"Mauerkatzen" sollen Öffi-Wartehäuschen kühlen

Begrünte Wartehäuschen gegen urbane Hitze: An fünf Standorten in Wien schaffen ab sofort Kletterpflanzen für kühlenden Schatten. Das Projekt soll nächstes Jahr ausgedehnt werden.
Im Kampf gegen urbane Hitzeinseln setzt die Stadt Wien auf eine Reihe von Maßnahmen. Neben neuer Bäume zählen auch Nebelduschen, Wasserfontänen oder Pergolen dazu. Nun nimmt die Stadt weitere "Hitzespots" ins Visier: die Wärtehäuschen der Öffis. Im Rahmen eines Pilotprojekts werden diese mit Kletterpflanzen, den sogenannten "Mauerkatzen" begrünt.

"Die Wiener Stadtgärten waren hier erneut innovativ. Gemeinsam mit den Wiener Linien und Gewista haben sie ein System entwickelt und umgesetzt, das mit schnellwüchsigen Pflanzen ein dichtes Blätterdach bildet. Damit wird das Wartehäuschen beschattet und die Umgebungstemperatur gesenkt. Zudem ist die Begrünung eine optische Aufwertung für die Umgebung", freut sich Öffi-Stadträtin Ulli Sima (SPÖ), die am Montag den ersten Prototypen bei der Straßenbahnhaltestelle der Linie 1 am Franz Josefs Kai (City) präsentiert hat.

Zu Beginn werden fünf Wartehäuschen begrünt. Weitere Standorte sind am Julius-Raab-Platz gegenüber der Urania (City), am Parkring 12 A (City), der Vorgartenstraße bei U-Bahn-Station-Krieau (Leopoldstadt), am Universitätsring Ecke Stadiongasse (City) geplant. Das Pilotprojekt wird ein Jahr lang evaluiert.

CommentCreated with Sketch.13 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. 5 m lange "Mauerkatzen" bilden kühlendes Gründach

Konkret werden dazu je zwei Stück 120 cm breite und 60 cm hohe Pflanztröge an der Rückseite der Wartehäuschen aufgestellt, die den Pflanzen ausreichend Lebensraum bieten und mit einem Wasserspeicher und einem wasserspeichernden, humosen Substrat ausgestattet sind. Sie werden mit rund fünf Meter langen Parthenocissus tricuspidata 'Veitchii' – auf Deutsch "Mauerkatze" – bepflanzt. Die Kosten für ein bepflanztes Wartehäuschen liegen bei rund 5.000 Euro.

"Die Besonderheit ist, dass hier nicht nur die Vertikale begrünt wird, sondern sich die schnellwüchsigen Pflanzen aufs Dach legen und mit ihren großen, glänzenden Blättern in kurzer Zeit ein kühlendes Blätterdach bilden", erklärt der stellvertretende Leiter der Wiener Stadtgärten Joachim Chen. Nach dem Sommer erfreut dann die prachtvolle, rote Herbstfärbung der Pflanzen das Auge der Öffi-NutzerInnen. Die Pflege der begrünten Wartehäuschen aus dem Pilotversuch übernehmen die Wiener Stadtgärten.

Ideen-Challenge: Neue Begrünungsprojekte für Wartehäuschen gesucht

Bereits vor einigen Monaten wurde gemeinsam mit drei Schülern der Höheren Bundeslehr- und Forschungsanstalt für Gartenbau in Schönbrunn ein ähnliches Begrünungsprojekt umgesetzt. Als Teil einer Diplomarbeit wurde eine Haltestelle des 62A in Meidling mit duftenden Kräutern begrünt. Eine direkte Bepflanzung am Dach ist bei den älteren Modellen der Wartehäuschen aus statischen Gründen und aufgrund der gebogenen Dachform schwierig. Bei den Wiener Linien gibt es rund 2.200 Wartehäuschen, die von der Gewista betrieben werden.

Nun sucht die Stadt nach weiteren Begrünungsideen. Dafür haben die Wiener Linien gemeinsam mit der innovationsfördernden öffentlichen Beschaffung (IÖB) eine Ideen-Challenge ins Leben gerufen. Ziel ist es, die Begrünung bereits bei der Planung neuer Wartehäuschen einfließen zu lassen.

"Der öffentliche Verkehr ist nicht nur die Lebensader der Stadt, sondern schafft auch neue Lebensräume. Wir wollen innovative ArchitektInnen, GärtnerInnen und anderen Unternehmen aktiv die Möglichkeit geben, ihre Ideen einzubringen", so Günter Steinbauer, Geschäftsführer der Wiener Linien. Bis 10. Oktober 2019 können die Ideen online eingereicht werden. Die Öffis noch klimaschonender zu machen, steht dabei im Fokus.

Kampf gegen die urbanen Hitzeinseln und für ein "Cooles Wien"

Als zentralen Hebel im Kampf gegen die Hitze sieht die Stadt Wien den weiteren Ausbau der Öffis oder der umweltfreundlichen Energieversorgung. Daneben müssten aber auch Maßnahmen gegen die bereits spürbaren Auswirkungen gesetzt werden. Daher hat die Stadt an heißen Sommertagen "Sofortmaßnahmen" mit cooling-Angeboten geschaffen. Diese reichen von intervallgeschaltenen Sprühnebelduschen der Wiener Stadtgärtner an rund 50 Plätzen, über Sprühschläuche (insgesamt 600 Meter) auf besonders heißen Plätzen wie dem Schwarzenbergplatz oder dem Praterstern bis hin zum "Sommerspritzer". Dabei handelt es sich um drei Meter hohe Aufsätze mit 34 feinen Sprüh-Düsen auf Hydranten inklusive Trinkvorrichtung. Aktuell befinden sich die Sommerspritzer am Praterstern, am Präuscherplatz, im Resselpark, im Votivpark und in der Arbeiterstrandbadstraße. Ein weiterer Ausbau ist für nächstes Jahr geplant.

Nachhaltige Kühlungs-Offensiven – Förderung für die Bezirke



Neben diesen "Sofortmaßnahmen" unterstützt die Stadt die Bezirke bei neuen kühlenden und klimafreundlichen Schritten. Dazu besteht ein rund 2,3 Mio. Euro schweres Förderpaket bereit, das bezirken finanziell unter die Arme greift. Gefördert wird etwa die größerer Stadtbäume und Staudenbeeten, Maßnahmen fürs Wasserspeichern unter Bäumen im Rahmen des sogenannten "Schwammstadt-Projekts" oder Ideen zur Entsiegelung befestigter Flächen zugunsten von Grünflächen und begrünte Pergolen, die Schatten und Verdunstungskühle spenden. Auch Wasserspiele, Sprühnebel und Trinkbrunnen können gefördert werden. Für Privatpersonen wurden die Förderungen für alle Vertikal-, Innenhof- und Dachbegrünungen auf 500.000 Euro aufgestockt und die Stadt Wien will heuer und nächstes Jahr 150 begrünte Häuser umsetzen.

Mehr Infos zu den Klima- und cooling-Maßnahmen der Stadt Wien findest Du hier. (lok)

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