"Nach Morgenlauf schau' ich gleich auf Facebook"

Teil 5 der "Heute"-Serie: Politiker googeln sich selbst – und sagen, was ihnen spontan zu den Google-Suchvorschlägen einfällt. Diesmal mit Rudi Anschober.

"Heute": Das erste Stichwort ist "Facebook". Was fällt Ihnen da ein?



Rudi Anschober: Bei aller Kritik halte ich als Kommunikationsplattform enorm wichtig! Ich benütze es täglich, um Kontakt zu halten, Information zu geben, Fragen zu beantworten, Diskussionen zu führen. Das ist genauso wichtig wie der tägliche Sprechtag auf der Straße, in der Straßenbahn, im Zug.

Ich betreue es größtenteils selbst, wenn es das Team macht, ist das gekennzeichnet. Ich halte es aber für wichtig, den Großteil selbst zu machen. Ich möchte ein authentischer Politiker sein.

"Heute":Das nächste Schlagwort ist „Kontakt"

So gibt Google die Fragen vor
Wer schon einmal den Namen von Promis gegoogelt hat, kennt das: Google macht weitere Suchvorschläge zum Namen, nach denen häufig gesucht wird. Z. B. kommen, wenn man Robbie Williams eingibt, noch die Vorschläge Robbie Williams Angels oder Robbie Williams Konzert. Wir haben nun die oö. Spitzenpolitiker gebeten, sich selbst zu googeln – und zu sagen, was ihnen spontan zu den von Google generierten Suchbegriffen einfällt. Und ein paar Mal haben wir auch nachgefragt :-)

Rudi Anschober:Ein Politiker muss Werte haben, er muss gestalten. Und das dritte ist: Ein Politiker muss laufend Kontakt halten zur Bevölkerung. Auf welche Art, ist egal. Ob das nun direkter Kontakt oder via Social Media ist, ist zweitrangig. In den 15 Jahren, in denen ich in der Landesregierung bin, haben wir rund 12.000 Sprechtagstermine gehabt. Auf der Straße werden oft Fragen gestellt, nicht nur schulterklopfen, aber auch Kritik. Das bietet aber die Möglichkeit, etwas zu erklären. Ich will für solche Gespräche Zeit haben. Das ist Kern der politischen Arbeit. Aber weit über 80 Prozent der Kontakte sind positiv. Und es gibt viele Menschen, die einfach Danke sagen.

"Heute":Der nächste Google-Treffer ist „Petition"

Rudi Anschober:Ist wohl die erfolgreichste und wichtigste Initiative, die wir bisher hatten. (Es geht um eine Petition, die verlangt, dass gut integrierte Asylwerber, die in Mangelberufen arbeiten – also in Berufen, in denen Österreicher sowieso fehlen – nicht abgeschoben werden) Was mich so begeistert ist, dass in Zeiten, wo die Bereitschaft, politisch zu handeln, nicht so groß ist, die Zustimmung zur Unterstützung, dass gut integrierte Lehrlinge nicht aus dem Land geschmissen werden, so groß ist. Diese Lehrlinge machen genau das, was die Gesellschaft zu Recht von ihnen fordert, nämlich Integration. Diese Allianz wird jetzt ganz stark von der Wirtschaft getragen. Wir haben sogar von der FPÖ zum Teil Unterstützung dafür. Wenn kurz will, werden wir da eine politische Lösung finden, die Sinn macht.

"Heute":Ist der Zuspruch eine Genugtuung für Sie?

Rudi Anschober:Genugtuung ist es dann, wenn wir das durchgesetzt haben. Wir haben das Schicksal dieser gut integrierten jungen Menschen zum Thema gemacht, jetzt wollen wir es durchsetzen. Es gab an einem Wochenende über 100 Betriebe, die ihre Unterstützung zugesagt haben...

"Heute":Das nächste Wort: Twitter

Ist wie Facebook und Instagram. Das sind für mich die drei Bausteine der Social-Media-Kommunikation. Twitter ist nach Facebook in der Früh gleich der zweite Zugriff. Ich mach das sofort in der Früh. Mein Tag beginnt mit einem Morgenlauf, der zweite Schritt ist dann, auf Social Media zu schauen. Twitter ist aber vor allem auch Informationsbeschafftung. Ich folge da Experten, da ist es gut möglich, am aktuellsten Stand des Wissens zu sein.

