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"Muss ich ihm sagen, dass ich schon Sex hatte?"

Mia hat geschummelt, als es darum gegangen ist, ihrem neuen Freund zu verraten, wie viele Partner sie schon hatte.
Heute Redaktion
13.09.2021, 16:48

Frage von Mia (16) an Doktor Sex: Ich habe seit acht Monaten einen Freund. Wir kamen erst nach einer Zeit des Zweifels zusammen, denn am Anfang wollte ich eigentlich gar keine Beziehung mit ihm. Sex hatten wir dann erst nach drei Monaten. Vor unserer Beziehung erzählte ich ihm, dass ich noch Jungfrau sei. Das stimmte aber gar nicht.

Ich wollte einfach mein erstes Mal nicht erwähnen, weil ich mich dafür schäme und es bereue. Ich war damals erst 14 und der Junge drohte damit, Schluss zu machen. Am Anfang unserer Beziehung sagte mir mein Freund, er habe vor mir erst zwei andere Freundinnen gehabt. Später habe ich erfahren, dass es mehr waren. Ich bin dann total ausgerastet – wegen seiner Vergangenheit und weil er mich angelogen hat.

Jetzt denke ich jeden Tag darüber nach, ob und wie ich es ihm sagen soll, dass auch ich ihm nicht die Wahrheit gesagt habe. Muss ich ihm die Wahrheit sagen? Oder ist es in Ordnung, wenn ich diese Erfahrungen für mich behalte?

Antwort von Doktor Sex

Liebe Mia

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Man kann sich nie wirklich eindeutig richtig verhalten. Was im einen Fall stimmt, macht im anderen keinen Sinn. Und die Werte, an denen sich jemand orientiert, um in einer bestimmten Situation zu entscheiden, können sich total von denen unterscheiden, an denen sich jemand anderes orientieren würde.

Der indische Philosoph Jiddu Krishnamurti hat diesen Umstand in einem einfachen Satz zusammengefasst: "Die Wahrheit ist ein pfadloses Land." Letztlich bedeutet er, dass wir als Menschen die Freiheit haben, zu wählen. Diese sollten wir klug und im Bewusstsein nutzen, dass wir auch für das Wohlergehen aller anderen Lebewesen Verantwortung tragen.

Ich denke, du solltest unbedingt klären, was du mit einem Geständnis bewirken oder erreichen zu können glaubst. Dein Freund wird möglicherweise wenig erfreut sein über deine Lüge und entsprechend aufgebracht reagieren. Wenn du dich also dafür entscheidest, eine andere Wahrheit zu kommunizieren, sollte sie den Aufruhr wert sein, den sie auslösen könnte.

Einfach aus Prinzip ehrlich zu sein – also, unter allen Umständen immer die "Wahrheit" zu sagen – ist idiotisch. Diese Form der Aufrichtigkeit ist nämlich einfach nur total egoistisch. Sie nimmt in Kauf, dass letztlich andere den Preis dafür zahlen, dass man selbst ein ruhiges Gewissen und eine weiße Weste haben kann.

Du hattest gute Gründe, am Anfang der Beziehung dein erstes Mal für dich zu behalten – und diese haben sich seither nicht grundsätzlich geändert. So gesehen macht ein Geständnis eigentlich nur Sinn, wenn es deine Absicht ist, deinem Freund nun, nachdem du ihn besser kennst und sich eure Beziehung verfestigt hat, einen tieferen Einblick in deine Persönlichkeit gewähren möchtest.

In manchen Situationen ist es wichtiger, sich selber treu zu sein und anderen deshalb (noch) nicht die volle Wahrheit über einen Sachverhalt zu erzählen. So gesehen könnte man in deinem Fall auch von einer Notlüge sprechen oder – etwas milder ausgedrückt – von einer Teilwahrheit. Alles Gute!

Ihre Frage an Doktor Sex: [email protected]

(wer)

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