"Kommt die Leidenschaft von selbst zurück?"

"Kommt die Leidenschaft von selbst zurück?", will Luc wissen.
"Kommt die Leidenschaft von selbst zurück?", will Luc wissen.Bild: iStock
Luc lebt in einer erfüllten Beziehung. Aber auch wenn er alles hat, was man sich wünschen kann: Das Prickeln beim Sex ist abhandengekommen.
Frage von Luc (33) an Doktor Sex: Meine Frau und ich sind glücklich verheiratet und haben zwei Töchter im Vorschulalter. Wir reden oft zusammen, genießen die Momente der Zweisamkeit, haben Verständnis füreinander und lieben uns mit Haut und Haaren. Das klingt harmonisch, aber dennoch plagt mich ein Problem.

Ich habe nämlich festgestellt, dass der Sex inzwischen gänzlich leidenschaftslos ist. Aber ich kann und will mich nicht mit dem Gedanken anfreunden, dass meine Partnerschaft wegen dieses Mangels auf lange Sicht von einem unerfüllten Wunsch überschattet wird, den ich nur mit einer anderen Frau befriedigen könnte.

Kann die Leidenschaft ohne aktives Zutun von selbst wieder zurückkehren? Oder muss ich am Ende halt damit leben, dass in einer Beziehung mit der Zeit das Feuer erlischt und man es nicht mehr entfachen kann? Dass man sich Leidenschaft nicht "erarbeiten" kann, ist mir bewusst, da Spontaneität und Machen eher nicht kompatibel sind.

Antwort von Doktor Sex

Lieber Luc

Im Buch "Die Glücksformel" von Stefan Klein wird Lust beschrieben als "Vorfreude, die Menschen dazu bringt, sich hoffnungsvoll in Aktivitäten zu stürzen". Ergänzend dazu würde ich Leidenschaft als die lodernde Flamme der Begeisterung bezeichnen, die sich während des Erlebens solcher Aktivitäten einstellt.

CommentCreated with Sketch. zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Mir drängt sich die Frage auf, ob du eine Idee davon hast, wie der Sex für dich oder für euch als Paar sein müsste, damit du dich wieder darauf freuen und ihn als erfüllendes, befriedigendes und – wie du es wünscht – leidenschaftliches Spiel erleben könntest? Denn wer etwas sucht, sollte wenigstens in Ansätzen eine Ahnung haben, was er zu finden gedenkt.

Wichtig scheint mir, dich in deinem Forschungsprozess nicht an der Vergangenheit zu orientieren. Emotionen, die man hatte, können nicht durch die Wiederholung eines Verhaltens reproduziert werden. Auch der Vergleich mit anderen Paaren ist keine Option, da deren Voraussetzungen andere sind – eine Inspiration können ihre Erfahrungen aber schon sein.

Letztlich geht der Weg über das eigene Erleben. Ich schlage euch deshalb vor, die Phänomene "Lust" und "Leidenschaft" ganz grundsätzlich zu untersuchen und ihre Eigenschaften sowie die sich daraus für euch als Paar und eure Beziehung ergebenden Möglichkeiten zu entdecken. Dies kann sowohl auf der praktischen Ebene als auch im Gespräch geschehen.

Vielleicht könnt ihr der Sache beim Diskutieren der folgenden Fragen auf die Spur kommen: Was führt zu dem, was ihr unter Leidenschaft versteht? Welche Umstände oder Handlungen sind förderlich und was behindern sie? Welche Auswirkungen hat das, was ihr Leidenschaft nennt, auf den Sex?

Eine andere Möglichkeit ist, euch dem Thema Sex und den damit verbundenen Emotionen über einen anderen Zugang anzunähern – beispielsweise über den tantrischen Ansatz, wie ihn Diana und Michael Richardson vertreten. In diesem Video erhältst du einen Eindruck, worum es geht. Und falls du dich ins Thema vertiefen möchtest: Im Buchhandel findest du diverse Bücher von den beiden. Alles Gute und viel Spaß beim Erforschen!

Deine Frage an Doktor Sex: doktor.sex@20minuten.ch (wer)

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