"Poltergeist": Guter Grusel vs. Kinderkram

In der Originalversion (1982) von Produzent Steven Spielberg war "Poltergeist" noch eine Mischung aus fantasievoller Lichteffektshow und gruseliger Familienunterhaltung. Die neue Version setzt zusätzlich auf kontemporäre Horror-Elemente. Ein Film zwischen gelungener Hommage und verpatztem Update.

In der Originalversion (1982) von Produzent war "Poltergeist" noch eine Mischung aus fantasievoller Lichteffektshow und gruseliger Familienunterhaltung. Die neue Version setzt zusätzlich auf kontemporäre Horror-Elemente. Ein Film zwischen gelungener Hommage und verpatztem Update.

Ein Baum, dessen Äste im Wind gegen ein Fenster schlagen, eine furchterregende Clownpuppe, unheimliche Geräusche in einem dunklen Haus - Steven Spielberg kombinierte in "Poltergeist" seine Kindheitsängste mit seiner Faszination für's Fantastische: Stühle rutschen unerklärlicherweise über den Boden, Lichter spielen verrückt und ein Kleiderschrank wird zum Portal in eine andere Dimension. In den Händen von Regisseur Tobe Hooper ("Texas Chainsaw Massacre - Blutgericht in Texas") wurde der Film schließlich zu einer Art Familien-Horrorfilm, zu hart für die Preteens, zu soft für die schockresistenten Kunstblut-Fans der Siebziger.

Der Plot des neuen "Poltergeist" hält sich sehr genau an die Vorlage. Wieder geht es um eine fünfköpfige Familie in einem Spukhaus, wieder hat die jüngste Tochter einen besonderen Draht zu den übernatürlichen Plagegeistern, wieder wird sie von selbigen in eine Paralleldimension entführt. In ihrer Verzweiflung wenden sich Eric (Sam Rockwell) und Amy Bowen (Rosemarie DeWitt) an eine Gruppe paranormaler Experten, um ihre kleine Madison (Kennedi Clements) zurückzubekommen. Geisterjäger Carrigan Burke (Jared Harris) organisiert die heikle Rettungsaktion, die das Leben aller Beteiligten in Gefahr bringt.

Gute Erinnerungen, schlechte Neuerungen

Der neue "Poltergeist" funktioniert gut, solange er das Original unangetastet lässt. Natürlich wirkt ein zum Leben erwachter Baum, der einen kleinen Jungen aus dem Fenster zerrt, heutzutage altmodisch, und natürlich sind die Handflächen auf der Innenseite des TV-Schirms längst ein abgestandenes, tausendmal reproduziertes Bild. Doch gerade deshalb gefällt der Film - als Hommage an eine Zeit, in der Technologie und Mythologie erstmals zu gruseliger Horror-Fantasy verschmolzen, in der das Kino Kindheits(alb)träume zum Leben erwecken und auch ohne Altersbeschränkung für Gänsehaut sorgen konnte.

Die Frischzellenkur, mit der Regisseur Gil Kenan ("Monster House") ein junges Horror-Publikum ansprechen will, geht hingegen nach hinten los. Der neue, Computer-generierte Look der häuslichen Heimsuchung lässt sich nicht mit dem oben erwähnten Olschool-Grusel in Einklang bringen. "Poltergeist" wirkt dadurch über weite Strecken wie ein Paradebeispiel für Hollywoods uninspirierte Remake-Manie. Gut für's Publikum: Spielbergs Horror-Klassiker war originell genug, um uns auch heute noch via Neufassung zu unterhalten. 

"Poltergeist" startet am 29. Mai in den österreichischen Kinos.

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