"Heute":Nächstes Stichwort: Verheiratet

Rudi Anschober:Privat bleibt privat

"Heute":Es folgt das Stichwort "Flüchtlinge"

Rudi Anschober:Es gab einmal eine Zeit, da mussten auch aus unserem Land viele Menschen flüchten. Und auch damals waren unsere Vorfahren froh, dass es Menschen gegeben hat, denen unser Schicksal nicht egal war. Ich bin sehr dafür, dass es da einen klaren Zugang gibt. Klare Kontrollen an den EU-Außengrenzen, klare Registrierung auf der einen Seite. Wenn die Menschen aber hier sind, dann soll es einen korrekten Umgang geben miteinander. Anstand im Umgang ist ein Grundgebot.

"Heute":Was fällt Ihnen zu "Familie" ein?

Rudi Anschober:Auch da gilt: Privates bleibt privat. Aber: Für mich sind Menschen, die ich gerne mag, extrem wichtig. Da zählen Freunde dazu, da zählt meine Partnerin dazu. Da zählen Menschen dazu, die mir Energie geben und für die ich versuche, Verantwortung zu übernehmen.

"Heute":Wenn Sie mit Familie oder Freunden z.B. in ein Lokal gehen, werden Sie dann ständig angesprochen?

Rudi Anschober:Gibt es schon häufig und oft. Aber: Ich merke, dass da eine Sensibilität da ist. Man strahlt das ja aus. Wenn man mit Freunden Essen geht, wird das respektiert. Die Oberösterreicher sind im Umgang mit mir extrem lässig.

"Heute":Das nächste Stichwort ist "Team"

Rudi Anschober:Von der menschlichen Seite und von der Kompetenz her sensationell. Am Abend bin ich schon oft gerädert. Aber eines der schönsten Dinge ist dieses Bewusstsein, in einem Team zu sein, in dem alle an einem Strang ziehen und alle ein bisschen aufpassen auf den anderen. Auch wenn das Tempo hoch ist, ist es extrem wichtig, dass das so ist.

"Heute":Stichwort "Wikipedia". Lesen Sie sich regelmäßig durch, was da über Sie steht?Rudi Anschober:

(lacht). Nein, meinen eigenen Eintrag hab ich schon seit Ewigkeiten nicht mehr gelesen. Aber das ist grundsätzlich eine Rechercheebene, die wichtig ist und notwendig.

"Heute":Das letzte Google-Schlagwort ist "Grüne"

Rudi Anschober:Yes, großartig! (lacht). Ich glaube man sieht in der derzeitigen Situation in der Innenpolitik sehr klar, dass mit dem Ausscheiden der Grünen aus dem Nationalrat irrsinnig viel fehlt. Deswegen arbeite ich mit vielen anderen Grünen aus den Ländern mit voller Kraft daran, dass der nächste Nationalrat wieder mit starken Grünen ausgestattet ist. Das war im Herbst zunächst eine schwierige Situation (nach der Wahl, Anm.), aber wir haben das geschafft. Ich bin extrem glücklich, dass wir dann die Regierungsbeteiligung in Tirol und Salzburg gehalten haben. Das ist ganz ganz wichtig. Der allergrößte Sieg finde ich für die Grünen war der Bürgermeistergewinn in Tirol. Mein Freund Georg Willi ist in Innsbruck ein großartiger Bürgermeister und er zeigt, wie Grüne wirklich erfolgreich sein können. Mit einer klaren Sprache, einer klaren Botschaft und einer Politik, die sehr nah am Bürger ist.

"Heute":Wie schwierig waren die Abgänge von Peter Pilz und Eva Glawischnig für Sie?

Rudi Anschober:Das war sehr schwierig. Und das waren auch zwei Enttäuschungen, muss ich offen sagen. So ist das halt im Leben. Man macht viele positive Erfahrungen und es gibt auch Rückschläge. Das Rausfliegen aus dem Nationalrat war eine ganz bittere Pille, aber was uns Grüne auszeichnet: Wir krempeln die Ärmel nach oben, geben nicht auf.

(rep)

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