"Meine Frau glaubt, mir nicht zu genügen!"

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Jan meint es gut mit seiner Partnerin. Wie eine Prinzessin trägt er sie auf Händen. Das Wichtigste ist für ihn, dass sie einfach neben ihm ist. Trotzdem hegt sie Selbstzweifel.
Frage von Jan (30) an Doktor Sex: Neulich überraschte ich meine Frau mit 29 Rosen – für jeden Monat, den ich mit ihr verheiratet bin, eine. Wie erwartet hat sie sich gefreut. Aber gleich darauf bemerkte sie: "Ich weiß, ich müsste mehr in unsere Beziehung investieren." Ich beruhigte sie natürlich sofort, nahm sie in den Arm und sagte ihr, für mich sei alles okay, wie es ist, und mehr würde ich nicht brauchen. Und so ist es auch! Ich freue mich, wenn ich morgens aufwache und ihr verschlafenes Gesicht betrachten darf. Ich freue mich, wenn wir gemeinsam durch die Stadt schlendern oder einkaufen gehen. Ich freue mich, wenn wir zusammen auf einer Parkbank den Sonnenuntergang betrachten. Aber sie hat leider manchmal das Gefühl, dies sei nicht genug. Manchmal werde ich dann traurig und denke, dass ich sie mit meiner Beziehung überfordere. Dabei ist doch alles was ich möchte, dass sie einfach neben mir ist. Dass wir gemeinsam alt werden. Dass es ihr gut geht. Ich habe sie nicht geheiratet, damit sie meinen Ansprüchen genügt, sondern weil ich sie liebe, wie sie ist. Ich freue mich, wenn sie etwas mit mir zusammen macht. Aber wenn schon, dann wünschte ich mir, sie würde es tun, um Zeit mit mir zu verbringen und nicht nur aus der Idee heraus, sie müsse es tun, weil sie zu wenig in unsere Beziehung investiere. Wie kann ich ihr helfen?

Antwort von Doktor Sex

Lieber Jan

Du bemühst dich sehr um deine Frau – fast etwas zu sehr, scheint mir. Nichts gegen Rosen und Romantik. Und auch nichts gegen dich und deine Gefühle für die Geliebte. Aber vielleicht solltest du dir das Ganze einmal aus der Perspektive deiner Partnerin anschauen. Auch wenn du dir gefällst in der Rolle dessen, der nichts weiter braucht, als am frühen Morgen in ihre verschlafenen Augen zu schauen, am Mittag händchenhaltend durch die Stadt zu spazieren und abends im Park den Sonnenuntergang zu betrachten: Hast du dir schon mal überlegt, wie sich die Rolle, die du deiner Frau zugedacht hast in dem, was du "meine Beziehung" nennst, für sie anfühlen könnte? Und kannst du dir vorstellen, dass ihr diese Rolle möglicherweise nicht genügt? Vielleicht geht es gar nicht so sehr darum, dass sie wirklich das Gefühl hat, zu wenig in die Beziehung zu investieren, sondern dass sie es nicht schafft, deiner Vorstellung von ihr zu genügen und dir auf der Ebene Angebote zu machen, auf der du solche überhaupt wahrnehmen könntest.

Wie kannst du ihr helfen?

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Ich denke, deine Partnerin könnte profitieren, wenn du ihr etwas mehr Raum zugestehen und ihr einfach mal in Ruhe zuhören würdest. Du scheinst zwar genau zu wissen, was für sie das Beste ist, jedoch definierst du ihr Wohlergehen immer auf dem Hintergrund deiner Idee von Beziehung. Was ihr da lebt, ist aber nicht deine, sondern eben eure Beziehung und deine Frau ist nicht einfach die Statisten-Prinzessin in deinem Leben. Wenn es also dein Wunsch ist, mit ihr zusammen alt zu werden, solltest du unbedingt dafür sorgen, dass sie diesen Wunsch auch von sich aus und in sich selber entwickeln kann. Indem du ihr genügend Platz lässt, um sich ihren Wünschen entsprechend zu entfalten und sich dir zu zeigen als die, die sie ist und die sie sein möchte in ihrem Leben und in der Beziehung mit dir.

Eine Partnerschaft lebt davon, dass beide Partner geben und nehmen. Wer eine Beziehung dominiert, indem er oder sie andauernd gibt, ohne seinem Gegenüber zu ermöglichen, das so entstehende Ungleichgewicht nicht nur immer wieder auszugleichen, sondern umgekehrt selber auch Angebote zu machen, so dass der oder die andere wieder einen Ausgleich herbeiführen und erneut ein Ungleichgewicht schaffen kann, erstickt beides: die Beziehung und den Partner. Wer sich umgekehrt wie ein Dieb verhält, also immer nur nimmt, ohne selber etwas in die Mitte zu legen, beutet beides aus: die Beziehung und den Partner. Die Kunst ist auch hier der Mittelweg.

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