"Muss ich seine virtuellen Flirts akzeptieren?"

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Lenas Ehemann flirtet fremd. Das allein wäre für sie noch halbwegs verkraftbar. Aber dass er gemeinsame Abmachungen nicht einhält, macht sie fertig.

Frage von Lena (46) an Doktor Sex: Ich bin seit zwanzig Jahren verheiratet, habe Kinder – und war glücklich, bevor ich vor zwei Jahren überraschend herausfand, dass mein Mann im Netz mit anderen Frauen Kontakt hat. Ich stellte ihn zur Rede, er verstand mich nicht und verharmloste alles. Die Frau sei ja nicht eine von nebenan und er wolle doch nur schreiben. Ich habe mich dann auch auf dieser Plattform angemeldet. Er staunte, wie viele Männer mit mir chatten wollten. Wir löschten dann beide unseren Account und vereinbarten, dass er nur noch der einen Frau schreibt. Jedoch gab er ihr danach ohne Rücksprache mit mir seine Mobile-Nummer, damit sie sich auch Textnachrichten schreiben konnten. Ich tobte und er verstand mich auch dieses Mal nicht, fand, er tue nichts Falsches und alles sei bloß eine harmlose Freundschaft. Diese Frau lebe weit weg, er wolle nur Schreibkontakt und habe keinerlei sexuelle Interessen an ihr. Dies musste ich wohl oder übel akzeptieren. Jedoch bestand ich darauf, ihre und seine Nachrichten lesen zu dürfen. Dies treibt mich zwar jeweils fast zur Weißglut, aber ich will einfach die Kontrolle haben. Sie schreibt nur, wenn er sie etwas fragt. Dann jedoch braucht sie Ausdrücke wie "Herzilein" oder "Liebling", was mich zum Kochen bringt. Sie weiß, dass er verheiratet ist. Er beteuert, mich zu lieben. Letzte Woche nun fand ich heraus, dass er sie auch auf Facebook als Freundin hinzugefügt hat, obwohl ich die Bedingung gestellt hatte, dass er dies nicht tun dürfe. Die Freundschaft kann ich akzeptieren, aber ich kann ihm nicht vertrauen, da er bisher alles hinter meinem Rücken getan hat. Hat unsere Ehe überhaupt noch Sinn? Muss ich nun dafür leiden, dass er vor unserer Beziehung kaum Erfahrungen mit anderen Frauen machen konnte, und die ganze Sache einfach akzeptieren?

Antwort von Doktor Sex

Liebe Lena

Aufgrund der Vorfälle gleich eure Ehe infrage zu stellen, scheint mir etwas übertrieben. Auch wenn sich dein Mann einiges herausnimmt und sein Verhalten auch in meinen Augen Anlass zu Misstrauen gibt: Versuche Ruhe und einen klaren Kopf zu bewahren. Fokussiere dich auf die Suche nach Lösungen, statt deine Energie in emotionalen Ausbrüchen zu verpuffen. Ich nehme an, ihr habt in den vergangenen 20 Jahren Beziehung einiges zusammen durchgestanden. Darauf könnt ihr jetzt bauen. Falls du im Laufe des anstehenden Prozesses erkennen solltest, dass eure Wege tatsächlich in unterschiedliche Richtungen gehen und ihr keinen für beide lebbaren Kompromiss mehr findet, ist es immer noch früh genug, einen Schlussstrich zu ziehen.

Deinem Mann steht der Kopf offensichtlich sehr nach einer Erweiterung seiner Lebenswelt – so sehr, dass er zuweilen seine Beziehung mit dir zu vergessen scheint. Vielleicht nützt er aber auch nur das Verständnis aus, das du ihm und seinem Bedürfnis in den letzten zwei Jahren entgegengebracht hast. So oder so – das Fass steht kurz vor dem Überlaufen und offensichtlich reicht das, was du bisher unternommen hast, nicht aus, um deinem Partner klarzumachen, dass er mit seinem Verhalten deine Grenzen überschreitet. Eure Ehe hat ihren Zenit überschritten und sie bedarf dringend einer Standortbestimmung. Es scheint mir daher an der Zeit, euch fachliche Begleitung zu holen und mit deren Unterstützung zu klären, welche Visionen und Ziele ihr für eure individuelle Zukunft, aber auch für eure Beziehung habt. Dabei werden zwangsläufig auch die Außenkontakte deines Mannes und der Umgang damit ein Thema werden.

Viel Glück. (wer)

(mp)

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