"Mein großes Vorbild ist der Erfinder der Pille!"

Er kam,schlürfte Kaffee mit Sojamilch und zeigte uns, wie der (Feld-)Hase läuft: Klaus Albrecht Schröder, seit diesem Jahrtausend Herrscher über eine der bedeutendsten Sammlungen der Welt, lobt bei seinem Redaktionsbesuch unsere knackigen Schlagzeilen, verwehrt sich gegen Kunst zum Schnäppchenpreis und erklärt, warum er lieber Mercedes 500 SEL als VW Golf fährt. Außerdem spricht er über Restitutionen, die Causa Matt, Vorbilder und die Zeit danach.

Er kam,schlürfte Kaffee mit Sojamilch und zeigte uns, wie der (Feld-)Hase läuft: Klaus Albrecht Schröder, seit diesem Jahrtausend Herrscher über eine der bedeutendsten Sammlungen der Welt, lobt bei seinem Redaktionsbesuch unsere knackigen Schlagzeilen, verwehrt sich gegen Kunst zum Schnäppchenpreis und erklärt, warum er lieber Mercedes 500 SEL als VW Golf fährt. Außerdem spricht er über Restitutionen, die Causa Matt, Vorbilder und die Zeit danach.

Heute: Kunsthallen-Chef Gerald Matt ist drei Monate vom Dienst freigestellt (ihm wird unlautere Nutzung von Ressourcen vorgeworfen, Anm.). Haben Sie Interesse an seinem Job?

"Nein.Wenn ich Mercedes 500 SEL fahre, warum sollte ich dann freiwillig auf VW Golf umsteigen?"

Wie verfolgen Sie die Causa?

"Ich verfolge die Causa,wenn es eine Causa ist, sehr genau. Um sicherzustellen, dass nichts Ähnliches in der Albertina passiert.Wir können nicht sensibel genug sein, was das Einhalten ethischer Standards betrifft. Menschen in Führungspositionen haben viele Privilegien. Sie müssen sich ihrer Verantwortung doppelt und dreifach bewusst sein. Und ob sich Matt etwas zuschulden kommen ließ, das klären zuständige Stellen."

Schiele-Blätter,Romako- Arbeiten, Jan de Beers "Wurzel Jesse" – laut der Empfehlungen des Rückgabebeirats müssen Sie sich von diesen Werken trennen.Wie schwer fällt es Ihnen?

"Sehr schwer. Aber ich bin dafür, Tabula rasa zu machen.Es kann nicht sein,dass wir durch Nichtwissen oder Ignoranz Kunst besitzen,die wir nicht haben sollten. Ich wünschte mir aber, dass Österreich die Möglichkeiten und den Willen hätte,einzigartige Bilder nach der Restitution wieder rechtmäßig zu erwerben.Die Antwort wird aber sein: ,Wir können nicht!‘"

Ist der Anspruch von Erben auf die in der NS-Zeit enteigneten Bilder nicht irgendwann verjährt?

"Wir sollten endlich anfangen, über diese Verjährungsfrist nachzudenken. Damit sie festgelegt werden kann. Um des lieben gesellschaftlichen Friedens willen."

Die Verleihung unseres Dürer-"Feldhasen" an den Prado in Madrid wirbelte 2005 viel Staub auf. Ein Vorwurf: Sie hätten die Genehmigung erst am Tag vor dem Abtransport eingeholt.

"Das stimmt nicht. Die Genehmigung selbst kam viel zu spät. Es war gut und richtig, dass die Schau dort stattfand. Der Prado ist schließlich eines der wichtigsten Museen der Welt. Aber natürlich haben wir daraus gelernt, da darf kein Fehler mehr passieren. Wir suchen jetzt bei vergleichbaren Ausstellungen schon Jahre davor beim Bundesdenkmalamt an."

Kennen Sie den Kunstsupermarkt?

"Ja, aber ich weiß nicht, ob ich ihn gut finde. Gestatten Sie dem Direktor eines bedeutenden Hauses zu sagen: Wenn wir große, unbezahlbare Kunst demokratisieren, indem wir sie im Museum zeigen, dann sollte man nicht die Illusion erwecken, dass sie zum Schnäppchenpreis zu kaufen ist."

Wann beginnt Ihr Arbeitstag?

"Um fünf Uhr. Dann lese ich bis neun Uhr verschiedene Zeitungen."

Werden Sie es in Ihrer Pension aushalten, leiserzutreten?

"Da hab’ich ein großes Vorbild: Carl Djerassi, der Erfinder der Antibabypille. Er ist 88, fliegt im Jahr 350.000 Meilen, hält 40 Vorträge und schreibt. Der letzte Arbeitstag im Angestelltenleben wird nicht der letzte Arbeitstag im Leben eines Klaus Schröder sein."

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