"Skin" – Packendes Drama in der Neonazi-Szene

Skinhead Babs (Jamie Bell) hat genug von Hass und Gewalt, doch seine "Familie" will ihn nicht gehen lassen.
Im frostigen Ohio marschieren die Neonazis auf. Ihre Mitglieder rekrutieren sie auf der Straße – mittellose Jugendliche, die für eine warme Mahlzeit und ein Dach über dem Kopf zu fast allem bereits sind. Für jedes Gewaltverbrechen, jede brennende Moschee bekommen sie einen Orden in Form eines Tattoos verpasst.

Das Gesicht von Bryon Widner alias Babs (Jamie Bell) ist von diesen Auszeichnungen übersät. Sie kennzeichnen ihn als Top Boy in der rechtsradikalen "Wikinger-Vereinigung" seiner Zieheltern Hammer (Bill Camp) und Ma (Vera Farmiga). Wer sich mit Babs anlegt, kann schon mal seine Knochen nummerieren. Insgeheim wünscht sich der Skinhead jedoch ein zufriedenes, friedliches Leben.

Als er sich in die frühere Nazi-Braut Julie (Genial: Danielle Macdonald) verliebt, die der Szene mehr oder minder erfolgreich den Rücken gekehrt hat, sieht Babs seine Chance gekommen. Gemeinsam mit Julies Kindern verlassen sie Ohio, doch Hammer und Ma heften sich an ihre Fersen.

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Der Trailer von "Skin":





Trister, kälter, realistischer:



Eine andere Geschichte über einen charismatischen Anführer mit Hakenkreuz-Tattoo, der Rassismus und Gewalt abschwört, sorgte schon Ende der Neunziger für Aufsehen. Den Vergleich mit "American History X" (mit Edward Norton in der Hauptrolle) muss sich "Skin" gefallen lassen und steigt dabei (nur) auf den ersten Blick als Verlierer aus.

"American History X" hatte die besseren Hollywood-Qualitäten, beginnend bei Nortons Bauchmuskeln, über den dramatischen Wendepunkt in der Gesinnung der Hauptfigur, bis hin zum blutigen Finale. "Skin" ist trister, kälter und näher am wirklichen Leben. Das liegt nicht daran, dass der Film auf wahren Begebenheiten basiert (HIER geht's zum Wikipedia-Eintrag des echten Bryon Widner), sondern am Aufbau der Story.

Der Trailer von "American History X":





Klare Message:



Babs braucht keine große Erkenntnis, kein Aha-Erlebnis, dass ihn zum Umdenken bewegt. Sein Widerstreben ist bereits tief in ihm verankert und wartet nur auf eine Gelegenheit, das Ruder zu übernehmen. Die Message des Films steht damit von Anfang an fest: Der Hass und die daraus erwachsende Gewalt sind nur antrainiert. Nachsatz: Doch leider so gut, dass sie sich nicht einfach abschütteln lassen.

"Skin" will nicht die Augen öffnen, sondern die Geschichte eines Entzugs erzählen. Und das wirklichkeitsgetreuer, als man es von Hollywood gewöhnt ist. Bell legt Babs daher als Normalo an. Selten lässt sich der Schauspiel-Star unter den Tattoos erahnen (und ja, ein bisschen vermisst man da schon Ed Norton). 14 sind es im Gesicht, 39 am Körper (via "IMdB). Als die Produktion aus Budgetgründen pausieren und Bell die Tattoos tagelang auf dem Gesicht behalten musste, wollte sich niemand mehr beim Essen zu ihm setzen. Eine andere Message, die im Film vielleicht ein wenig zu kurz kommt.

"Skin" startet am 4. Oktober 2019 in den österreichischen Kinos.

Nav-AccountCreated with Sketch. Leo Dworschak TimeCreated with Sketch.| Akt:
Kritik/RezensionKinoFilmJamie Bell

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