"Seit zwei Jahren haben wir keinen Sex mehr!"

Jahrelange Flaute im Bett - was tun?
Jahrelange Flaute im Bett - was tun?Bild: Fotolia
Weil es mit der körperlichen Intimität in der Beziehung nicht mehr klappt, geht Tina fremd. Trotzdem schafft sie es nicht, Schluss zu machen.
Frage von Tina (30) an Doktor Sex: Ich habe ein kleines Problem: Seit acht Jahren bin ich nun schon in einer Beziehung mit meinem Freund, jedoch sehe ich für diese keine Zukunft mehr, denn bereits seit zwei Jahren sind wir nicht mehr körperlich intim. Um meine sexuellen Bedürfnisse zu befriedigen, bin ich im letzten Jahr auch fremdgegangen. Ich kann mir auch nicht mehr vorstellen, mit ihm zusammenzuziehen oder eine Familie zu gründen.

Schon mehrmals habe ich daran gedacht, die Beziehung zu beenden, aber ich bringe es einfach nicht übers Herz. Er ist so ein herzensguter Mensch und ich mag ihn sehr. Aber seit zwei Jahren ist er einfach nur noch ein sehr guter Freund, den ich verlieren werde, wenn ich unsere Partnerschaft beende. Eine offene Beziehung kommt für ihn nicht infrage. Was soll ich tun? Und wie komme ich aus dieser Zwickmühle heraus?

Antwort von Doktor Sex

Liebe Tina

Etwas vereinfacht gesagt, kann man die Liebe, um die es in einer Paarbeziehung geht und von der sie lebt, in drei "Teil-Lieben" unterteilen: In eine partnerschaftliche, eine erotische und eine freundschaftliche. Die meisten Menschen wünschen sich nicht nur, dass die drei gleich groß, sondern auch gleich intensiv sind.

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Dass es unmöglich ist, diese drei Aspekte in stets gleichbleibender Intensität über Jahre und sogar Jahrzehnte hinweg aufrechtzuerhalten, wird den meisten früher oder später bewusst. Trotzdem halten viele Menschen stur am Prinzip "Alles mit einem für immer" fest. Auch du scheinst von diesem Modell auszugehen.

CommentCreated with Sketch.9 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. In einer gelebten Liebesbeziehung ist es aber so, dass die individuellen Interessen und Wünsche hinsichtlich der drei genannten Themen ziemlich verschieden sind. Zwar können die Unterschiede in der ersten Zeit noch einigermassen nivelliert und kaschiert werden. Auf Dauer ist dies aber zum Glück nicht möglich.

Wenn dann die Einzigartigkeit der zwei Menschen, die sich da aufeinander eingelassen haben, ganz sichtbar wird, führt dies nicht selten zu einer happigen Krise. Manchen Paaren gelingt es, daraus gestärkt hervorzugehen und sich gegenseitig den individuellen Raum zuzugestehen, den sie brauchen.

Anderen gelingt dies nicht. Sie halten lieber an ihrem Beziehungskonzept fest und beenden daher die unbefriedigende Partnerschaft. Gerade wenn es – wie in eurem Fall – um die erotische Liebe geht, ist dies häufig der Fall. Tragischerweise geht durch die Trennung aber eben auch all das den Bach runter, was passt und wofür man gern zusammen ist.

Damit dies nicht geschieht, braucht es ein liebendes Herz, Kompromissbereitschaft sowie die Fähigkeit, Differenzen auszuhalten und dem Menschen, den man liebt, Räume und Möglichkeiten zuzugestehen, in denen er die Bedürfnisse befriedigen kann, die in der Beziehung keinen Raum haben.

Da bei euch abgesehen vom Sex alles zu passen scheint, schlage ich dir vor, nochmals mit deinem Freund über die Möglichkeit zu sprechen, zumindest versuchsweise und zeitlich befristet deine sexuellen Bedürfnisse anderswo zu leben. Alles Gute!

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