"Seit er auf Bordellseiten war, ekelt er mich an!"

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Janas Freund tummelt sich auf Sex-Websites. Wenn sie ihn zur Rede stellt, wiegelt er ab und beteuert, er sei zufrieden mit der Beziehung. Sie sieht das anders.
Frage von Jana (27) an Doktor Sex: Ich bin seit fünf Jahren in einer Beziehung. Jedoch zweifle ich in letzter Zeit etwas an unserem Glück. Ich habe das Gefühl verloren, von einem Mann begehrt und verwöhnt zu werden. Mein Freund wirkt auf mich desinteressiert und nur auf sich selbst konzentriert. Und neulich habe ich sogar festgestellt, dass er Websites von verschiedenen Puffs gegoogelt und dabei auch einzelne Frauen angeschaut hat.

Seither habe ich furchtbar Angst, dass er mich betrügen könnte. Wenn ich mit ihm über unsere Beziehung sprechen möchte, sagt er nur, es sei alles gut, er liebe mich und auch am Sex habe er nichts auszusetzen. Was soll ich tun? Was soll ich glauben? Allein, dass er Bordelle gegoogelt hat, verletzt mich total. Ich finde ihn seither richtig eklig. Warum tut er so etwas, wenn er doch glücklich in einer Beziehung ist?

Antwort von Doktor Sex

Liebe Jana

Die Frage, warum Männer sich auf Websites mit sexuellen Inhalten tummeln, ist in meinen Beratungsgesprächen immer wieder ein Thema. Die Angesprochenen beteuern dann jeweils meist, dies sei eine nicht ernstzunehmende Ablenkung vom Alltagsstress – und da sei keinerlei echter Bedarf vorhanden, außerhalb der Beziehung Sex zu haben. Und die meisten Frauen reagieren auf diese Bekenntnisse wie du: Sie zweifeln daran, weil sie nicht verstehen können, dass ihr Partner Recherchen anstellt über etwas, das ihn letztlich gar nicht interessiert.

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Im weiteren Verlauf des Paarprozesses zeigt sich dann häufig, dass die Beteuerungen der Männer, sie seien rundum zufrieden mit der Beziehung und dem Sex, eben doch nicht so wirklich stimmen und sie sehr wohl Fantasien pflegen und Wünsche hegen. Diese behalten sie aber meist für sich, da sie – und hier kommen nun die Frauen ins Spiel – im Vorfeld bereits die Erfahrung gemacht haben, dass ihre Partnerinnen rasch in Selbstzweifel versinken, wenn sie ihre Gedanken aussprechen.

CommentCreated with Sketch.1 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Für die Mehrzahl meiner Klientinnen und Klienten ist es hilfreich und auch erleichternd, zu sehen, dass beide Partner ihren Teil dazu beitragen, dass der Teufelskreis von Schweigen und Heimlichkeiten in Gang kommen und aufrechterhalten werden kann. Es braucht dann aber trotzdem meist noch ein hartes Stück Bewusstwerdungsarbeit, um den Mechanismus des gegenseitigen Vorwegnehmens möglicher Reaktionen zu erkennen und zu verstehen, dass und wie die je individuellen Beziehungskonzepte damit in Verbindung stehen.

Zu versuchen, sich selbst und den Partner zu verschonen, indem man die heiklen Themen aus der Paarkommunikation ausschließt, macht absolut keinen Sinn. Diese Strategie löst nicht nur keine Probleme, nein, sie schafft sie geradezu. Wer echt und wirklich interessiert ist, mit seinem Partner den Lebensweg zu teilen, hat keine andere Wahl, als radikal offen und ehrlich zu kommunizieren – nicht nur, was den Sex angeht.

Ich rate dir deshalb, deinen Mann mit all dem zu konfrontieren, was du in deiner Frage an mich geschrieben hast. Und ihm mitzuteilen, dass du nicht länger interessiert bist an einer Beziehung, in der die Themen ausgespart werden, bei denen es im Gespräch schmerzhaft wird, da man dabei auch die Seiten zeigen muss, die möglicherweise nicht dem moralischen Mainstream entsprechen. Viel Kraft!

Ihre Frage an Doktor Sex: doktor.sex@heute.at

(wer)

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