"Sie wünscht sich, von mir angepinkelt zu werden!"

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Kevin mag es, mit seiner Freundin beim Sex zu experimentieren. Doch nun hat sie ihm einen Vorschlag gemacht, der ihn an seine Grenzen bringt.

Frage von Kevin (19) an Doktor Sex: Ich liebe meine Freundin sehr. Wir sind seit drei Jahren in einer Beziehung. Vom Sex einmal abgesehen, ist sie die perfekte Frau für mich. Wir sind beide experimentierfreudig und offen. Unser Sexleben ist daher auch sehr abwechslungsreich. Der Haken an der ganzen Sache ist, dass sie neulich einen etwas speziellen Wunsch geäußerst hat: Sie wünscht sich, von mir angepinkelt zu werden.

Der Gedanke daran lässt sie einfach nicht mehr los. Manchmal sieht sie mir auch beim Urinieren zu. Ich bringe es einfach nicht übers Herz, auf sie zu urinieren. Dafür wurde ich zu gut erzogen. Verlassen möchte ich sie aber auch nicht. Ich suche seit zwei Monaten nach einer Lösung, doch ich finde keine – und die Lage verbessert sich nicht. Hast du einen Rat für mich, was ich tun könnte?

Antwort von Doktor Sex

Lieber Kevin

Die Neigung oder Vorliebe, beim Sex Urin miteinzubeziehen, um damit die Lust zu steigern oder einen speziellen Kick und eine spezielle Form von Befriedigung zu erlangen, wird Urophilie genannt. Je nach Ausprägung kann es sich dabei um eine Form von Fetischismus handeln. Anhänger dieser sogenannten "Golden Shower"-Spiele unterscheiden zwischen aktiven und passiven Formen.

Die Varianten reichen vom Zusehen beim Urinieren (passiv) über sich gegenseitig anpinkeln beziehungsweise anpinkeln lassen (aktiv) bis hin zum Trinken von "Natursekt" – so wird Urin in der Szenesprache auch genannt. Weil bei der passiven Form die sexuelle Erregung durch Beobachtung ausgelöst wird, spricht man in diesem Fall oft auch von einer speziellen Form von Voyeurismus.

Was den Sex und die Praktiken angeht, die dabei anzuwenden sind, haben wohl die meisten Paare nicht genau identische Vorstellungen – genauso, wie bei anderen Bedürfnissen und Interessen in der Beziehung auch. Darum ist es auch bei diesem Thema notwendig, zu verhandeln und nach Kompromissen zu suchen, die für die Beteiligten lebbar sind. Das Spektrum reicht von sich gegenseitig annähern über das bewusste Auslagern bis zum Verzicht.

Wie du schreibst, verunmöglicht dir deine gute Kinderstube, den Wunsch deiner Freundin zu erfüllen, weshalb ihr euch nun in einer Situation befindet, die ihr noch unzählige Male erleben werdet, falls ihr ein längeres Stück eures Lebenswegs teilt: zwei Menschen – zwei Bedürfnisse. Bevor es darum geht, herauszufinden, welche Bewegungen euch beiden möglich sind, scheint es mir wichtig, zuerst einmal den Wunsch zu gewichten.

Ein experimentierfreudiges Paar wie ihr es offenbar seid, landet zwangsläufig bei Sexualpraktiken, an die Herr oder Frau Durchschnitt nicht einmal zu denken wagen. Dies bedeutet aber nun nicht, dass jeder davon die gleiche Wichtigkeit hat. Wenn ich dich richtig verstanden habe, ist deine Freundin ja nicht eine Urin-Fetischistin. Ich gehe deshalb davon aus, dass sie auch auf die Erfüllung dieses Wunsches verzichten kann.

Sprich das Thema an! Und werde dir bewusst, dass der Druck möglicherweise mehr von dir als von deiner Freundin kommt.

Deine Frage an Doktor Sex: doktor.sex@heute.at

(wer)

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