannten "madafa", zusammengepfercht. Heftige Streits unter den Frauen seien an der Tagesordnung gewesen.

Dort warteten sie darauf, von einem Dschihadisten für die Ehe ausgesucht zu werden. Gegenüber CNN erzählt sie, dass die Frauen gleich nach ihrer Ankunft einen kurzen Lebenslauf verfassen mussten – ähnlich einem Dating-Profil.

"Man trifft sich, redet für 15-20 Minuten und dann heißt es entweder Ja, oder Nein. Wenn beide zustimmen, dann wird geheiratet. Es geht ziemlich schnell", so die Französin.

Unbarmherzig wurde so lange vermittelt, bis ein passender Partner gefunden war. Saida beschreibt es als dschihadistische Version der Dating-App "Tinder".

So fand Saida auch ihren Ehemann, einen Kämpfer namens Yassine.

Die Scherben des Kalifats

Als die Anti-Terror-Koalition die Schlinge um die Stadt immer enger gezogen hatte, ließ sie sich für rund 6.000 US-Dollar mit ihrem erst 14 Monate altem Sohn aus der Gefahrenzone schmuggeln. Ehemann Yassine verlor dabei sein Leben. In einem Vorort wurde sie von kurdischen Kämpfern aufgegriffen und nach Ain Issa gebracht.

Saida würde gerne wieder zurück zu ihren Eltern nach Frankreich. "Ich liebe das Leben, ich liebe es zu arbeiten, ich liebe meine Jeans, ich liebe Make-up, ich liebe meine Eltern", bekräftigt die junge Frau gegenüber den US-Reportern. "Das einzige, das ich jetzt noch will, ist zurückzukehren,... in mein Auto zu steigen und heimzufahren."

Jetzt wo das Kalifat in sich zusammenbricht, müssen die Witwen der Terror-Kämpfer in dem Flüchtlingscamp ausharren. Sie blicken in eine unsichere Zukunft – in Syrien will sie niemand, und ob sie jemals wieder in ihre Herkunftsländern zurück dürfen, steht in den Sternen.

(rcp)

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