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"Mein Gott, das bist du und es ist Sasha-Musik"

Wir haben uns mit dem deutschen Sänger (46) getroffen und mit ihm über sein neues Album geplaudert. "Heute" verlost drei Alben!

Heute Redaktion
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"Heute": Sie singen auf „Schlüsselkind" erstmals auf Deutsch. Bekommen wir jetzt den ehrlichsten und echtesten Sasha ever?

Sasha: Ich würde gerne JA sagen, ich kann es aber so nicht bestätigen. Ich hab auch vorher schon auf English versucht, mein Innerstes nach Außen zu kehren. Es ist mir selber aufgefallen, wenn ich auf Deutsch Texte schreibe, dass es was anderes ist. Weder ich habe die Übersetzungsbarriere noch diejenigen, die das hören. Das ist ein direkter Kontakt. Natürlich bei Menschen, die der deutschen Sprache mächtig sind. Es wird direkter. Auch bei den Themen gehe ich weiter zurück. Ich bin ja jetzt in der Mitte meines Lebens. Es ist nicht nur eine Ego-Platte, wo es nur um mich geht – sondern auch um Freunde, Familie, aber auch um Sachen, die mich interessieren oder mich geprägt haben.

Interview mit Sasha

Gab es da Themen, die Ihnen schwer gefallen sind, textlich zu verarbeiten? Oder mussten Sie Grenzen ziehen?

Ich habe nicht mit Absicht versucht, etwas zu verheimlichen. Es war eher umgekehrt, wie bei einer Zwiebel, wo ich nach und nach versucht habe, die Schichten abzulegen und ans Eingemachte zu gehen. Es ist ja nicht das erste Mal, ich bereite das Album schon seit über 20 Jahren vor, aber es ist mir bislang noch nicht gelungen, die gewisse Ernsthaftigkeit bei der Arbeit zu haben. Ich hab immer mal wieder deutsche Lieder gemacht und zuletzt bei der 1. Staffel von "Sing meinen Song", wo die Leute nachher zu mir hergekommen sind und meinten: du musst jetzt unbedingt ein deutsches Album machen, das klingt so, als wärst du dafür prädestiniert. Da habe ich gemerkt, jetzt ist es bald so weit. Aber als alle kamen und meinten "Du musst jetzt" - da werde ich dann ein bisschen bockig und wollte mein englisches Album zu Ende machen. Aber die Idee war geboren, das hat jetzt 2 Jahre gedauert. Da habe ich mir auch extra viel Zeit gelassen dafür, weil ich nicht wusste, ob es klappt oder nicht. "Schlüsselkind" sind meine Erfahrungen, die wollte ich einmal erzählen. Am Anfang habe ich mich erwischt, wie ich am Telefon meine ersten Texte aufgenommen habe, dass ich dazwischen englisch gemurmelt habe. Ich wusste: wenn der Moment kommt, wo ich auf Deutsch murmle, hab ich es geschafft. Dann habe ich den Sprung geschafft, in deutscher Sprache musikalisch zu denken. Nach zwei, drei Monaten kamen dann deutsche Fantasiewörter und da wusste ich: Das war meine Erleuchtung, dann ging es von selbst. Dann war es nicht mehr verkopft.

Deutsch oder Englisch? Wo tun Sie sich persönlich leichter beim Singen?

