"Jeder Mensch unter 25 bekommt in NÖ 2. Chance"

Ex-Diplomat und VP-Landesrat für Wohnen, Arbeit, Europa und Regionen, Martin Eichtinger, sprach mit "Heute" über leistbares Wohnen, Lehre und Europaforum.

"Heute": Herr Landesrat, Sie waren 32 Jahre im Außenministerium, acht Jahre in Washington. Wie nützlich ist das im jetzigen Job?

Martin Eichtinger: Sehr hilfreich. Es hilft bei sämtlichen Problemen von Österreichern im Ausland.

"Heute": Sie waren vor drei Jahrzehnten dabei, als Alois Mock in Nickelsdorf (Burgenland) den Grenzzaun durchschnitten hat (Anm.: am 27. Juni 1989). Wie haben Sie dieses Ereignis in Erinnerung?

Eichtinger: Es war vor Ort eine unglaubliche Spannung in der Luft. Mir war damals bewusst, dass es ein historischer Moment sein würde. Das Bild ging in der Folge um die Welt.

"Heute": Die Mieten explodieren am Markt. Wird in NÖ genug für leistbares Wohnen getan?

Eichtinger: Unsere Mieten im geförderten Wohnbau sind unter dem Österreich-Schnitt. Das Wohnprogramm "Junges Wohnen" (Anm.: unter 35 Jahre, maximal 60 Quadratmeter, nur maximal 4.000 Euro Genossenschaftsanteil) wird sehr gut angenommen und junge Familien bleiben dadurch eher im Ort. Auch die Wohnbaustrategie wurde erneuert: Der Familienbonus wurde erst verdoppelt. Und wir haben einen Regionenbonus, das heißt im ländlichen Raum, vor allem in Abwanderungsgegenden, ist mehr Förderung möglich.



Lehrlingsoffensive boomt


"Heute": Sie sind zuständig für legale Spielautomaten. Wie sehen Sie das Glücksspiel in NÖ?

Eichtinger: Die Entscheidung, die damals in NÖ getroffen wurde, war meiner Meinung nach eine gute. Wir haben in Niederösterreich 1.388 Spielautomaten (Anm.: Admiral 1175, Amatic 213 als Betreiber), eine genaue Identitätsprüfung, Auflagen bezüglich Standort (Jugendschutz) und auffälliges Spielverhalten werden geprüft. Ein generelles Verbot erachte ich als nicht sinnvoll, weil dann illegale Automaten boomen.

"Heute": Wie zufrieden sind Sie mit der Lehrlingsoffensive?

Eichtinger: Sehr. Es ist eine zweite Chance für Menschen unter 25 Jahren, die sie oft auch brauchen. Wer einen Ausbildungsplatz braucht, bekommt ihn von uns und dem AMS garantiert. 4.225 von 7.000 Plätzen waren mit Ende Juni vergeben. 705 haben schon einen Job gefunden.

"Heute": Ist NÖ genügend europäisch, Sie legen da ja großen Wert drauf?

Eichtinger: Ja, wir sind am Weg dorthin. Das Europaforum wurde heuer auf neue Beine gestellt. Es waren 2.000 Besucher beim Europaforum, es fand diesmal an drei statt an zwei Tagen statt. Die großen Anliegen wurden diskutiert und kommen nach Brüssel. Nämlich: Kommunikation; man muss den Menschen besser erklären, was und wieviel die EU in NÖ bewirkt. Das muss einfach besser kommuniziert werden. Und die anderen beiden Anliegen: Digitalisierung und Europa muss fit für die Zukunft werden.

"Heute": Sie waren eben acht Jahre in den USA. Was ist "besser" - USA oder Europa?

Eichtinger: Europa ist der beste Kontinent. Die USA sind toll, wenn man Geld hat. Aber Europa ist sozial viel besser.

(Lie)

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