"Macht es Sinn, so weiterzumachen?"

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Nadira lebt seit längerer Zeit in einer turbulenten Beziehung. Langsam macht sie sich Sorgen über das, was da abgeht.

Frage von Nadira (25) an Doktor Sex: Ich kenne seit drei Jahren einen Mann. Wir waren in dieser Zeit einmal ein Paar, jedoch wurde die Beziehung von ihm aus "privaten" Gründen beendet. Seither haben wir – mit Unterbrüchen – immer wieder Kontakt. Dazu kommt es, weil wir nicht über Probleme reden, weshalb sie sich häufen und dann jeweils in einem Streit eskalieren.

In der Zeit, in der wir uns nicht sahen, habe ich auch andere Männer kennen gelernt. Aber immer wieder fanden wir den Weg zueinander. Entweder meldete er sich bei mir oder ich nahm mit ihm Kontakt auf. Dies war auch jetzt wieder der Fall, und seit ein paar Monaten sehen wir uns nun wieder regelmäßig.

Wir tun jetzt einfach beide so, als wären wir in einer Beziehung. Aber auch hier ist es wie oben beschrieben: Niemand spricht das klar aus oder stellt Fragen zu der Art unseres Zusammenseins. Langsam, aber sicher mache ich mir etwas Sorgen über unser Verhalten. Was genau ist unser Problem? Und macht es Sinn, so weiterzumachen?

Antwort von Doktor Sex

Liebe Nadira

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Ich denke, du hast euer Problem – und damit auch gleich eure künftige Aufgabe – in deiner Frage bereits treffend formuliert: Euch mangelt es an Kompetenzen im Bereich der Kommunikation. Und vermutlich auch noch an der Fähigkeit, eure Emotionen so weit im Griff zu behalten, dass sie nicht die Herrschaft übernehmen und euch in eine Eskalation führen.

Wenn es euch beiden also ein Anliegen ist, aus dem von dir beschriebenen On-off-Modus auszusteigen und in eine verbindlichere Beziehungsform einzusteigen, dürfte ein Crash-Kurs in Kommunikation und ein Training im Umgang mit hoch aufgeladenen Emotionen und Beziehungssituationen definitiv Sinn machen.

Offensichtlich ist, dass euch etwas verbindet, sonst würdet ihr nämlich nicht immer wieder zusammenfinden. Möglicherweise ist dies aber weniger die erotische Liebe als der Umstand, dass ihr mit- und aneinander sehr viel lernen könnt. Offensichtlich bringt ihr beide weitgehend die gleichen Entwicklungspotenziale mit.

Eine Möglichkeit, dieses Potenzial gemeinsam zu nutzen, wäre, in einen Paarberatungsprozess einzusteigen. Im Gegensatz zum therapeutischen Setting, wo es meist in erster Linie darum geht, die Vergangenheit aufzuarbeiten und bewusst zu machen, stehen in der Beratung die aktuelle Situation und der Umgang damit im Fokus.

Das Ziel ist also nicht, zu erkennen, wo ein Verhalten seinen Ursprung hat, sondern im Rahmen einer "Beziehungsschule" Lernprozesse anzustoßen, die mit den aktuellen Mustern arbeiten und die beteiligten Menschen dabei unterstützt, im gelebten Alltag andere, neue Möglichkeiten auszuprobieren.

Weil solche Lern- und Veränderungsprozesse Zeit brauchen und Verhaltensänderungen oft nicht auf Anhieb gelingen, ist die Zeit zwischen den einzelnen Sitzungen sehr wichtig, und daher sind die Abstände oft auch länger als in den klassischen Therapiesitzungen.

Selbstverständlich könnt ihr es aber auch auf eigene Faust versuchen. Falls ihr diese Variante bevorzugt, kann ich euch zwei Klassiker zur Lektüre empfehlen: Friedmann Schulz von Thun: Miteinander reden 1 und Marshall B. Rosenberg: Gewaltfreie KommunikationAlles Gute!

Ihre Frage an Doktor Sex: doktor.sex@heute.at

(wer)

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