"Sklavenarbeit" in der EU: Kinder verpacken Ü-Eier

Bild: Astrid Kopp
Bis zu dreizehn Stunden am Tag schuften rumänische Familien, um die Spielereien in die beliebten Überraschungseier von Kinder zu bekommen. Selbst sechsjährige Kinder sitzen und schuften sich die Finger wund, damit die Familien überleben können. Das Geld, das Ferrero wahrscheinlich zahlt, versickert allerdings bei Mittelsmännern, die die Familien wie Sklaven schuften lassen.
 

Der Journalist in ihrem Haus nahe Carei, nur rund 600 Kilometer von Wien entfernt. Mitten im Wohnzimmer sitzen Mutter Timea (30), Papa Christian (41), ihr Sohn Patrick (11), seine kleine Schwester Hannah (6) und ihre ebenfalls sechsjährige Cousine Tamara. Alle sind den ganzen Tag damit beschäftigt, winzige Bauteile in die berühmten gelben Plastikeier zu packen. Eines nach dem anderen, bis zu 13 Stunden am Tag. 

Für jedes tausendste abgelieferte Ei bekommt die Familie 20 rumänische Lei, umgerechnet 4,43 Euro. Dafür müssen die Eier aber in der Fabrik in Carei nahe der ungarischen Grenze abgegeben werden.

Mittelsmänner werden von Leid der Familien stinkreich

Weil die Arbeit von einem Subunternehmer an die Familien und in deren Häuser ausgelagert wird, ist Qualitätskontrolle so gut wie unmöglich. Der Whistleblower, der mit Nick Parker sprach, vermutet, dass Ferrero keine Ahnung von den unmenschlichen Zuständen, den schlechten sanitären Bedingungen und der Kinderarbeit hat. Er vermutet, dass Ferrero zwar zahlt, ein Mittelsmann jedoch das Geld einsackt, während die Arbeiter wie Sklaven für einen Hungerlohn schuften. 

Mutter: "Es ist Sklavenarbeit"

Mutter Timea ist klar, dass Arbeitsbedingungen und Bezahlung katastrophal sind, aber sie braucht das Geld für Essen. "Es ist Sklavenarbeit aber was soll man machen, wenn man keine andere Wahl hat", meint Vater Christian. 

Journalist fragte nach: Innerhalb einer Stunde war Familie "gekündigt"

Die Plastikverpackungen und die Spielzeug-Bestandteile bekommt die Familie von einer Firma namens Prolegis. Als die "Sun" mit den Zuständigen sprechen wollte, lief der Vorarbeiter davon und versperrte die Fabrikstür. Innerhalb einer Stunde stand ein Taxi vor dem Haus der Familie Jurj. Der Fahrer verlangte Eier und Spielzeugteile und teilte der Familie mit, dass die Arbeit für sie vorbei sei. 

Doch die Familie Jurj ist bei weitem nicht das einzige Opfer. Die 49-jährige Felicia Indrea aus Carei verpackt seit zwei Jahren Kinder-Eier, 13 Stunden täglich. Sie bekommt für einen vollen Sack fertig zusammengebauter Teile allerdings nur 14 Lei. "Manchmal glaube ich, über dieser Arbeit verrückt zu werden. Ich sehe die Spielzeuge sogar in meinen Träumen. Die Bezahlung ist schrecklich, aber mir bleibt keine andere Wahl. Kinder lieben Überraschungseier und ich bin froh, wenn ich sie mit meiner Arbeit glücklich machen kann. Aber für uns ist es sehr hart." 
Nav-Account heute.at Time| Akt:

ThemaCreated with Sketch.Weiterlesen