"Seien Sie kein Depp!" Trump schreibt Erdogan

US-Präsident Donald Trump schrieb dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan äußerst deutliche Worte wegen seines Einmarsches in Syrien.

Die feine Klinge ist bekanntlich nicht die Waffe von Donald Trump. Er holt lieber gleich mit dem Bihänder aus. So ist auch der Brief, den er seinem türkischen Amtskollegen geschrieben hat, mehr als deutlich. Aber Erdogan, der selbst gerne markige Sprüche klopft, versteht diese Sprache vielleicht eher als die der höflichen Diplomatie.

"Sie wollen nicht für das Abschlachten Tausender Menschen verantwortlich sein, und ich will nicht dafür verantwortlich sein, die türkische Wirtschaft zerstört zu haben – und das werde ich tun," schreibt Trump gleich zu Beginn. "Ich habe Ihnen bereits eine kleine Kostprobe in Hinblick auf Pastor Brunson gegeben."

Damit spielt Trump darauf an, dass Erdogan den US-amerikanischen Geistlichen Andrew Brunson zwei Jahre lang mit fadenscheinigen Begründungen eingesperrt hatte. Die Türkei warf ihm unter anderem Spionage vor und wollte ihn gegen den Prediger Fetullah Gülen austauschen, der in den USA lebt und der von Erdogan für den Putschversuch 2016 verantwortlich gemacht wird.

Trump hatte schließlich Wirtschaftssanktionen gegen die Türkei erlassen, die das Land schwer trafen. Innerhalb kürzester Zeit gab Erdogan nach und Brunson frei.

Nun verlangt Trump, dass die Türkei ihre Militäroffensive in Syrien gegen die Kurden beenden und spricht davon, dass Erdogan einen "guten Deal" machen könne. Trump legte ihm auch "vertraulich" einen Kopie eines Briefes von General Mazlum, dem Oberbefehlshaber der türkischen Streitkräfte bei. Laut Trump wolle Mazlum mit Erdogan verhandeln und sei "bereit Konzessionen zu machen, die er in der Vergangenheit nie gemacht hätte".

Ob die Geschichtsbücher mit Wohlwollen oder Hass auf Erdogan blicken werden, habe der türkische Präsident selbst in der Hand, schloss Trump. Und fügte hinzu: "Spielen Sie nicht den harten Mann. Seien sie kein Depp!".

Hier ist der Brief im Original und übersetzt:

„Sehr geehrter Herr Präsident!

Lassen Sie uns einen guten Deal ausarbeiten. Sie wollen nicht für das Abschlachten Tausender Menschen verantwortlich sein, und ich will nicht dafür verantwortlich sein, die türkische Wirtschaft zerstört zu haben – und das werde ich tun. Ich habe Ihnen bereits eine kleine Kostprobe in Hinblick auf Pastor Brunson gegeben.

Ich habe hart daran gearbeitet, einige Ihrer Probleme zu lösen. Lassen Sie die Welt nicht im Stich. Sie können einen großartigen Deal abschließen. General Mazlum ist bereit, mit ihnen zu verhandeln und er ist bereit, Konzessionen zu machen, die er in der Vergangenheit nie gemacht hätte. Ich lege Ihnen vertraulich eine Kopie seines Briefes an mich bei, den ich gerade erhalten habe.

Die Geschichtsbücher werden Sie mit Wohlwollen betrachten, wenn Sie die Sache auf richtige und menschliche Weise lösen. Sie werden Sie für immer als Teufel ansehen, wenn keine guten Dinge passieren. Spielen Sie nicht den harten Mann. Seien sie kein Depp!

Ich werde Sie später anrufen.

Mit freundlichen Grüßen"

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