"Nicht optimal" - Asbest und Lärm beim KH Nord

In ihrer vierten Sitzung widmet sich die Untersuchungskommission zum Wiener Krankenhaus Nord dem Grundstückskauf und der Projektsteuerung.
In ihrer vierten Sitzung widmet sich die Untersuchungskommission zum Wiener Krankenhaus Nord dem Grundstückskauf und der Projektsteuerung.Bild: picturedesk.com
Bei der Sitzung der U-Kommission zum KH Nord am Dienstag standen ging es um den Grundstücksankauf, Dekontaminierungskosten und vergessenes Risikomanagement.
Gleich vier Zeugen waren geladen, darunter auch die ehemalige Projektleiterin des KH Nord, Alexandra Loidl-Kocher und der ehemalige KAV-Infrastrukturdirektor Maximilian Koblmüller. Ebenfalls befragt wurden Architekt und Ziviltechniker Hans Lechner, die ehemalige KAV-Spitälerdirektorin Susanne Herbek sowie der Geschäftsführer des Austrian Institute of Technology (AIT) Anton Plimon.

Gutachter warnte: "Gewähltes Grundstück nicht optimal"

Anton Plimon musste sich als erster Zeuge den Fragen der U-Kommission stellen. Im Jahr 2007 erstellte er mit seinem Unternehmen "Arsenal Research" im Auftrag der Stadt Wien ein Gutachten, dass das Grundstück bei der Brünner Straße (Floridsdorf) auf die Eignung für einen Spitalsbau untersuchte sowie die Einwirkung auf das Krankenhaus durch Lärm und elektromagnetische Felder erheben sollte.

Laut dem Gutachten war das Grundstück mehrfach vorbelastet. Er habe den KAV daher rechtzeitig vor möglichen Problemen mit Erdströmen und Magnetfeldern gewarnt, die auf die empfindlichen Krankenhaus-Geräte negative Einflüsse haben könnten. Lediglich mit einem hohen (finanziellen) Aufwand hätte man den Standort bei der Brünner Straße zu einem, für ein Spital geeignetes Grundstück, machen können. Plimon betonte, er habe eindeutig festgehalten, dass es sich beim gewählten Grundstück um einen "nicht optimalen Standort" für das Krankenhaus Nord handle.

CommentCreated with Sketch. Jetzt kommentieren Arrow-RightCreated with Sketch. Ist Grundstück auch mit Asbest verseucht?

In einem nun aufgetauchten Bericht zu den Abbruchmaßnahmen auf dem KH Nord-Grundstück aus dem Jahr 2011 ist nun auch die Rede von im Boden gefundenen Asbestdichtschnüren. Rund die Hälfte der Arbeiten sei auf die Asbestsanierungsarbeiten aufgewendet worden. Weiters wird "eine erhebliche Kontamination der Betonoberflächen" festgestellt.

Unverständnis über Liegenschaftswahl

Dass das Grundstück dennoch angekauft wurde, sorgt bei mehreren Mitgliedern der U-Kommission für Unverständnis. Dies wurde weiter verstärkt, als die ehemalige Projektleiterin des KH Nord (war von 2007 bis Dezember 2013 zuständig) von der Risikoübernahme möglicher Dekontaminierungskosten sprach. „Nicht nur, dass der Kaufpreis des Grundstückes mit 350 Euro pro Quadratmeter ohnehin schon am oberen Ende der Bandbreite gelegen ist, war das genaue Risiko auch nicht abschätzbar", kritisierte ÖVP-Gesundheitssprecherin Ingrid Korosec.

Loidl-Kocher betonte, man habe damals das Grundstück nach bestem Wissen und Gewissen auf Kontaminierung und Kriegsrelikten untersucht, die Gesamtkosten dafür seien aber nicht abschätzbar gewesen. Es hätte auch deutlich mehr werden können. Das sorgt für scharfe Kritik bei Korosec: „Durch die zusätzlichen Kosten für die Dekontamination und die Gegenmaßnahmen gegen elektrische Strömungen könnte das Spital noch teurer werden", befürchtet sie.

Die SPÖ sieht in der Aufregung der Opposition "falsche Empörung", schließlich sei der Gemeinderatsbeschluss im März 2010 zum Ankauf des Grundstückes an der Brünner Straße einstimmig ausgefallen. Auch habe die Wahl der Liegenschaft nichts willkürliches, sondern sei mit der guten Erreichbarkeit begründet.

Neos kritisieren "massives Organisationsversagen"

Brisante Aussagen machte auch der zweite Zeuge, der Zivilingenieur Hans Lechner der für die Durchführung und Moderation des Architekturwettbewerbs zuständig war. Auf Rückfrage erklärte Lechner "Es wäre sicher besser gewesen, wenn die Programmleitung Erfahrung im Krankenhausbau hätte".

Zudem ärgert sich der pinke Gesundheitssprecher Stefan Gara, dass die, von Ex-KAV-Direktor Thomas Balazs angekündigten Regresszahlungen nun schrumpfen könnten. "Die 200 Millionen Euro, die vom KAV immer als Regressforderungen genannt wurden, sind aus Sicht des Experten Lechner nur eine emotionale Bewertung – realistisch seien nur 30 Millionen. Hier wurde offenbar mit völlig willkürlich überhöhten Zahlen gearbeitet!", so Gara.



Management-Wechsel brachte Bruch in Kontrollsitzungen

In ihrer Zeit als verantwortliche Projektleiterin sei das Krankenhaus Nord jedenfalls im Zeit- und Kostenplan gewesen. "Ich war damals auf Ebene des Mikromanagements tätig und habe die unterschiedlichen Teilprojektleiter koordiniert", so Loidl-Kocher.

Nach der Entscheidung, dass der KAV selbst Bauherr für das Krankenhaus Nord wird und der Absage an das Konsortium aus Porr, Siemens und Vamed habe es einen Koblmüller die Gesamtprogrammleitung übernommen. "Unter der Leitung von Marhold und Koblmüller gab es wöchentliche Sitzungen sowie einmal im Monat eine Sitzung mit dem Auftraggeber", betonte Loidl-Kocher. Bis dahin hätten die Kontrollfunktionen sowie das Risikomanagement ordnungsgemäß funktioniert.

Das habe sich jedoch geändert, als Udo Janßen den KAV übernahm. "Ab dann fanden die Routinen der Sitzungen keine Fortsetzung. Auf wurden Maßnahmen nicht auf die tatsächlichen Projektabläufe abgestimmt", so Loidl-Kocher. "Janßen war in die Sitzungen nicht integrierbar, hat aber für Verzögerungen bei der Unterschriftenleistung gesorgt", betonte die ehemalige KAV-Mitarbeiterin.

Ex-Finanzchef wiederholt Marhold-Kritik

Wie schon Ex-KAV-Generaldirektor Wilhelm Marhold bei seiner Befragung am 31. Juli 2018 machte auch der ehemalige Infrastruktur- und Finanzdirektor Maximilian Koblmüller die ehemalige Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ) für die Probleme verantwortlich. Das Projekt KH Nord sei bis dahin in ruhigen Bahnen verlaufen.

Seit 2013 seien durch die Verzögerungen bei Bau und Übersiedelungen Mehrkosten von rund einer halben Milliarde Euro entstanden. (lok)

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