"Männer haben Angst vor einem Machtverlust"

In den ersten Jännertagen sind in Österreich bereits vier Frauen von Männern getötet worden. Gewaltschutzexpertin Maria Rösslhumer ortet gesellschaftliche Ursachen für die Bluttaten.
Die Zahlen sind alarmierend: Das Jahr 2019 ist wenige Tage alt und es gibt bereits vier Mordfälle zu beklagen. Dabei fällt auf: Alle Opfer sind Frauen. Im europaweiten Vergleich nimmt Österreich gar einen traurigen Spitzenplatz ein, wenn es um den Anteil weiblicher Mordopfer geht.

"Heute.at" hat mit Gewaltschutzexpertin Maria Rösslhumer über die Vorfälle gesprochen. Sie identifiziert verschiedene gesellschaftliche Ursachen, die zu Gewalt gegen Frauen führen oder diese zumindest begünstigen:

1Männliche Identitätskrise



CommentCreated with Sketch. Jetzt kommentieren Arrow-RightCreated with Sketch. Aufgrund gesellschaftlicher Veränderungen kämpfe derzeit ein Teil der Männer mit Identitätsproblemen, so die Geschäftsführerin der Autonomen Frauenhäuser. Das althergebrachte Männerbild sei ins Wanken geraten – "Männer haben Angst vor einem Machtverlust." Während der soziale Druck und die soziale Unzufriedenheit steige, sinke bei manchen Männern die Hemmschwelle, verbal oder körperlich Gewalt anzuwenden.

2Kulturelle Faktoren



Rösslhumer stellt auch einen Bezug zur Flüchtlingswelle der vergangenen Jahre her: "Es sind Männer aus Kriegsgebieten zu uns gekommen, die ein patriarchalisches Frauenbild haben." Hier gilt es laut der Gewaltschutzexpertin anzusetzen. Die Männer müssten bereits früh mit muttersprachlichen Trainern den respektvollen Umgang mit Frauen lernen. "Man muss viel mehr mit den Männern arbeiten", betont Rösslhumer.



Maria Rösslhumer ist Geschäftsführerin der Autonomen Frauenhäuser. (Bild: Picturedesk.com)



3Frauen schlagen nicht Alarm



Rösslhumer erklärt, dass Frauen oft keinen Ausweg sehen, wenn sie von Männern mit dem Tod bedroht werden. Es erfordere viel Mut, in solchen Fällen zu handeln – und etwa eine Beziehung zu beenden. Viele Frauen trauten sich auch nicht, Hilfe zu suchen. "Der erste Schritt muss eine Beratungsstelle oder ein Frauenhaus sein", so Rösslhumer. "Wenn gedroht wird, ist zudem die Polizei zu kontaktieren."

4Hilfsangebote zu wenig bekannt



Die Gewaltschutzexpertin sieht auch einiges an Nachholbedarf, was öffentliche Bewusstseinskampagnen betrifft. So müsse man Frauenhäuser und Einrichtungen mehr in der Öffentlichkeit positionieren, damit Frauen wissen, welche Anlaufstellen zur Verfügung stehen. Zudem brauche es mehr Übergangswohnungen. Hier sei Wien ein Vorbild. In der Bundeshauptstadt stehen Opfern von häuslicher Gewalt 50 Übergangswohnungen zur Verfügung.

5Strafen zu lasch



"Gewalttäter werden heute juristisch oft kaum zur Verantwortung gezogen. Die Strafen sind zu lasch", so Rösslhumer. Ihrer Ansicht nach müsste der Opferschutz im Strafrecht an erster Stelle stehen. "Notfalls ist auch eine U-Haft angebracht." Bei verurteilten Straftätern ausländischer Herkunft sei unter bestimmten Voraussetzungen eine Abschiebung in Betracht zu ziehen.



(slo)

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