"Sobald ich verliebt bin, habe ich Panikattacken"

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Immer wieder kommt Sabine ihre Vergangenheit in die Quere. Lässt sie sich richtig auf einen Mann ein, quälen sie bald Weinkrämpfe und Atemnot.
Frage von Sabine (27) an Doktor Sex: Ich hatte noch nie einen Freund – und auch keinen Sex. Dies bereitet mir Kummer. Wenn ich einen Mann kennenlerne, kann ich mich auch nicht leicht öffnen. Bin ich jedoch verliebt, spielen meine Gefühle verrückt. Im ersten Moment empfinde ich dann alles als schön, wenn ich an die Person denke. Doch dann kommen Ängste auf, ich kriege kaum noch Luft und muss ständig weinen. Mein Gegenüber bemerkt das natürlich alles und hält es schnell nicht mehr aus mit mir.

Ich habe einige schlimme Dinge erlebt in der Vergangenheit. Hängen meine Reaktionen vielleicht damit zusammen? Ich wünsche mir halt schon sehr, endlich jemanden richtig kennenlernen zu können und einen festen Freund zu finden. Aber solange ich immer wieder in diese Not gerate, wird das nie etwas. Kannst du mir sagen, warum bei mir Verliebtsein eine solche Angst auslöst? Fürchte ich mich vor der Liebe? Und kann ich diese Panikattacken irgendwie in den Griff bekommen und beenden?

Antwort von Doktor Sex

Liebe Sabine

Verdrängte Missbrauchs- und Gewalterfahrungen – und ich vermute, darum handelt es sich bei dem, was du als "schlimme Dinge" beschreibst – können sich auf mehreren Ebenen der physischen und psychischen Existenz eines Menschen und unterschiedlich intensiv einprägen. Je nach Alter, in dem jemand eine solche Erfahrung macht, und abhängig von den Möglichkeiten und Ressourcen, die jemand hat, um damit umzugehen, ist das Erlebte dem Bewusstsein des oder der Betroffenen mehr oder weniger zugänglich.

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Wenn jemand diese traumatischen Erfahrungen komplett von seinem Bewusstsein abspaltet, zeigen sich – manchmal erst Jahre später – in Momenten, die von fern an den Vorfall erinnern oder damit in Zusammenhang stehen, unerklärliche Phänomene, die das Erleben und Verhalten der traumatisierten Person beeinflussen. Diese können sich beispielsweise in Form von heftigen körperlichen und emotionalen Reaktionen zeigen und zur Folge haben, dass eine Beziehung be- oder gar verhindert wird oder Sex nicht möglich ist.

CommentCreated with Sketch.0 Kommentar schreiben Arrow-RightCreated with Sketch. Von einem Trauma spricht man, wenn bei einer Überreizung des Nervensystems – also dann, wenn die Tat geschieht – der natürliche Zyklus von Orientierung, Flucht, Kampf und Immobilitäts-Reaktion nicht vollständig durchlaufen werden oder zustande kommen kann. Dies kann dazu führen, dass die vom Körper bereitgestellte Überlebensenergie nur unvollständig, verzögert oder gar nicht aufgelöst wird und der Organismus darum später weiterhin auf eine Bedrohung reagiert, die real schon lange nicht mehr existiert.

Gib nicht auf! Die Möglichkeit, trotz der Dinge, die du erlebt hast, einen Mann kennenzulernen und mit ihm körperliche Intimität und eine erfüllende Sexualität leben zu können, besteht auch für dich. Der Weg dorthin erfordert aber die Auseinandersetzung mit deiner Vergangenheit und könnte deshalb nicht ganz einfach werden. Ich empfehle dir deshalb, dich in diesem Prozess von einer Fachperson begleiten zu lassen. Auf der Webseite der Opferhilfe Schweiz findest du entsprechende Links. Alles Gute!

Ihre Frage an Doktor Sex: doktor.sex@heute.at

(wer)

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