Es ist eine gute Frage. Also da hab ich mir am Anfang tatsächlich ein bisschen zu viele Gedanken gemacht. Aber ich hatte ja schon meine Erfahrungen und wusste ja schon, dass mit das eigentlich relativ leicht von den Lippen geht. Das einzige wo ich noch gedacht hab, das darf auf keinen Fall passieren, also ich wollte eine Sasha-Platte auf Deutsch machen, aber keine deutsche Platte, auf der Sasha singt. Es muss schon meins sein. Es musste meine Variante von einer deutschen Platte sein und die zeichnen sich

in der Regel immer dadurch aus, dass sie relativ vielfältig in den Genres sind, im Bereich der Popmusik. Ich wollte mich beim Singen nicht unbedingt einschränken lassen und jetzt irgendwie anders klingen. Das war so meine größte Sorge, dass mich keiner erkennt, wenn ich auf deutsch singe. Das ist mir glaube ich gelungen, da war ich dann ganz happy. Als ich die ersten Sachen vorgespielt habe und auch bei kleinen Live-Konzerten nur mit Gitarre wo dann die ersten Menschen das gehört haben und gesagt haben 'Mein Gott, das bist wirklich du und es ist Sasha-Musik, aber auf Deutsch'. Das hat mir sehr gut getan, dass das geklappt hat, weil das war ein wichtiger Punkt.

In einem Interview haben Sie gemeint, dass Udo Jürgens Ihnen gezeigt hat, wie es geht, auf Deutsch zu singen …

Ne, er hat mir gezeigt, wie man sich nach einer Preisverleihung vernünftig ins rechte Bild rückt (lacht). Da habe ich Lehrgeld bezahlt, bei meinem Lieblingsfoto. Da waren Whitney Houston und ich auf einer Bühne, nach einer Bambi-Verleihung. Und da tippte mich jemand an, ich drehte mich um – und plötzlich kamen alle Leute von unten auf die Bühne und ich stand nur mehr in der dritten Reihe. Am Bild sah man mein Gesicht nicht mehr, sondern nur mehr meine Haare! Und als ich das Foto in der Zeitung gesehen habe, stand Udo Jürgens neben Whitney Houston! Aber er hat mir einmal ein schönes Kompliment gemacht, das habe ich wo gelesen. Ich hatte nicht so viel Kontakt zu ihm, habe ihn zwei, drei Mal kennengelernt. Er wurde gefragt, wen er als deutschen Act zum Eurovision Song Contest schicken würde. Da meinte er: Wenn es eine Frau wäre, dann Sarah Connor - wenn es ein Mann wäre, dann Sasha. Ein Ritterschlag! Und ich muss sagen, ich hatte auch keine Platte von ihm zuhause. Meine Eltern schon. Als ich angefangen habe mit deutschen Texten habe ich schon so gedacht, dass ich es wie Udo Jürgens schaffen möchte, dass ich, einfach bleibe in der Sprache, aber komplexe Themen anzusprechen. Das hat mir gut gefallen und das habe ich mir so ein bisschen auf den Weg mitgenommen.

Wäre das für Sie eine Option, Deutschland beim ESC zu vertreten?

Ich finde, das ist eine große Verantwortung. Ich sag es ganz ehrlich: Das ist nicht meine Lieblingsveranstaltung und ich müsste mir schon sehr sicher sein, wenn ich es dann tue. Es ist eine große Herausforderung. Es ist ein schweres Kreuz, was man da trägt. Es ist nicht einfach, da zubestehen. Da hätte ich aber nicht Angst davor. Gerade früher, da war es eine Band und diverse Interpreten, wo der Song im Vordergrund stand. Das würde ich zum Beispiel machen: Als ein Interpret alle Songs vortragen (lacht). Und dann die Jury entscheiden lassen, welcher Song am besten ist. Ich hab es sehr oft geschaut, ich würde mich geehrt fühlen, wenn ich ausgewählt würde. Ich würde zumindest nicht nein sagen.

Ist die deutsche Platte jetzt ein einmaliges Experiment oder planen Sie das auch in Zukunft so handzuhaben?

