"Job-Engel" greifen Risiko-Schülern unter die Arme

Seit 2016 gibt es das Mentoren-Programm "Sindbad" für Schüler der Neuen Mittelschule. "Heute" hat ein Mentee-Mentoren-Team begleitet.
Inmitten des geschäftigen Treibens in der Apotheke "Team Santé Schwenk" in der Schönbrunner Straße 259 steht die 15-jährige Schülerin Maya. Mit interessiertem Blick verfolgt sie das Geschehen. "Ich will Ärztin werden, weil ich Menschen helfen will", erzählt sie. Obwohl das Ziel klar scheint, der Weg dorthin ist es nicht, denn: Mayas Familie ist Ende 2014 vor dem Krieg aus Syrien geflüchtet. Zunächst hatte sie Schwierigkeiten in der Schule, weil sie noch kein Deutsch konnte.

Nach eineinhalb Jahren intensiven Lernens hat Maya dieses Sprachdefizit nahezu aufgeholt. Ob das aber für ein Medizinstudium reicht, weiß sie nicht. "Meine Mutter ist Köchin, mein Vater macht gerade den Lehrabschluss zum Metalltechniker. Obwohl sie meinen Traum unterstützen, können sie mir bei vielem nicht helfen", erklärt Maya.

Als sie im Frühjahr 2017 in der Neuen Mittelschule Kinzerplatz in Wien-Floridsdorf von dem Projekt "Sindbad" erfährt, war sie sofort begeistert. Seit März hat sie nun mit der 23-jährigen Carla einen "Job-Engel" an ihrer Seite. Durch Carlas Hilfe und die Unterstützung des "Sindbad"-Netzwerkes kann Maya im Jänner 2018 Berufsschnuppertage in einer Apotheke machen und so einen ersten Blick in die "Medizin-Welt" machen. Schon Ende November machen die beiden einen Schnuppertag im Donauspital im 22. Wiener Gemeindebezirk.

Der gemeinnützige Verein "Sindbad" wurde 2016 durch Joseph Kap-herr und Andreas Lechner gegründet. Nach einer Starthilfe durch das Austria Wirtschaft Service (AWS) finanziert sich "Sindbad" durch die Unterstützung Privater und aus Stiftungen sowie über fixe Kooperationen mit Unternehmen wie beispielsweise Siemens oder Teilen der REWE Gruppe. Derzeit gibt es 150 Mentee-Mentoren-Teams. Über eine Laufzeit von 18 Monaten werden 13–15-jährige NMS-Schüler der 8. und 9. Schulstufe von 20–30-jährigen ehrenamtlichen Mentoren begleitet, die entweder noch studieren oder bereits berufstätig sind.
Aktuell 150 Mentee-Mentoren-Teams



CommentCreated with Sketch. zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Carla ist eine von derzeit 150 Mentoren der Initiative "Sindbad". Als WU-Absolventin kennt Carla das österreichische Bildungswesen, weiß um die verschiedenen Bildungsmöglichkeiten und kann ihrem Schützling daher mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Der gemeinnützige Verein "Sindbad" richtet sich an alle Schüler der 8. und 9. Schulstufe der Neuen Mittelschule. "In diesem Alter stehen die Jugendlichen vor der Entscheidung, ob sie eine weiterführende Schule besuchen oder eine Lehre beginnen wollen. Viele sind damit überfordert, vor allem dann, wenn sie aus einer eher bildungsfernen Familie kommen", erklärt Andreas Lechner (32), einer der Gründer von Sindbad.

Mentoren-Programm für Risikoschüler



"Wir wissen, dass Absolventen der Pflichtschule ohne weitere Ausbildung am meisten von Arbeitslosigkeit betroffen sind, sie sind die 'Generation AMS'", so Lechner, der erklärt: "Genau hier setzt das Mentee-Mentoren-Programm von 'Sindbad' an. Jene Schüler, die sich bei uns gemeldet haben, wählen in einer Art Speed-Dating den für sie besten Mentor, der sie dann über 18 Monate begleitet".

Dass die Zusammenarbeit den Rahmen reinen Mentorings übertrifft, sieht man deutlich am Beispiel von Maya und Carla. Immer wieder geht während des Gesprächs mit "Heute" Mayas Blick zu ihrer Mentorin, bei ihr sucht sie Unterstützung und Bestätigung, fast wie bei einer großen Schwester. "Wir treffen uns regelmäßig, machen auch viel Freizeit-Aktivitäten und telefonieren oft", erzählt Carla.

Hohe Zufriedenheit der NMS-Kids

"Uns ist wichtig, dass unsere Mentoren zwischen 20 und 30 Jahren alt sind, damit der Altersunterschied nicht zu groß ist und Mentoren und Mentees eine gemeinsame Sprache sprechen", betont Lechner. "Ich bin noch Generation Facebook, das nutzt heutzutage kein 14-/15-Jähriger mehr. Eigentlich bin ich mit 32 Jahren schon zu alt", lacht er.

Durch das Treffen auf Augenhöhe und das enge Verhältnis ist das Mentoren-Programm sehr erfolgreich: "Bei der ersten Staffel, die im November 2016 gestartet ist, sind über 90% der Jugendlichen noch dabei", freut sich Lechner, der betont: "Unser erklärtes Ziel ist es, dass bis 2021 jeder dritte NMS-Schüler der 8. Schulstufe einen Mentor an der Seite hat. Wir suchen noch neue Mentoren, wer Interesse hat, ist herzlich zu unserem Info-Abend am 30. November eingeladen".

Alle Informationen zu "Sindbad" und dem Info-Abend finden Sie hier.

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