"Mutter rastet aus, weil Vater Pornos schaut"

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Brigitte hat Mitleid mit ihrem Vater. Der wurde von der Mutter massiv beschimpft, weil er Pornos schaute. Wie kann sie ihr beibringen, dass das normal ist?

Frage von Brigitte (19) an Doktor Sex:Ich wohne noch bei meinen Eltern. Nun habe ich neulich mitbekommen, wie sie sich gestritten haben. Es ging um den Pornokonsum meines Vaters. Meine Mutter kann nicht verstehen, dass er sich solche Filme anschaut und dazu masturbiert. Deshalb beschimpfte sie ihn, machte ihm Vorwürfe und rastete immer wieder aus. Er tut mir so leid. Wie kann ich meiner Mutter beibringen, dass dies ein normales menschliches Verhalten ist?

Antwort von Doktor Sex

Liebe Brigitte

Dein Mitgefühl für deinen Vater in Ehren. Aber die Auseinandersetzungen deiner Eltern gehen dich nichts an. Umso mehr, als du von niemandem um eine Stellungnahme gebeten wurdest. Auch wenn es schwierig ist, weil dir dein Vater leid tut und deine Mutter bei dir den Eindruck zu erwecken scheint, Nachhilfe in Sachen Männer und Moral zu benötigen, tust du gut daran, die Ebenen nicht zu vermischen und bei deinen Angelegenheiten zu bleiben.

Vielleicht hilft es dir, Abstand zu halten, wenn du dir die Situation in umgekehrter Konstellation vorstellst: Du hast bei dir zu Hause einen Konflikt mit deinem Partner oder deiner Partnerin über euer Sexualleben, den auch deine Eltern mitkriegen. Ich kann mir schwerlich vorstellen, dass es dir angenehm wäre, wenn dein Vater oder deine Mutter sich einmischen und dir spontan Ratschläge erteilen würde.

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Du behauptest, Pornos zu schauen und dabei zu masturbieren sei ein "normales menschliches Verhalten". Dem möchte ich widersprechen. Auch wenn der Pornokonsum zugenommen hat und sich mittlerweile auch vermehrt Frauen als Konsumentinnen outen, kann von Normalität keine Rede sein. Das Betrachten von sexuell expliziten Bildern und Filmen bleibt nach wie vor Geschmackssache. Und ein Dauerthema in Beziehungen, insbesondere dann, wenn damit Heimlichkeiten verbunden sind.

Während durch die technischen Möglichkeiten der Zugang zu Pornografie in den letzten Jahren sehr viel einfacher geworden ist, haben sich die moralischen Ansprüche und die Kompetenzen im Umgang mit den im Übermass zur Verfügung stehenden expliziten sexuellen Darstellungen so gut wie gar nicht verändert. Im Gegenteil: In der Tendenz ist sogar eine Verhärtung zu beobachten. Pornokonsumenten - in der Mehrzahl handelt es sich um Männer - werden stigmatisiert und von ihren Partnerinnen kurzerhand für sexsüchtig erklärt.

Um Konflikte zu vermeiden, ist es daher sinnvoll, in einer Beziehung von Beginn weg offen über dieses Thema zu sprechen und sowohl die diesbezüglichen Bedürfnisse als auch entsprechende Vorbehalte offenzulegen. Weil aber das Reden über Sexualität in vielen Beziehungen mit Scham behaftet und von kommunikativem Unvermögen geprägt ist, ziehen die meisten Paare das Schweigen vor. Und landen dadurch irgendwann in einer happigen Beziehungskrise. (wer)

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