Das kann man ja bei mir nie so genau sagen. Ich hab da keine Prognose. Aber es hat mir so viel Freude bereitet und so gut getan, so viele neue Chancen und Horizonte eröffnet, dass ich da auf jeden Fall weiter machen will, muss und werde. Das wird jetzt Sasha sein. Alles andere kann man glücklicherweise in lustigen Projekten machen. Pläne dazu gab es schon in den frühen 2000ern als wieder ein Sasha-Album oder ein Dick Brave-Album anstand. Welches mache ich jetzt zuerst? Vielleicht ist jetzt Zeit für das deutsche Album, und dann hab ich mir Projekte ausgedacht und hab mir Projektnamen ausgedacht, weil ich dann da dachte, ne Sasha ist Englisch und ich mach jetzt ähnlich wie bei Dick Brave und such mir zwei bis fünf andere Leute dazu und gründe eine Band oder mache ein Electro-Projekt und das ist dann auf Deutsch. Das hätte auch passieren können, aber das fand ich dann irgendwie nicht ehrlich genug. Wenn ich schon auf deutscher Sprache singe, dann muss es ehrlich sein. Es muss ich sein, wenn ich da mein Herz so hinlege. Irgendwie hat sich das so ergeben, dass ich das mal auf die Seite schiebe, weil dazu bin ich noch nicht bereit. Ein lustiges Projekt zu machen fände ich dann zu schade. Und dann hab ichs erstmal wieder gelassen. Jetzt war die Zeit aber irgendwie reif. Da haben sich soviele Sachen ineinander verzahnt, die gepasst haben und dann haben wir es einfach gemacht. Und jetzt ist es da.

Zieht es Sie eigentlich wieder mal ins Fernsehen?

Ich liebäugele eigentlich schon sehr lange mit dem Fernsehen. Ich wollte aber eigentlich nie Musik und Fernsehen, und dann zuviel Fernsehen, aber die Zeiten haben sich gottseidank geändern, dass man das eigentlich super miteinander kombinieren kann. Sei es durch "The Voice", "The Voice Kids" oder "Sing Meinen Song". Da wird man als Musiker trotzdem noch ernstgenommen, auch wenn man öfter mal im Fernsehen zu sehen ist. Im letzten Jahr habe ich ja noch zwei Fernsehshows gemacht - "The Voice Kids" dann "It's Showtime". Jetzt hab ich mich komplett auf das Album konzentriert, hatte dewegen keine Zeit und tatsächlich auch keinen Kopf dafür. Ich versuch das dann schon zu Zeiten zu machen, wo man alles vermengen muss, das wäre mir dann zu viel. Ich und Multitasking - nicht so super. Aber mir macht das schon Spaß, und wenn das richtige Ding um die Ecke kommt und die richtige Show, dann hab ich immer offene Ohren für gute Ideen. Aber jetzt im Moment ist erstmals wieder Musik im Vordergrund.

Wie schaut es mit Tournee-Plänen und der Live-Umsetzung von "Schlüsselkind aus"?

Ab September sind wir auf Tour, leider noch nicht in Österreich, da haben wir noch keine Termine. Das werde ich aber auf jeden Fall sobald ich es weiß nachlegen. Es wird eine Mischung geben. Wie ich sie genau mache, weiß ich noch nicht. Deshalb weiß ich nicht, wie ich die englischen Songs einarbeiten werde. Ob ich's vermischt mache, oder einen deutschen Part und einen englischen Part mache, oder in die Mitte. Natürlich wird es viele von den neuen deutschen Songs geben aber natürlich auch die alten. Ich hab ja nicht nur ein neues Album, ich hab ja heuer auch 20-jähriges Jubiläum, seit 20 Jahren darf ich Platten machen. Das muss man ja auch irgendwie feiern. Und das werde ich mit den jeweiligen Songs aus den letzten zwei Jahrzehnten irgendwie auch tun, und da gab es ja so ein paar. Natürlich werden Songs wie "If You Believe", "This Is My Time", "Lucky Day" und so weiter, das muss ja stattfinden. Ich würde mich auch ein bisschen nackig fühlen, wenn das nicht passieren würde.

Das Gewinnspiel ist bis 17. April 2018, 23:59 Uhr, aktiv. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.