"Nathan der Weise" tanzt als Puppe über die Bühne

Ignaz Seipel, Michael Jackson, Kultkieberer Kottan – Nikolaus Habjan machte sie alle zu Puppen. Ab 7.4. ist auch "Nathan der Weise" dran.

Der Herr der Puppen tritt wieder in Aktion, Nikolaus Habjan bringt Gotthold Ephraim Lessings Blankversdrama auf die Bühne des Wiener Volkstheaters. Das Werk, das Lessing zwei Jahre vor seinem Tod verfasste, enthält dessen Credo in Hinblick auf Religion, Weltanschauung und Geschichtsphilosophie.

Mehr zum Inhalt: Nathan, für den kein Platz im politischen System des regierenden Sultans ist, muss Geld mitbringen, um akzeptiert zu sein. Kaum hat er mit der Ringparabel seinen Kopf aus der Schlinge Saladins gezogen, sieht er seine Rolle als Vater gefährdet. Ein junger Tempelherr, der Nathans Tochter Recha aus den Flammen des brennenden Hauses errettete, verliebt sich in das jüdische Mädchen und setzt alle Mittel ein, um es zu gewinnen. Der zum religiösen Fanatiker erzogene Krieger lässt sich von einem Juden nicht abweisen. Schon gar nicht, wenn es stimmt, was dem Tempelherren zu Ohren kommt: dass Nathan gar nicht Rechas Vater sei. Sofort sind Denunziation und Hass im Spiel. Die Liebe des Christen zu Recha wird lebensgefährlich für Nathan. Nun muss er weise sein und sehr schlau. Geschichten erzählen kann Leben retten. Und Nathan kennt Geschichten. Er stiftet eine Konfessionen übergreifende Wahlverwandtschaft als Modell eines friedlichen Gemeinwesens, in dem die durch Kriege heimatlos gewordenen Individuen wie versprengte Teilchen zu einem neuen Ganzen zusammenwachsen sollen. Wenn sie können. Und wollen.

Arabische Untertitel

Wenn sich der Vorhang zu Nathan der Weise zum ersten Mal hebt, ist dies auch die erste Inszenierung am Volkstheater mit englischen und zugleich arabischen Übertiteln.

„Theater ist nicht nur ein anspruchsvolles Vergnügen, es vermittelt darüber hinaus, wie eine Gesellschaft – im Guten wie im Schlechten – denkt und funktioniert. Mit den fremdsprachigen Übertiteln senken wir die Hürde für viele durch die Sprachbarriere sonst Ausgeschlossene und ermöglichen ihnen, am kulturellen Leben der Stadt teilzunehmen. Im Volkstheater sind alle willkommen, und das möchten wir auch zeigen!", so die künstlerische Direktorin Anna Badora.

"Nathan der Weise" ist der Titel und die Hauptfigur eines fünfaktigen Ideendramas von Gotthold Ephraim Lessing, das 1779 veröffentlicht und am 14. April 1783 in Berlin uraufgeführt wurde. Das Werk hat als Themenschwerpunkte den Humanismus und den Toleranzgedanken der Aufklärung. Besonders berühmt wurde die Ringparabel im dritten Aufzug des Dramas. "Nathan der Weise" ist Lessings letztes Werk.

Premiere ist am 7.4. im Wiener Volkstheater, Regie und Puppendesign: Nikolaus Habjan

Mit Gábor Biedermann (Sultan Saladin), Günter Franzmeier (Nathan, ein reicher Jude in Jerusalem), Katharina Klar (Recha, dessen angenommene Tochter), Steffi Krautz (Sittah, dessen Schwester), Christoph Rothenbuchner (Ein junger Tempelherr), Claudia Sabitzer (Daja, Gesellschafterin der Recha), Stefan Suske (Ein Klosterbruder).

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